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Nachricht vom 01.04.2021    

Landesforsten starten Weinbau im Westerwald war Aprilscherz

Von Wolfgang Tischler

APRILSCHERZ | April, April – Der Weinanbau auf den kahlen Flächen des Westerwaldes war unser Aprilscherz 2021. Bei unseren Recherchen und Ausarbeitungen haben wir festgestellt, dass dies durchaus möglich wäre und die Reben zurecht kämen.

Die ersten Reben sind gepflanzt. Von links Chefredakteur Wolfgang Tischler, Forstarbeiter Frank Reusch, Forstamtsleiter Uwe Hoffmann, Forstarbeiter Dirk Reinhard und Försterin Cornelia Fronk. Foto: Helmi Tischler-Venter

Region. Wir danken dem Forstamtsleiter Uwe Hoffmann und seinem Team für die tatkräftige Unterstützung vor Ort und den fachlichen Beitrag. Dank geht auch an Sandra Köster „Wir Westerwälder“, Jörg Hohenadel von der Wirtschaftsförderung Neuwied, Landrat Achim Hallerbach und Bürgermeister Volker Mendel, die mit ihren Ideen zum Gelingen der Aktion beigetragen haben. Wir alle hatten viel Spaß bei der Vorbereitung und den durchaus geteilten Reaktionen.

Nachstehend der Originaltext vom 1. April:
Vielfach berichteten wir über die enormen Trocken- und Käferschäden im Westerwald, durch die große Areale nun ohne Bewuchs sind. Um der Erosion des wertvollen Humus, der Feuchtigkeit und Wärme speichert, vorzubeugen, greift das Landesforstamt Dierdorf zu innovativen Maßnahmen.

Region. Die Waldarbeiter kommen mit der Aufforstung absehbar in den nächsten zehn Jahren nicht nach. Nach Experimenten mit hitzeverträglichen Baumsorten, wollen die Landesforsten zu ganz anderen Gehölzen wechseln: Weinreben wie die bewährten Sorten Riesling oder Müller-Thurgau, denen es an Rhein und Mosel schon zu heiß ist, können an Holzbach, Wied, Sieg und Nister gedeihen. Die Rebwurzeln sind in der Lage, Wasser aus großen Tiefen zu saugen, wo Bäume längst aufgegeben haben.

Uwe Hoffmann, Leiter des Forstamts Dierdorf, der in der Pfalz aufgewachsen ist, erklärt: „Es gibt zurzeit keine Baumsetzlinge mehr zu keinem Preis, der Markt ist total leergefegt. Die Entscheidung für Reben und für den Weinbau ist gefallen vor dem Eindruck des Klimawandels: Die Reben wurzeln bis zu zehn Meter tief und kommen auch mit hohen Temperaturen und langanhaltender Trockenheit zurecht. Für die erwartbaren Veränderungen im Westerwald - lange Vegetationsperioden, hohe Wärme und Trockenheit - erscheinen sie uns als die richtige Lösung. Ein starker Winter mit Frost bringt sogar Aussicht auf Eiswein mit.

Inspiriert wurde ich von einem meiner Arbeiter aus Lautzert, der nach langen Jahren des Rebenbaus in seinem Garten im Jahr 2018 erstmals essbare Trauben ernten konnte.

Rebenanbau ist rechtlich unproblematisch, denn Reben gelten als holzige Pflanzen, sie können daher unbeschränkt im Westerwald angepflanzt werden. Wir wollen mit hohen Investitionen eine rasche Einnahmemöglichkeit für Waldbesitzer schaffen. Anders als bei Bäumen ist der erste Ertrag bereits nach vier Jahren zu ernten: der begehrte Jungfernwein.“

Angesichts der Tatsache, dass in den traditionellen Weinbaugebieten unseres Landes die Riesling-Anbauzone zurückgeht, da dieser Traditionswein nicht mit dem Klimawandel zurechtkommt, will Hoffmann gegensteuern. Pflanzenrechte seien übertragbar seit dem 1. Januar 16 und das Forstamt wolle einen Antrag beim BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) stellen, damit dort zusätzlich 0,3 Prozent (300 Hektar) neue Pflanzrechte vergeben werden.

