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Nachricht vom 06.05.2021    

Wald weg, Waldbesitzer arm, Bauholz teuer und knapp

Von Helmi Tischler-Venter

In ihrer Reihe „Impulse digital“ erörterte die CDU-Kreistagsfraktion am Mittwoch, 5. Mai das für Kommunen, Handwerker und Bauherren virulente Thema: „Bauholzpreise steigen kräftig - und die Waldbesitzer gehen leer aus?“

Holzeinschlag auf der Montabaurer Höhe (2020). Fotos: Helmi Tischler-Venter

Montabaur. Die Relevanz des Themas wurde an der Teilnehmerzahl der Videokonferenz deutlich: CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Stephan Krempel konnte fast 50 Personen begrüßen. Krempel skizzierte die momentane Situation, dass die Nachfrage nach Bauholz pandemiebedingt besonders hoch ist, die Zimmerer aber nicht genügend Ware bekommen und/oder einen horrenden Preis bezahlen müssen bei gleichzeitig hohem Fichteneinschlag und Verkauf des Holzes zu Schleuderpreisen in den Export. Da drängt sich die Frage auf: Warum wird das Westerwälder Holz nicht im Westerwald verbaut zu einem akzeptablen Preis?

Die Antwort ist komplizierter als es scheint. Das kam in den Ausführungen von Bürgermeister Thilo Becker (VG Höhr-Grenzhausen) und Prokurist Jörn Michael Volk als Vertreter der „Kommunalen Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Rhein-Taunus mbH (HOLZ-WRT)“ zutage. Die „Holz-WRT“ wurde am 2019 als erste Gesellschaft dieser Art gegründet. 23 Verbandsgemeinden und drei Städte aus dem Westerwaldkreis, dem Rhein-Lahn-Kreis, dem Landkreis Mayen-Koblenz, sowie dem Kreis Neuwied beschlossen, die Holzvermarktung selbständig und neu zu organisieren um sich künftig selbst zu verwalten. Ziel des Verbands war es, ungefähr 250.000 Festmeter pro Jahr zu verkaufen.

Aber zwei Monate nach der Gründung ging das Drama los, die Borkenkäferkalamität erzwang ganz andere Holzeinschläge: 2020 wurden 2,2 Millionen Festmeter und in 2021 pro Monat etwa 100.000 Festmeter eingeschlagen. Da Holz eine verderbliche Ware ist, musste es - in Absprache mit den Forstrevieren - schnellstmöglich abgefahren werden. Da auch der Harz, Bergisches Land, Sauerland und andere deutsche Regionen viel Holz einschlugen, wurde der Markt damit überschwemmt und der Preis brach ein. Nun sind die die Fichtenbestände und Vorräte sehr stark aufgebraucht, in den Haushalten der Ortsgemeinden zeigen sich die Auswirkungen, die anhalten werden, weil Holz jahrzehntelang wächst, bis es marktfähig verwertbar ist.

Wenn man den Weltmarkt betrachtet, sieht man, dass in den USA Holzknappheit herrscht wegen des Handelsstreits mit Kanada. Skandinavien und Österreich verkaufen Holz zu höheren Preisen in die USA. Die Kaufpreise für alle Materialien - Holz, Zement, Stahl und Brennstoffe - sind gewaltig gestiegen. Die Gemeinden haben von den hohen Preisen noch nichts abbekommen. Im Gegenteil, der Preis für das Leitsortiment lag 2017 bei 95 Euro, in 2020 bei maximal 30 Euro. Industrieholz, das unter Druck verkauft werden musste, brachte im letzten Jahr drei bis fünf Euro pro Festmeter. Obwohl die regionalen Sägewerke fleißig geschnitten haben, konnte der regionale Markt, auch wenn man „regional“ mit „europäisch“ gleichsetzt, in 2019/20 die Mengen nicht aufnehmen. Das Holz wurde nach Asien exportiert, um den finanziellen Schaden für die Gemeinden zu reduzieren. Der Export war aber angesichts der schieren Holzmenge eine Notlösung.

Bisher konnte man auf Lieferketten vertrauen, die in kürzester Zeit liefern konnten. Nun zeigt sich, dass eine eigene Lagerhaltung nötig ist. Man versucht, durch langfristige Verträge mit regionalen Sägewerken die Rohstoffversorgung sicher zu stellen, Importe zu vermeiden und akzeptable Marktpreise zu erzielen. Eine direkte Einflussnahme auf das Geschäftsgebaren der Sägewerke ist den Erzeugern nicht möglich, auch der Holzhandel unterliegt den Marktgesetzen.



Krempel und Volk fassten zusammen: Es ist zwar Holz da, aber wir müssen es exportieren, weil der deutsche Markt es nicht verarbeiten kann. Es ist tendenziell kein Holz mehr zu kriegen, eine Verknappung entsteht durch das Qualitätsproblem. Es liegt noch Holz im Wald, das die Sägewerke wegen geringerer Qualität nicht verarbeiten möchten und das daher ins Ausland veräußert wird. Bauholz wird in Zukunft auch minderwertiger verarbeitet werden müssen, sofern es sich um Verfärbungen handelt, die nicht zulasten der Stabilität gehen.

Von Teilnehmern kamen Ideen, die sich jedoch bei genauer Analyse als nicht realisierbar erwiesen. So kann Käferholz nicht höher qualifiziert werden, weil es austrocknet und reißt. Das Absatzproblem ist wegen der geforderten Qualität nicht kurzfristig zu ändern. Und die Verordnung über die Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags, die nach Ansicht der Waldbesitzer zwei Jahre zu spät kam, kann als Bundesverordnung nicht einfach zurückgedreht werden.

Nasslager konnten nicht (wie in den Jahren 1986 bis 1990) angelegt werden, weil aus den Bachläufen nicht genügend Wasser zum Beregnen gezogen werden kann. Die extreme Trockenheit, die auch Ursache der Borkenkäferkalamität ist, macht auch dieses Vorhaben unmöglich. Spritzen gegen Borkenkäfer war aufgrund der Riesenflächen keine Option, das hätte zu viel Chemieeinsatz erfordert.

Die Idee, kurzfristig Sägewerke aufzubauen, scheitert an den mehrere Millionen Euro Kosten und wäre auch nicht innerhalb eines Jahres machbar.

Die Handwerker haben Angst, dass sie trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden müssen wegen der dramatischen Holzverknappung und dass Bauherren abspringen wegen steigender Holzpreise. Der Waldbesitzer hat davon nichts, der Gewinn liegt an anderer Stelle. Der Frust ist verständlich, da keine Lösungen in Sicht sind. Angestrebt wird ein Runder Tisch, an dem Innung und Sägewerker beteiligt sind, mit dem Ziel, dass diese die vor Ort befindlichen Zimmerer bedienen.

Bei der Diskussion um den Wald darf nicht vergessen werden, dass ein Waldumbau erforderlich ist, weil wir den Wald als CO2-Speicher und für den Wasserhaushalt brauchen. Eine Wiederaufforstung mit Monokulturen im Hinblick auf rasche Holzernte ist nicht ratsam. Nadelholz ist nicht tabu, auch hitzeresistente Douglasie wird gebraucht, aber Mischbestände müssen angelegt werden, weil wir nicht wissen, was in 100 Jahren dem Klima standhält.

Wie Dr. Stefan Krempel feststellte, muss man miteinander reden und „verdammt dickes Holz bohren“. Jeder muss an seiner Stelle daran arbeiten, die Problematik in Griff zu bekommen. htv


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