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Pröpstin: Keine Angst vor der Visitation

Ein Großprojekt für die 33 evangelischen Gemeinden im Westerwald startet: Ein kirchlicher Besuchsdienst bestimmt die kommenden beiden Jahre. Die Visitation soll die Zusammenarbeit der Dekanate Selters und Bad Marienberg fördern. Die Einzelheiten des Projektes wurden von der Pröpstin Annegret Puttkamer und dem Beauftragten für Visitationen der evangelischen Kirchen Hessen/Nassau, Christoph Gerken vorgestellt.
Pröpstin: Keine Angst vor der Visitation

Die Pröpstin der Propstei Nord-Nassau, Annegret Puttkammer, hat den Mitarbeitern der Westerwälder Dekanate in der Evangelischen Kirche Willmenrod nun Einzelheiten zur Visitation vorgestellt. Dieser gegenseitige Besuchsdienst soll den evangelischen Gemeinden im Westerwald wichtige Erkenntnisse und neue Impulse bringen. Im Herbst 2012 besuchen die Kommissionen des Dekanates Selters das Dekanat Bad Marienberg, 2013 ist es dann umgekehrt. Fotos: Peter Bongard

Selters. Der christliche Glaube lebt vom Austausch. Natürlich auch in der Evangelischen Kirche, in der das Gespräch zwischen den Gemeinden sogar institutionalisiert worden ist: Alle sechs Jahre besuchen sich die Dekanate gegenseitig, lernen ihre Einrichtungen kennen, diskutieren miteinander und stellen ihre Arbeit vor. Auch für die 33 evangelischen Gemeinden des Westerwaldes steht nun solch eine Visitation an, wie dieser gegenseitige Besuchsdienst im Kirchendeutsch heißt: 2012 kommen die Protestanten des Dekanates Selters in die Gemeinden des Dekanats Bad Marienberg, 2013 ist es umgekehrt. Ein Austausch, der für die haupt- und ehrenamtlich engagierten Christen aufregend ist. Und der wahrscheinlich eine Menge Arbeit bedeutet.

In Willmenrod haben die Pröpstin der Propstei Nord Nassau, Annegret Puttkammer, und der Beauftragte für Visitationen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christoph Gerken, den Pfarrern beider Dekanate nun Einzelheiten dieses Großprojektes vorgestellt: Im kommenden Herbst werden die ersten Kommissionen aus Selters das Dekanat Bad Marienberg besuchen.
Diese vier- bis achtköpfigen Gruppen bestehen aus einem Pfarrer und weiteren Gemeindegliedern. Ein ganzes Wochenende tauchen diese in die jeweilige Gastgebergemeinde ein und nehmen währenddessen nicht nur am Gottesdienst teil, sondern erleben auch die Arbeit der verschiedenen Gruppen, Kreise und kirchlichen Einrichtungen. Zudem blicken die Besucher über die Mauern des Kirchengebäudes hinaus und führen Gespräche mit den Vertretern der Kommune, mit Vereinen, den Kindergärten oder den Schulen.
Das Wochenende schließt mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde, deren Ergebnisse wiederum in einen Kommissionsbericht fließen. Dieser Bericht ist gleichzeitig die Grundlage für ein später stattfindendes Auswertungsgespräch zwischen der Pröpstin, dem Kirchenvorstand, Mitgliedern des Dekanatssynodalvorstandes (DSV) und einem Vertreter der Kommission. Ein Gespräch, in dem dann Ziele und Schwerpunkte für die jeweilige Gemeinde formuliert werden – keine unerreichbaren Visionen, sondern konkret formulierte und realistische Perspektiven für Bereiche wie etwa Gottesdienstgestaltung, Öffentlichkeitsarbeit oder Mitgliederbetreuung.

Der DSV und der Dekan begleiten die Gemeinden bei der Umsetzung dieser Ziele.
Sinn und Zweck des Ganzen ist, gemeinsam nach Wegen zu suchen, die die Gemeinde weiterbringen – und nicht bloß aufzuzählen, was gut läuft und was nicht: "Die Visitation möchte die Beteiligten ermutigen, ihre Gaben zum Aufbau der Kirche und zur Verkündigung einzusetzen", sagte Christoph Gerken. Ein weiterer Punkt: Seit Jahren gibt es etliche Überschneidungspunkte zwischen den Dekanaten – etwa in den Bereichen Erwachsenenbildung, Notfallseelsorge oder dem Internetauftritt. Die Visitation soll helfen, dass die ohnehin schon enge Zusammenarbeit zwischen Selters und Bad Marienberg künftig noch ein Stück intensiver wird.

Wieviel Arbeit das sowohl für die Besucher als auch für die Gastgeber bedeutet, lässt sich ein gutes dreiviertel Jahr vor den ersten Besuchen noch nicht genau sagen. Fest steht nur: Es wird kein Kaffeekränzchen. Schließlich müssen die Besuchskommissionen frühzeitig ihre Mitglieder benennen; die Gemeinden müssen Berichte verfassen, Übersichten der Aktivitäten und Ziele erstellen, das Besuchsprogramm gestalten und, und, und.

Trotzdem hofft die Pröpstin, dass beide Dekanate letztlich gestärkt aus den Visitationen hervorgehen: "Es soll ein lust- statt lastvoller Besuch sein", erklärt Annegret Puttkammer in Willmenrod den Pfarrern und ermutigte die jeweiligen Gastgeber, sich nicht unnötig unter Druck zu setzen: "Sie brauchen den Besuchern kein Programm zu präsentieren, das vor Kreativität nur so strotzt, und es muss auch nicht alles im besten Licht dastehen. Es geht um Entschleunigung; um das aufmerksame Zuhören, ums Zeit nehmen; nicht um das Werten, sondern um das Wertschätzen. Schließlich sollen es Besuche sein, die guttun". (bon)

Kompakt
Ein Dekanat ist eine kirchliche Verwaltungseinheit. Im Westerwaldkreis gibt es zwei Dekanate: das Dekanat Bad Marienberg und das Dekanat Selters. Zu ihnen gehören insgesamt 33 Kirchengemeinden.
Während einer Visitation besuchen Vertreter einer Kirchengemeinde eine andere des Nachbardekanates. Ein Jahr später werden die Besucher zu Gastgebern. 2012 finden die Besuche am Wochenende vom 2. bis zum 4. und vom 9. bis zum 11. November statt. (bon)
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