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Adventskalender – Teil 23: Traurige Lachnummer
24 kurze Krimis im Postkartenformat begleiten uns in diesem Jahr durch den Advent. Die Idee dazu hatte die Literatur-Werkstatt in Altenkirchen, die sich jüngst mit „Postkarten-Krimis“ beschäftigte. Das Ergebnis: 24 spannende und vielfältige Mini-Krimis, die das Warten auf Weihnachten verkürzen.
Gern fahre ich in München mit der Straßenbahn, oder, wie man in Bayern sagt, mit der Tram. Eines Tages steigt eine sympathische Frau ein und setzt sich dicht neben mich, obgleich viele Plätze frei sind. Ich bleibe noch einige Stationen sitzen, meine Nachbarin verlässt relativ kurzfristig ihren Platz und steigt aus. Mein Ziel kommt später, ich gehe einkaufen. An der Kasse stelle ich fest, dass mein Portemonnaie mit relativ viel Geld, Führerschein, Kreditkarte und vielem mehr verschwunden ist. Einzig und allein die freundliche Frau in der Tram kommt für den Diebstahl in Frage, denn zwischen ihr und mir stand meine Tasche. Eine kleine Katastrophe, nicht nur wegen des Geldes, auch die Beschaffung all der anderen Dinge wird mich über Wochen beschäftigen. Später besucht mich ein edler Penner in der Galerie. Wie kommt er an meine Adresse? Er behauptet, meine Geldbörse in einem Gebüsch gefunden zu haben und mit unschuldigem Gesichtsausdruck verlangt er Finderlohn. Das gute Stück ist vollständig entleert, etwas abgegriffen, und nichts von meinen Unterlagen befindet sich mehr darin. Eine Lachnummer, dafür Finderlohn zu erwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei diesen Vorfall aufklären könnte, denn meine Angaben dazu würden sicher zu kryptisch sein.

© Dany Keller

Mehr Infos zur Literaturwerkstatt Altenkirchen gibt es HIER.


Nachricht vom 22.12.2020 www.ww-kurier.de