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Faszinierende Schubert-Messe in G-Dur

Der evangelische Kirchenchor Hattert feierte mit aufwendigem Konzert und Freundschaftssingen seinen 90. Geburtstag. Begleitet wurde der Chor von einem kompletten Orchester des Collegium musicum Koblenz.
Faszinierende Schubert-Messe        in G-Dur

Unter der Gesamtleitung von Günter Brandenburger spielten Chor und Orchester zusammen.

Hattert. Zum 90-jährigen Geburtstag des evangelischen Kirchenchores Hattert konzertierten weit mehr als 70 Akteure vor rund 300 Zuhörern in der Sporthalle Hattert 2,5 Stunden lang auf extrem hohen Niveau. Der Vorsitzende Harald Sartor wies schon in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass die intensiven Proben ein viertel Jahr in Anspruch genommen hätten. Der Chor wurde dabei orchestral begleitet von der kompletten Besetzung des Collegium musicum Koblenz. Vor und auf der in tiefem Rot effektvoll dekorierten Bühne leiteten Chor und Orchester das Konzert mit Werken von Mendelssohn, Mozart und Melchior Frank ein. Dann kündigte Günter Brandenburger, musikalischer Gesamtleiter, den sechsteiligen Höhepunkt an, die Schubert-Messe in G-Dur: „Irgendwo in der Musik trifft man immer auf Franz Schubert“, konstatierte Brandenburger, der Schuberts Fähigkeit dahingehend hervorhob, dass er in alle Facetten der menschlichen Gefühle hineinkomponieren konnte. Während Bilder aus der Altstädter Bartholomäuskirche von der Leinwand strahlten, stimmte der Chor mit der Kyrie auf die Auseinandersetzung mt Gott ein. Noch ehe das himmlisch anmutende Gloria, das meditativ geprägte Credo und das himmelserklimmende Sanctus erklangen, lotete Sopranistin Stephanie Breidenbach mit zarten Klangfarben die Belastungsgrenzen der Mikrofontechnik aus. Die Tenorstimme von Werner Höss führte den Gesang weiter, der dann vom Bassisten Andreas Höhler nahtlos übernommen wurde. Flankiert von den Solisten übernahm schließlich der Gesamtchor den lateinischen Gesang, um grazil im Benedictus auf die Ankunft Christi einzustimmen. Aus orchestraler Begleitung wurde bis hin zum Schlussakkord steigende Dominanz gegenüber der gesanglichen Demut im Agnus Dei, die ihre sich verneigende Wirkung nicht verfehlte und in ihrer Intensität zu einem nachhaltigen Hörerlebnis wurde. Dafür setzte sich Brandenburger in seiner Gesamtleitung überaus strebsam ein, hatte alle Knotenpunkte und Übergänge konzentriert im Griff. Harald Sartor wertschätzte Brandenburger, der mit seinem Einsatz die Leistungsfähigkeit der Chormitglieder motiviere.
Mit dem Menuett Nummer 101 in D-Dur von Joseph Haydn setzte das Collegium musicum Koblenz den Konzertabend mit dem gleichen Anspruch fort. Als Dirigent arbeitete Werner Höss die einzelnen Instrumente sauber heraus und ließ sie wieder im Einklang der Sinfonie mit dem Gesamtorchester verschmelzen. Die Besonderheit dieses Menuetts liegt in der Zählweise, die es unmöglich macht, auf die Musik zu tanzen. Ebenso ungewöhnlich war wohl die Darbietung der englischen Folk Songs Suite von Vaughan Willims aus dem Jahr 1923. Die dreiteilige Suite setzte sich aus zwei Märschen und einem Intermezzo zusammen und vermittelte bravourös umgesetzt einen Hauch frohmutigen Abenteuers.
Der Chor stand dem Orchester in nichts nach und entfesselte mit zahlreichen hochmotivierten Kurzbeiträgen das Gefühl, als sei die Luft angefüllt mit streichelzarten Federn, die beim Zuhörer ein wohliges Kribbeln in Bauch, Nacken und Schläfen hervorriefen. Nachdem die letzten Töne des Finales verklungen waren, bei dem das faszinierende Zusammenwirken aus Chor und Orchester mit Edward Elgers Land of Hope and Glory nochmals vertieft wurden, konnte Brandenburger mit Mühe das Publikum am vorschnellen Klatschen hindern, um den Nachhall noch eine Weile wirken zu lassen. Dann stand das Publikum auf und honorierte die Leistung mit minutenlangem Applaus. Die Akteure bedankten sich in der Zugabe mit „Good bye, Adieu, wir werden uns bald wiedersehn.“
Obgleich Dekan Martin Fries am nächsten Morgen den besonderen Gottesdienst unter Mitwirkung des evangelischen Kirchenchores und des evangelischen Posaunenchors Altstadt hielt, ließ auch er sich das einmalige Klangerlebnis aus Chor und Orchester nicht nehmen.
Nicht minder eindrucksvoll erwies sich die hohe Beteiligung beim großen Freundschaftssingen am zweiten Festtag. 13 befreundete Chöre hatten mit viel Liebe zum Singen zahlreiche Beiträge eingeübt, die ein Potpourri des gehobenen Anspruchs aus der lebensfrohen Welt der musikalisch aktiven Vereine darboten. Die Männergesangsvereine 1848 Altstadt, Eintracht Hattert, Concordia Merkelbach, Zufriedenheit Kausen, Frohsinn Höchstenbach, Liederkranz Luckenbach, Eintracht Steinebach, sowie Frohsinn Steinebach/Schmidthahn, die Frauenchöre Hattert und Melodia Asbach, sowie der gemischte Chor Steinebach/Schmidthahn boten ebenso hohe Qualitäten, wie der Chor Famos und der Posaunenchor Höchstenbach. All diese Chöre versprühten die pure Lust am gemeinsamen Singen.
Ein ganz besonderer Dank aller Beteiligten galt Harald Sartor, der viele Stunden und Tage für den reibungslosen Organisationsablauf aufgeopfert hat. Sartor konterte mit einem befreienden Lächeln: „Es hat einfach Spaß gemacht.“

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