Werbung

Nachricht vom 06.05.2021    

Schafe und Ziegen im Einsatz für den Naturschutz

Stadt und Verbandsgemeinde Montabaur gehen neue Wege in der Pflege von Grünflächen: Ziegen weiden auf Wiesen am Bahndamm nahe dem ICE-Bahnhof und Schafe werden zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus in den Stadtteilen Horressen und Eschelbach eingesetzt.

Markus Kuch (r.) und Josef Kaiser, Vater und „Assistent“ von Schäfer Florian Kaiser, besuchen die Ziegen am Bahndamm in Montabaur. Sie beweiden dort die städtischen Grünflächen. Foto: VG Montabaur / S.Ditscher

Montabaur. Ökologisch sinnvoll ist dieser Einsatz allemal, aber auch praktisch und außerdem eine Attraktion für Spaziergänger.

„Am Anfang waren sie noch schreckhaft. Aber inzwischen haben sich Alma, Glöckchen und die anderen an das Rauschen der ICEs gewöhnt“, berichtet Josef Kaiser aus Girod-Kleinholbach, der mit seinem Sohn Florian zusammen die Ziegenherde an der Bahnallee in Montabaur betreut. Hier sind Kaisers Burenziegen, vier Muttertiere und sechs Junge, seit gut zwei Wochen im Einsatz. Ihre Aufgabe: Die rund 3.600 Quadratmeter große Wiesenfläche ordentlich abfressen, damit kein langer Halm mehr übrigbleibt.

Rund vier Wochen werden sie dafür brauchen, dann bringt Schäfer Florian Kaiser sie weiter zum nächsten Einsatzort, den schwer zugänglichen Wiesenflächen am Aubach zwischen FOC und Aubachviertel und zur Fröschpfortstraße. Den grünen Tisch hat Markus Kuch, Leiter der Grünflächenverwaltung bei der Verbandsgemeinde Montabaur, für die Ziegen gedeckt. Aus seiner Sicht gibt es viele gute Gründe für diese Art der Grünflächenpflege: „Die Ziegen sind gründlich und fressen alles ab, nichts bleibt liegen oder stehen. Sie schonen den Boden im Vergleich zu einem Traktor oder Rasenmäher und sie gelangen leicht auf schwer zugängliche Flächen oder Hanggrundstücke. Außerdem freuen sich Spaziergänger an ihrem Anblick und bleiben gerne stehen, um die Tiere zu beobachten“, fasst Kuch zusammen. „Wir bringen die Natur in die Stadt.“

In den letzten Jahren hatte Kuch keine Landwirte mehr gefunden, die die städtischen Wiesen mähen und das Mähgut aufnehmen. Das brachte ihn auf die Idee, sich nach anderen „Rasenmähern“ umzusehen. Das ist auch ökologisch sinnvoll, weiß Kuch: „Wenn das geschnittene Grün liegen bleibt, die Fläche also gemulcht wird, steht das der Biodiversität entgegen. Die starken Arten und die Generalisten unter den Wiesenpflanzen setzen sich durch – zum Beispiel der Löwenzahn. Dadurch werden die anspruchsvollen Spezialisten wie Schafgarbe, Johanniskraut, Flockenblume oder Wiesenknopf zurückgedrängt. So geht Vielfalt verloren und den Insekten fehlen ihre typischen Nahrungsquellen“. Durch die Beweidung mit Ziegen und Schafe werden die Flächen gleichmäßig gemäht und das Mähgut wird an Ort und Stelle „verarbeitet“, sprich aufgefressen. Gut sieben Hektar städtische Grünflächen will Kuch in diesem Jahr beweiden lassen, jede Fläche nach Möglichkeit zweimal.



Gründliche „Rasenmäher“ sind auch Schafe. Sie werden im Mai auf drei Feuchtwiesen rund um Montabaur eingesetzt. Dort haben sie einen Spezialauftrag: den Riesenbärenklau abfressen. Die Pflanzen gehören nicht zur heimischen Vegetation, verbreiten sich aber aggressiv in unserer Region, vor allem im feuchten Uferbereich von Bächen. Die Stauden werden bis zu drei Meter hoch. Ihre Blätter, Stiele und Blüten sondern eine milchige Flüssigkeit ab, wenn sie brechen. Die Milch ruft bei Menschen Hautverbrennungen und allergische Reaktionen hervor.

Im April und Mai setzt das Wachstum des Riesenbärenklaus ein. Die Schafe fressen die jungen Triebe ab, sodass die Pflanzen weiterwachsen und keinen neuen Samen ausbilden. „Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus ist Aufgabe der Verbandsgemeinde im Rahmen der Gewässerunterhaltung“, erklärt Markus Kuch. Im letzten Jahr waren erstmals Schafe im Einsatz. „Sie haben ganze Arbeit geleistet, wir haben kaum noch Riesenbärenklau auf ihren Weideflächen vorgefunden. Deshalb weiten wir das Vorgehen jetzt auf andere Flächen aus“, so Kuch.

Ab Mai „arbeiten“ nun drei kleine Herden in Eschelbach am Aubach und in Horressen am Stadtbach westlich der L327, wo der Riesenbärenklau besonders verbreitet ist. Dafür sorgen neben Schäfer Florian Kaiser aus Girod-Kleinholbach auch Marco Quirmbach aus Horressen und Christian Ludwig aus Eschelbach. Im Anschluss dürfen sich die Schafe noch die Grünfläche im Wäschbachtal in Horressen schmecken lassen, wo eine naturnahe Wiesenlandschaft mitten im Ort entstanden ist. Die Ziegen und Schafe sollen übrigens nicht gefüttert werden, denn Nahrung, die nicht artgerecht ist, kann den Tieren schaden.