Der Forstamtschef wird konkret: „Die Sorten, die wir pflanzen wollen, fangen bei Müller-Thurgau, Pinot blanc gris und Riesling an, in Lagen, die nach dem Huglin-Index (Wärmesummen-Index), bei dem die Temperatursumme über der Temperaturschwelle von 10 °C berechnet und von April bis September summiert wird, geeignet sind. Die Hanglage gleicht Defizite aus.



Unser Ziel ist Ökoweinbau. Pflanzenschutzmittel werden überflüssig, weil wir so viel Platz zur Verfügung haben, dass die Pflanzung in größerem Abstand erfolgen kann, um Pilzschäden zu reduzieren.

Um die ökologische Bewirtschaftung zu gewährleisten, werden wir auch widerstandsfähige Reben pflanzen. Hier denken wir nach Beratung mit dem Julius Kühn-Institut Geilweiler Hof bei Landau an die Weißweinsorten Calardis Blanc und Calardis Musqué. Wir versprechen uns vor allem vom Calardis Blanc eine besondere Eignung. Er ist stressresistent gegen Hitze und lange Trockenheit, weist Pilzresistenzen gegen echten und falschen Mehltau, Schwarzfäule und Bortritis-Arten auf. Bei Befall neigt er eher zu Edelfäule und hat damit beste Voraussetzungen für einen guten Qualitätswein. Der Westerwald-Wein kann somit zu einem spritzigen Erlebnis werden.“

Das Projekt zusammen mit dem BLE umfasst Versuchsanlagen zum Beispiel bei Ratzert an geeigneten Südhängen: Neuaufforstung mit Reben, Zwischennutzung für eine Zukunft des Waldes. Auch für einen eigenen Bereichsnamen des Weins im Puderbacher Land hat Hoffmann bereits gesorgt, die Großlage soll „Burg Reichenstein“ heißen.

Die regionale Vermarktungsinitiative „Wir Westerwälder“ ist dabei, ein Kataster bepflanzbarer Gebiete anzulegen und das Unternehmen zu bewerben. Vorständin Sandra Köster freut sich, dass die Landräte der drei Landkreise Neuwied, Altenkirchen und Westerwaldkreis schnell vom Sinn der Maßnahme überzeugt waren.

Der Neuwieder Landrat Achim Hallerbach will die Winzer vom Fuß des Westerwalds involvieren, damit ihnen keine zusätzliche Konkurrenz entsteht. Sie haben das nötige Know-how und die Kellertechnik. Der Landrat schlägt eine Genossenschaft im Sinne Raiffeisens vor.

Wer Interesse an einem Geschäftsanteil oder auch an einer Ausbildung zum Winzer in Wochenendseminaren hat oder nur bei der anstehenden großen Pflanzaktion mithelfen will, kann sich an die Kuriere als Medienpartner der Pflanzaktion wenden. Schicken Sie einfach eine E-Mail an Redaktion@nr-kurier.de, wir schicken Ihr Anliegen an den jeweils zuständigen Kooperationspartner weiter.

Jörg Hohenadel von der Mittelstandsförderung des Kreises Neuwied hat bereits Winzer gefunden, die mit Interesse und Gerätschaften das Projekt unterstützen wollen. Sie erwarten im Gegenzug aus dem Westerwald säurebetontes Lesegut, damit auch in Zukunft charaktervolle Weine aus dem Mittelrhein angeboten werden können. Hohenadel wird sich auch zukünftig um die Vermarktung des Westerwaldweins bemühen.

Der Puderbacher Bürgermeister Volker Mendel, in dessen Region die ersten Weinberge liegen, hat eine noch weitergehende Vision: Er hofft, die Besonderheit auch touristisch vermarkten zu können. Da Themenwanderwege derzeit sehr beliebt sind, denkt er an einen „Westerwälder Wein-Wander-Weg“ durch seine Verbandsgemeinde oder kulturelle Aktionen wie Lesungen und Musik-Sessions im Westerwälder Wingert.
woti


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