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Region

Behinderte Menschen sollten sich wehren und ihre Rechte einfordern

Auch in Deutschland gilt die UN-Behindertenrechtskonvention die eine gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft fordert. Aber das Land ist weit davon entfernt, auch der Westerwaldkreis. Das findet jedenfalls das Forum für Soziale Gerechtigkeit und wünscht sich einen lautstarken Protest der Menschen mit Behinderungen.
Westerwaldkreis. Vor fast genau 30 Jahren ging das von der UNO ausgerufene „Internationale Jahr der Behinderten“ zu Ende. Es stand damals unter dem aus heutiger Sicht zurückhaltenden Motto "Einander verstehen – miteinander leben". Es war eine Zeit des aufkeimenden Protestes mit wegweisenden Veranstaltungen wie dem sogenannten "Krüppeltribunal". Leider ist nach Ansicht des Forums Soziale Gerechtigkeit auch drei Jahrzehnte später im Westerwald eine Behindertenbewegung noch immer nicht entstanden. Das soll jetzt anders werden!

Nachdem sich das Forum Soziale Gerechtigkeit seit seiner Gründung massiv für die vollständige gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen eingesetzt hat, sieht es die auch in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention als Startschuss zu tiefgreifenden Veränderungen in der Region. "Die behinderten Menschen müssen auch im Westerwaldkreis endlich selbst auf die Barrikaden gehen und ihre volle gesellschaftliche Teilhabe in allen Bereichen lautstark einfordern", so Forumssprecher Uli Schmidt. Er bedauerte, dass es nach unzähligen Initiativen auf Bundes- und Landesebene noch immer kein Netzwerk betroffener Menschen gibt, das für ihre berechtigten Interessen energisch kämpft. "Es wird zudem in allen Gremien und Organisationen fast immer nur über die behinderten Mitbürger/innen geredet, selten mit ihnen", so Schmidt. Es sei zu wenig, dass sie am Tag der Behinderten oder ähnlichen Aktionen mal bunte Bilder malen dürften, die dann öffentlich ausgestellt werden.

Ausdrücklich anerkennt das Sozialforum die meist engagierte Arbeit der in diesem Bereich tätigen Wohlfahrtsverbände, Vereine und Einrichtungen. Dabei geht es nach Ansicht des Forums aber noch zu oft um Betreuung in Sondersystemen statt gesellschaftliche Gleichstellung der betroffenen Menschen. Früher seien Westerwälder mit einem körperlichen oder geistigen Handicap in Scheuern oder Andernach hinter hohen Mauern versteckt worden, leider seien bis heute noch nicht alle Mauern im Kopf unserer Gesellschaft beseitigt worden.

Eine Möglichkeit, behinderte Menschen mehr an ihrem eigenen gesellschaftlichen Umfeld zu beteiligen, ist die Bildung kommunaler Behindertenbeiräte auf Ebene der Gemeinden und des Kreises. Leider wird diese auch gesetzlich geregelte Möglichkeit nach Ansicht des Forums Soziale Gerechtigkeit bisher kreisweit nicht genutzt – wohl meist aus Angst vor einer lautstarken Interessenvertretung der Betroffenen. Schmidt, der auch sozialpolitischer Sprecher der SPD im Kreistag ist, verwies in diesem Zusammenhang auf die unwürdige Diskussion vor zwei Jahren im Kreisparlament über die Schaffung eines Kreisbehindertenbeirates.

Ein geeignetes Instrument behinderter Menschen, ihr persönliches Umfeld in der Gemeinde mitzugestalten, sind "Lokale Teilhabekreise". Zusammengesetzt aus Menschen mit und ohne Behinderung ist dies eine Form gemeinsamer Interessengestaltung, die beispielsweise von der Caritas in Mayen erfolgreich umgesetzt wird.

Das Forum Soziale Gerechtigkeit plant weitere Veranstaltungen zum Thema. So sollen bei einer Kreisbereisung in Begleitung des Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul drei Unternehmen besucht werden, die besonders beispielhaft bei der Beschäftigung behinderter Menschen sind. Weitere Themen sind der barrierefreie ÖPNV in der Region, die Umsetzung eines noch zu erstellenden Aktionsplanes auf Kreisebene sowie eine mögliche Aktion zum Welttag der behinderten Menschen am 3. Dezember. Unterstützer können sich gerne melden unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.


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