Hunde unbedingt anleinen
Wer in der Nähe der Weideplätze mit dem Hund spazieren geht, sollte diesen auf jeden Fall an die Leine nehmen. Durch das Bellen werden die Schafe und Ziegen aufgeschreckt, die Jungtiere verängstigt. Besonders ärgerlich: Gleich in den ersten Tagen ist ein freilaufender Hund über den Elektrozaun gesprungen und hat zwei Ziegen verletzt. Das muss nicht sein, wenn Hundebesitzer Rücksicht nehmen und ihre Tiere anleinen.
(PM)


Mehr zum Thema:    Naturschutz   
Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona im Westerwaldkreis: Inzidenz verharrt bei 6,9

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Mittwoch, den 23. Juni 7.424 (+2) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell laut Gesundheitsamt 34 aktiv Infizierte.


Politik, Artikel vom 24.06.2021

Verbandsgemeindehaus Montabaur wächst nach oben

Verbandsgemeindehaus Montabaur wächst nach oben

Wer den Baufortschritt beim neuen Verbandsgemeindehaus in Montabaur begutachten wollte, musste lange Zeit den Blick nach unten in die Baugrube richten. Inzwischen kann man sich bequem auf Augenhöhe umsehen, doch schon im Juli muss man den Kopf in den Nacken legen, um den Bau des ersten Obergeschosses zu beobachten.


Region, Artikel vom 24.06.2021

Kleine Raubtiere - Großer Wurf im Zoo Neuwied

Kleine Raubtiere - Großer Wurf im Zoo Neuwied

Sie sind noch eine echte Seltenheit in Deutschen Tierparks: Die sibirischen Feuerwiesel werden aktuell nur in drei Einrichtungen in Deutschland gepflegt, seit 2019 gehört der Zoo Neuwied dazu. Die hübschen orangeroten Kleinmarder mit dem weißen Schnäuzchen leben am höchsten Punkt des Zoos, im Waldrevier.


Mediziner an zwei Standorten mit dem FOCUS-Siegel ausgezeichnet

Alljährlich ermittelt das Magazin Focus die Topmediziner Deutschlands - auch in diesem Jahr werden aus beiden Einrichtungen der Krankenhausgesellschaft Mediziner mit diesem Qualitätssiegel ausgezeichnet: Vincenz-Chefarzt PD Doktor Udo Heuschen und der Ärztliche Leiter des MVZ Chirurgie am Krankenhaus Diez, Dr. Markus Brauckmann sowie Doktor Michael Petermeyer.


Das „Hui Wäller-Duo Maxi & Klaus“ sagt „Danke“

Klaus Hardy aus Helferskirchen und Peter „Maxi“ Müller aus Ettinghausen sind das bekannte „Hui Wäller-Duo Maxi & Klaus“. Ihnen liegt es sehr am Herzen, den Menschen, die sich während der Pandemie durch ihre Arbeit und ihren Einsatz besonders hervorgetan haben, einmal aufrichtig „Danke“ zu sagen.




Aktuelle Artikel aus der Politik


Verbandsgemeindehaus Montabaur wächst nach oben

Montabaur. Das Erdgeschoss wird freilich ein ganzes Stück größer werden als der bereits fertig gestellte Keller, der nur ...

EULLa-Antragsverfahren für Landwirte eröffnet

Montabaur. Die Kreisverwaltung des Westerwaldkreises hält die Antragsformulare vor und erteilt Auskünfte zum Antragsverfahren. ...

CDU schlägt Teilnahme an Europäischer Mobilitätswoche vor

Montabaur. Die CDU-Kreistagsfraktion hat einen entsprechenden Antrag für die nächste Kreistagssitzung eingebracht. Konkret ...

Ortsgemeinde Nauort: Keine Kirmes, aber Pflanzaktion in 2021

Nauort. Außerdem sollen die Gabionenwände an den Ortseingängen voraussichtlich im September 2021 errichtet werden.

Auf ...

Gemeinderat Hundsdorf erschließt Neubaugebiet

Hundsdorf. Hierbei könnten bei einer Grundstücksfläche von 6.000 Quadratmetern acht bis zehn Grundstücke erschlossen werden. ...

Arbeit der Familienbildungsstätten stärken

Montabaur. Bereits in der letzten Legislaturperiode war sie als Fachpolitikerin in diesen Ausschüssen aktiv und führte auch ...

Weitere Artikel


Tourismusland Rheinland-Pfalz braucht Öffnungsperspektive

Koblenz. Deshalb fordern wir, dass spätestens Pfingsten die Betriebe innen wie außen wieder öffnen dürfen“, so Arne Rössel, ...

Verschiebung der Müllabfuhr wegen des Feiertages „Christi Himmelfahrt“

Moschheim. Die Entleerung der Restabfall- oder Wertstoffgefäße oder die Einsammlung der gelben Säcke am 13. Mai 2021 und ...

Ökumenischer Kirchentag 2021 vom 13. bis 16. Mai

Frankfurt/Montabaur. Damit wird er anders als bisherige Kirchen- und Katholikentage, aber auf jeden Fall ein besonderes Ereignis.

Zentrale ...

Vermisste Lea Emmerich ist wieder da

Neuwied. Lea nutzte gerne Bus und Bahn und ist gerne im Bereich Neuwied und auch im Raum Koblenz unterwegs, hieß es in dem ...

evm eröffnet eigenes Beratungsbüro in Selters

Selters. Der Fokus liegt hierbei auf der Beratung zu Elektromobilität, zum Photovoltaikprodukt Energiedach und dem Thema ...

Seniorenresidenz will Mütter ehren

Bad Marienberg. Um allen Müttern in den Alloheim Senioren-Residenzen „Am Kurpark“ und „Anna Margareta“ am 9. Mai ein herzliches ...

Werbung