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Nachricht vom 09.11.2016 - 18:56 Uhr    

„Sie steckten in Brand dein Heiligtum…“

An vielen Orten des Westerwaldes erinnern Christen und Juden an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938: In dieser Nacht brannten die Synagogen. Sie brannten in Deutschland, in Österreich und in der Tschechoslowakei. Organisierte Schlägertrupps setzten jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand, misshandelten, verhafteten und töteten tausende Juden. Eine dieser Gedenkfeiern war auch am Mittwochabend in Meudt als ökumenische Andacht auf dem Friedhof des Ortes geplant.

An vielen Orten im Westerwald wurden Kerzen angezündet. Symbolfoto: WW-Kurier

Meudt/Westerwald. Gemeinsam mit Bürgern aller Konfessionen wollten Diakon Meinrad Kreß (Pastoraler Raum St. Laurentius Nentershausen) und Pfarrerin Heike Meissner (Evangelische Kirche Wallmerod) an die Zerstörung der Meudter Synagoge am 10. November 1938 erinnern. Aufgrund des regnerisch-kalten Wetters fiel diese Veranstaltung jedoch leider aus.

Die Synagoge in der Meudter Bahnhofstraße wurde 1880/81 erbaut und während der Novemberpogrome 1938 zerstört. Die Fassade des Backsteinbaus wurde durch Zahnfriese in drei Geschosse gegliedert. In die mit schmalen Fenstern versehenen Ecktürme waren einfachere Portale, die Zugänge zu den Frauenemporen, integriert, während das höhere Mittelportal, der Zugang der Männer, von Säulen flankiert wurde, auf denen die Archivolte ruhte. In das Giebelfeld über diesem Portal war ein Dreipaß mit den Gesetzestafeln eingelassen.

Am 10. November 1938 wurde die Synagoge durch SS- oder SA-Männer aus Westerburg geschändet und niedergebrannt. Die vier Torarollen wurden durch die Brüder Ludwig und Kurt Falkenstein rechtzeitig gerettet. 1988 wurde hier ein Gedenkstein mit einer Abbildung der Synagoge, den Gesetzestafeln und der Menora aufgestellt. Die Inschrift dieses Gedenksteines, die auf hebräisch und deutsch eingelassen ist, war zugleich das Motto der Gedenkveranstaltung der Meudter Christen und Juden am Mittwoch: „Sie steckten in Brand dein Heiligtum, entweihten zu Boden die Wohnung deines Namens.“ (Psalm 74,7). -wmz-


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