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Region

"Koordinationsbüro Stegskopf" gegründet

Die regionalen Naturschutzverbände des BUND im Kreis Altenkirchen und dem Westerwaldkreis arbeiten in Sachen "Stegskopf" zusammen. Jetzt stellten sie das neu gegründetet Koordinationsbüro "Stegskopf" der Öffentlichkeit vor. Es wird von Dipl.-Biologe Immo Vollmer geleitet. Am 23. März ist eine große Infoveranstaltung im Bürgerhaus Daaden geplant, wo über die einzigartige Natur des bis 2013 genutzten Truppenübungsplatzes informiert wird.
\"Koordinationsbüro Stegskopf\" gegründet

Gemeinsam machen sie sich stark für ein Naturschutzgebiet Stegskopf, Harry Neumann, Immo Vollmer, Wolfgang Stock und Ernst-Gerhard Borowski (von links). Foto: anna

Friedewald. Die Meldung über die Schließung des Truppenübungsplatzes Stegskopf hat in den angrenzenden Orten und der Kreisverwaltung für Überraschung und teils Bestürzung gesorgt. Schnell jedoch kamen auch Begehrlichkeiten hoch und es wurden Überlegungen angestellt, wie das Areal in Zukunft wohl zu nutzen sei. Genauso schnell haben sich auch schon zwei Lager gebildet, die einen streben eine wirtschaftliche Nutzung, zum Beispiel mit Windenergienalagen an, die anderen möchten die einzigartige Natur erhalten und unter Schutz stellen.
So trafen sich am 4. Dezember des vergangenen Jahres rund 20 Naturfreunde der Naturschutzverbände BUND, NABU und GNOR zu einem gemeinsamen Gespräch auf der Fuchskaute. Obwohl die Teilnehmer des Treffens sich bis dato größtenteils fremd waren, herrschte schnell Einigkeit darüber, dass eine zentrale Anlaufstelle bezüglich der Bestrebungen den Stegskopf unter Naturschutz zu stellen geschaffen werden müsse.
Diesen Koordinator stellten die Naturschützer nun im Schloss Friedewald der Öffentlichkeit vor. Dazu begrüßte Ernst-Gerhard Borowski der BUND Kreisgruppe Altenkirchen, die geladenen Gäste. Dipl. Biologe Immo Vollmer wird künftig aus seinem Büro für Naturschutz und Landschaftsökologie in Hennef die Koordination der Naturschutzverbände betreiben.
Harry Neumann, stellvertretender Vorsitzender der BUND Kreisgruppe Westerwald bezeichnete den Stegskopf als ökologisches Juwel, in dem es sowohl streng geschützte Tiere und Pflanzen, wie auch einzigartige Lebensraumtypen gebe. Der Stegskopf sei nicht nur ein besonderes Gebiet für Rheinland-Pfalz, sondern könne den Status eines europäischen Naturschutzgebietes erlangen. Den Vorwurf der Einmischung, der Seitens der umliegenden Ortschaften an die Adresse der Naturschutzverbände gemacht wurde, könne er nicht verstehen, so Neumann.

"Die Natur hat keine Stimme, es ist unsere Pflicht Pflöcke einzuschlagen", sagte Neumann. Täglich gehen in Deutschland etwa 100 Hektar Grünfläche durch Versiegelung verloren und das bei stetig sinkender Bevölkerungszahl. "Wir sind der Meinung, es muss noch Gebiete geben, die nicht überplant werden", so Neumann. "Wir machen dies für zukünftige Generationen und engagieren uns für die Erde".
Wolfgang Stock, von der BUND Kreisgruppe Altenkirchen berichtete, dass er schon in 2008 ein Treffen mit allen Bürgermeistern rund um den Stegskopf organisiert habe, um schon damals auf die einzigartige Natur des Areals hinzuweisen. Das Interesse sei jedoch nicht groß gewesen, niemand habe an einen Abzug der Bundeswehr geglaubt. Stock sieht sogar die Möglichkeit Länderübergreifend hier ein Biosphärenreservat einzurichten. Wichtig ist ihm dabei vor allem aber auch die Einbeziehung der Bürger.
Immo Vollmer berichtete, dass er mehrere Jahre als Vorsitzender des NABU Altenkirchen aktiv war und sich dann entschied seine Konzentration beruflich ganz in der Naturschutztätigkeit einzubringen. Fast alle Kuppellandschaften des Westerwaldes seien schon überplant, so Vollmer. Das Gebiet Stegskopf sei aufgrund seiner hohen Naturschutzbedeutung schon als EU-Vogelschutzgebiet und EU-FFH Gebiet ausgewiesen. Das Areal habe eine herausragende Bedeutung für das Vorkommen montaner Arten, die teils nur dort vorkommen. Dazu zählen zum Beispiel die Glanzkerbel, die Trollblume, die Kapartenbirke und das Nordische Labkraut. Als FFH-Lebensraumtypen sind etwa Felskuppen und Blockschutthalden vorhanden, wo verschiedene Moose angesiedelt sind. Des Weiteren ist das Gelände Heimat von Wildkatze, Rotmilan, Bekassine, Rauhfußkautz und Schwarzstorch, sowie seltener Schmetterlinge und Libellen.
Das „Derscher Geschwämm“ ist der größte zusammenhängende Niedermoorkomplex von Rheinland-Pfalz. Die gesamte Landschaft des Stegskopf sei noch so wie vor 100 Jahren, ein Refugium welches damals nur von Hirten mit ihren Weidetieren genutzt wurde. Eine solche Nutzung hoffen die Naturschutzverbände wieder zu reaktivieren, um so die Offenlandschaften erhalten zu können. Die topographische Lage mit Blickmöglichkeit bis hin zum Siebengebirge und Rothaargebirge ließe auch einen sanften Tourismus auf dem Stegskopf zu, so Vollmer.

Auch das Erhalten der Natur, sei eine Investition in die Zukunft, so Neumann. Unweit des Stegskopfes gebe es nahe dem Siegerlandflughafen schon ein riesiges Industriegebiet, welches derzeit nur halb genutzt werde.

Um den Menschen der Region die Einzigartigkeit dieses Naturjuwels näher zu bringen, wird es am 23. März um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Daaden eine große Veranstaltung zum Thema „Mut zur Natur – Erhaltet den Stegskopf“ geben. Abschließend erklärten die Naturschutzverbände, dass ihnen weitere Mitstreiter gerne willkommen sind. Wer sich für eine Unterschutzstellung des Stegskopfes stark machen möchte, der dann sich im Koordinationsbüro Stegskopf oder bei einem der Verbände vor Ort melden. (anna)

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