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Nachricht vom 17.04.2021    

Das falsche Signal an die „Ich-First“-Fraktion

LESERMEINUNG | In der aktuellen Corona-Lage hilft in erster Linie impfen, impfen, impfen, denn die aktuellen Infektionen kommen vorwiegend aus dem privaten Bereich, den Kitas und Schulen, dem Arbeitsplatz et cetera; aus Einzelhandel und Gastronomie können sie ja nicht kommen, denn beides ist seit längerer Zeit weitestgehend geschlossen.

Der Leserbrief im Wortlaut:
Sehr schade ist, dass die aktuelle Diskussion um die Änderung des Infektionsschutzgesetztes und hierbei insbesondere das Thema „Ausgangssperre“ seitens der Bundesregierung zu sehr pauschal und zu wenig detailliert kommuniziert und ausgestaltet wird. Denn selbstverständlich sollte sich die „Beschränkung der Bewegungsfreiheit des Einzelnen“ -um es mal anders zu nennen- nicht auf den abendlichen Spaziergang einzeln oder als Paar oder Familie, das Gassi-Gehen mit dem Hund, die Joggingrunde oder die Tour mit dem (gut beleuchteten) E- oder Mountainbike beziehen, sondern das soll und wird - da bin ich mir sicher - auch weiterhin möglich sein. Richtig ist auch, dass das Infektionsrisiko im Freien deutlich geringer ist als in Innenräumen. Aber mit gesundem Menschenverstand betrachtet, geht es doch vielmehr um Treffen in größeren Gruppen und eventuell noch unter Alkoholeinfluss – wenn jetzt bald wärmeres Wetter zu erwarten ist.

Dass auf die derzeit noch viel zu pauschal angekündigte „Ausgangssperre“ mit Klagen seitens verschiedener Landräte (z.B. FWG, Herr Joachim Streit) und von der Opposition bereits angekündigt (z.B. FDP, Herr Lindner), reagiert wird, halte ich aus drei Gründen für bedenklich, gefährlich und grundsätzlich falsch: Erstens führt es zu unnötiger Verlängerung der Diskussion und zu einer unnötig heraufbeschworenen pauschalen Ablehnung dringend notwendiger Maßnahmen; zweitens würde ich von den betreffenden Landräten und auch von allen anderen Kritikern/Gegnern dieser Maßnahme erwarten, dass sie genau diese Überlegungen zu einer „detaillierten Beschränkung der Bewegungsfreiheit“ anstellen und hierfür werben, anstatt genauso pauschal die Gerichte zu bemühen. Drittens sind die Urteile - wie jetzt im Fall Mainz - das falsche Signal an alle „Ich-First“–Denkenden, frei nach dem Motto „Siehste, das Gericht hat es doch entschieden, dass ich persönlich machen kann was ich persönlich will!“ Schuld daran sind natürlich nicht die Gerichte, denn sie machen nach bestem Wissen und Gewissen Ihren Job, sondern diejenigen die Klage einreichen („diejenigen haben größere Schuld, die mich Dir ausgeliefert haben“ sagte Jesus seinerzeit schon zu Pilatus).



Nochmals möchte ich an dieser Stelle unterstreichen, dass vor allem die aus diesen Diskussionen und Urteilen heraus leider immer größer werdende „Ich-First“-Fraktion uns ausbremst: damit meine ich die mangelnde Bereitschaft des Einzelnen noch einmal vorübergehend, schlimmstenfalls für 4 bis 6 Wochen, das Pochen auf die fraglos sehr wichtigen eigenen Grundrechte hintenanzustellen; das wäre ein sehr überschaubares „Opfer“. Und dies, sowie das Nachbessern bei Kita, Schule und Arbeitswelt (Home-Office wo immer es machbar ist) würden - da bin ich mir sicher – dazu führen, dass bei fortschreitendem Impferfolg letztendlich die Wirtschaft (Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus, Kultur etc.) wie auch Breiten-Sport und Breiten-Kultur einen früheren und nachhaltigeren Re-Start nach Corona hinlegen könnten. Wenn das aktuelle Bemühen der Gerichte von verschiedenen Seiten dazu führt, dass sich notwendige Pandemie-Maßnahmen weiter verzögern, dann führt das zu mehr Todesfällen- auch da bin ich mir ziemlich sicher- und den Vorwurf kann man den hier Handelnden nicht ersparen.

Bei aller berechtigten Kritik an den in Berlin Handelnden und hier insbesondere bezüglich des bisher noch zu schleppend laufenden Impfens, was uns natürlich auch Menschenleben kostet, man kann doch nicht ernsthaft annehmen, dass es Angela Merkels Ziel sei, uns in erster Linie einzusperren, so wie es derzeit vielfach in Social Media propagiert wird, und leider nicht nur von Querdenkern.

Der Intensivmediziner Stefan Kluge von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf hat in dieser Woche bei Markus Lanz folgende Zahlen genannt: aktuell 4.700 Covid-Intensivpatienten deutschlandweit, davon sterben circa ein Drittel (circa 1.600 Menschen); in seiner Hamburger Klinik beträgt das Durchschnittsalter der Covid-Intensivpatienten aktuell 56 Jahre, der jüngste Patient ist 28. Von den täglichen Neuinfektionen landen circa 1,5 Prozent auf den Intensivstationen, bei täglich 25.000 Infektionen also 375 Menschen. Hier kann man jetzt weiterrechnen.
Uli Wilhelmi, 56412 Holler“



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