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Adventskalender – Teil 21: Süß und tödlich
24 kurze Krimis im Postkartenformat begleiten uns in diesem Jahr durch den Advent. Die Idee dazu hatte die Literatur-Werkstatt in Altenkirchen, die sich jüngst mit „Postkarten-Krimis“ beschäftigte. Das Ergebnis: 24 spannende und vielfältige Mini-Krimis, die das Warten auf Weihnachten verkürzen.
Kommissar Krüger war unterwegs zu einem Todesfall im Seniorenheim. „Mordverdacht“, hatte der Chef ihn informiert. Der Notarzt erwartete ihn, die Leiche war bereits weggebracht worden. „Ich konnte nichts mehr tun“, berichtete er. „Frau Wagner klagte über heftige Bauchschmerzen, dann begann sie zu krampfen und hatte Schaum vorm Mund. Es ging alles sehr schnell, ich tippe auf Gift. Näheres weiß ich nach der Obduktion.“ Krüger befragte die Heimbewohner. Sichtlich mitgenommen saß Frau Gerber zusammengesunken in ihrem Sessel. „Guten Tag, Frau Gerber. Mein Beileid zum Tod Ihrer Freundin. Sind Sie in der Lage ein paar Fragen zu beantworten?“ Die alte Frau nickte Krüger schwach zu. „Ich war heute Morgen beim Friseur und als ich zurückkam, war sie schon tot.“ Frau Gerber schluchzte laut auf. Krüger sah sich im Zimmer um. „Oh, Pralinen“, bemerkte er. „Süßem kann ich nie widerstehen. Darf ich?“ Er streckte die Hand danach aus. „Nein!!!“, schrie Frau Gerber auf und stieß die Schachtel vom Tisch. „Ich wollte nicht, dass sie stirbt! Immer hat sie meine Pralinen gegessen, weil sie zu geizig war, selbst welche zu kaufen. Es ist doch ihre Schuld, wenn sie heimlich meine Pralinen nimmt, oder? Ich habe die Pralinen gestern in meinen Orchideendünger eingelegt, um ihr eine Lektion zu erteilen. Richtig schlecht sollte ihr werden. Ich konnte ja nicht wissen, dass sie fast alle Pralinen isst, während ich weg bin.“ Frau Gerber begann hemmungslos zu weinen. Kommissar Krüger verspürte Mitleid, verhaften musste er die alte Dame aber trotzdem.

© Michaela Grüdl-Keil

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Nachricht vom 20.12.2020 www.ww-kurier.de