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Nachricht vom 12.08.2017 - 13:13 Uhr    

Weniger Gülle für mehr Artenvielfalt im Westerwald

Gülle ist ein Abfallprodukt und zugleich wertvoller Dünger, aber nur in Maßen. Jedes Jahr produzieren Nutztiere wie Rinder, Schweine und Hühner mehr als 300 Millionen Liter davon. Auch nach der neuen Düngeverordnung sind immer noch 50 Kilogramm Stickstoffüberschüsse pro Hektar erlaubt. Das ist viel zu viel. Um das Grundwasser dauerhaft zu schützen, dürfte der zulässige Wert nur bei höchstens 30 Kilogramm liegen.

Importierte Gülle auf Westerwälder Feldern stinkt zum Himmel. Symbolfoto: WW-Kurier

Region. Die Tierhaltung müsste daher an die regional vorhandene Größe der Felder angepasst werden. Die Einführung der „Hoftorbilanz“, die einen Betrieb als Ganzes betrachtet, erachtet die Naturschutz-Initiative als eine sinnvolle Maßnahme.

Bei vielen Arten in der Kulturlandschaft zeichnen sich seit Langem erhebliche Gefährdungen und Bestandsrückgänge ab. Zusammen mit den Arten selbst werden dabei auch wertvolle Lebensraumtypen immer seltener. Bunte Wiesen mit Kornblumen, Orchideen und Arnika, auf denen Schmetterlinge und Vögel zu beobachten sind, sind daher im Westerwald leider kein alltägliches Bild mehr. Auch andere Tiere wie zum Beispiel Feldhasen benötigen Wiesen mit einer Vielzahl von Kräutern, die aber auf Flächen mit hohem Nährstoffangebot nicht mehr zurechtkommen.

Nachteilige Einflüsse auf die Kulturlandschaft entstehen in besonderem Maße durch die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft. Eine parallele Intensivierung steht beispielsweise in Verbindung mit vermehrtem Düngemitteleinsatz, erhöhter Schnittnutzung, Vergrößerung der Schläge, Entwässerung feuchter Bereiche oder Entfernung von Feldgehölzen und blühenden Randstreifen. Ursächlich wird die Intensivierung durch verschiedene Faktoren ausgelöst. Ein übermäßiger Konsum tierischer Produkte steht dabei verständlicherweise an oberster Stelle. Hier ist besonders auch der Verbraucher in der Verantwortung. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, werden zum Beispiel alleine 16 Kilogramm Getreide benötigt. Auch der weiterhin viel zu große Flächenverlust durch Versiegelungen durch Straßen, Autohöfe, Freiflächenfotovoltaik und neue Gewerbe- und Industriegebiete im Westerwald führt dazu, dass Landwirte auf weniger Flächen einen höheren Ertrag erzeugen müssen. Um den Zielen der Nationalen Biodiversitätsstrategie gerecht zu werden, sind jedoch gerade in der Landwirtschaft und bei der europäischen Agrarpolitik erhebliche Änderungen erforderlich, um eine nachhaltige Nutzung und den Schutz der Artenvielfalt zu ermöglichen. Dies erfordert in gleichem Maße auch ein Umdenken in Gesellschaft und Politik. Auch der Verbraucher muss bereit sein, einen höheren Preis für biologisch erzeugte Lebensmittel zu bezahlen und damit die Arbeit der Landwirte mehr wertzuschätzen. Um wertvolle Offenlandlebensräume im Westerwald und anderenorts zu erhalten und wiederherzustellen, sind regionale Konzepte und ein Bewusstsein für ein Leben im Einklang von Mensch und Natur erforderlich.

Großräumige Gülletransporte gehören nicht dazu, diese sind in jedem Fall abzulehnen. Es kann nicht akzeptiert werden, dass die industriellen Tierhalter in den Niederlanden jedes Jahr mehr als 60.000 LKW-Ladungen Gülle nach Deutschland exportieren. Der Grund: Dort gibt es strengere Vorgaben als hierzulande.

Auch die neuen Leitlinien zur Kreisentwicklung fordern, die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere zu schützen. Diese sehen die Land- und Forstwirtschaft vermehrt in der Verantwortung für den Landschafts- und Artenschutz. Hier solle die Diversifizierung und Erhaltung der Arten und die Sortenvielfalt als Ziele auch in der Landwirtschaft stärker in den Vordergrund treten. (PM)


Kommentare zu: Weniger Gülle für mehr Artenvielfalt im Westerwald

2 Kommentare

Wenn es um relevante Themen wie Düngung, Pflanzenschutz oder Biodiversität geht, sind sog. Naturschutzverbände gut beraten, auf Fakten und Differenzierung zu setzen statt auf Pauschalisierung, Polemik und Skandalisierung. Letzteres zielt darauf ab zu verunsichern, setzt auf kurzfristige mediale Effekte und löst kein tatsächliches Problem. Damit ist weder den Menschen noch der Natur gedient. Vor diesem Hintergrund ist es unangebracht, im Beitrag „Weniger Gülle für mehr Artenvielfalt“ unter der Ortsangabe „Region“ einen organischen Nährstoffüberschuss im Westerwald zu suggerieren, den es in unserer nutztierarmen Region nicht gibt.
#2 von Markus Mille, am 15.08.2017 um 15:56 Uhr
Die Naturschutzinitiative benennt zutreffend, dass die Gesellschaft mit ausufernden Konsum-, Mobilitäts- und Verzehrgewohnheiten wesentlichen Einfluss auf Natur und Umwelt hat. So ist auch die zentralisierte Lebensmittelerzeugung insbesondere im Schweine- und Hühnerbereich in ihrer heutigen Ausprägung Folge des Lebensstils unserer Gesellschaft.
Verhaltensgewohnheiten, die Folge eines wachsenden Wohlstands auf Kosten unserer Umwelt sind, müssen kritisch hinterfragt und neu ausgerichtet werden. Erst ein solcher Bewusstseins- und Gewohnheitswandel der Verbraucher würde die Möglichkeit zu einer Rückbesinnung auf eine dezentrale, flächengebundene Nutztierhaltung eröffnen, die zugleich einen nachhaltigen und sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen bedeutet.
Daher gilt es, sich für eine starke regionale Lebensmittelerzeugung einzusetzen. Hierfür sollten die Naturschutzverbände Akzeptanz in der Bevölkerung schaffen, statt pauschale Vorbehalte gegen die Landwirtschaft zu schüren. Um die Natur und Umwelt zu schützen, müssen Naturschutzverbände den Schulterschluss mit den Landwirten suchen. Denn nicht im destruktiven Gegeneinander liegt das Potential für nachhaltige Veränderungen, sondern im konstruktiven Miteinander.

#1 von Markus Mille, am 15.08.2017 um 15:56 Uhr

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