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Politik
Bürgermeister von ökologischer Wiederbewaldung beeindruckt
Am 28. Oktober 2020 lud das Forstamt Hachenburg die Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg zu einer Exkursion zur Zukunft des Waldes ein. Die anhaltenden Dürresommer sowie eine nie da gewesene Borkenkäferkalamität lassen viele Waldfläche derzeit absterben. Auf dem Demonstrationsparcours „Naturnahe Wiederbewaldung“ in der Nähe der Abtei Marienstatt zeigten die Leiterin des Forstamtes Hachenburg Monika Runkel sowie ihr Stellvertreter Johannes Wagner in Corona-angepassten Gruppen aktuelle sowie circa 30-jährige Schadflächen.
Eichenverjüngung. Foto: Alfred Zimmer /Landesforsten RLPHachenburg. Gabriele Greis als 1. Beigeordnete der Verbandgemeinde sowie die Revierleiter der anwesenden Waldbesitzer rundeten den Teilnehmerkreis ab.

Der Parcours sowie die Vortragenden zeigten an sechs Waldbildern welche Perspektive für die aktuellen Kalamitätsflächen möglich sind. Die Ortsgemeinden wie auch die Verbandsgemeinde haben ein hohes Interesse daran, den Wald von morgen möglichst artenreich aufzubauen und für die Kinder und Enkel in vielfältigster Form nutzbar zu machen. Auf den aktuellen Schadflächen des Jahres 2020 konnten die Selbstheilungskräfte des Waldes anhand von aufkommender natürlicher Verjüngung beobachtet werden. Selbst durch die stark anwachsende Brombeere sind bereits junge Bäume zu erkennen gewesen. Die Experten empfehlen daher nur dort aktive Pflanzungen vorzunehmen, wo die Forstrevierleiter erkennen, dass die Selbstheilungskräfte des Waldes nicht ausreichen.

Dass die Natur sich Kalamitätsflächen artenreich zurückerobern kann wurde auf den Kalamitätsflächen des Jahres 1990 mehr als deutlich. Auf einer begrenzten Fläche wurde damals bereits der Natur durch den Revierleiter Andreas Schäfer eine Fläche bewusst der natürlichen Entwicklung überlassen. Aus acht vorhandenen Baumarten konnte der Revierleiter in den vergangenen drei Dekaden einen multifunktionalen Mischwald mit sehenswerten angehenden Wertbäumen formen. Diese Bild stimmte die Anwesenden trotz der großen anstehenden Aufgabe der Wiederbewaldung optimistisch.

Ebenso verdeutlichten die Referenten, dass die abgestorbenen Fichten ein wertvolles Mosaik im Ökosystem Wald darstellen. Über 300 Gegenspieler der Borkenkäfer sind auf das liegende und stehende Totholz angewiesen. Es wurde klar, dass wir zum Schutz der Wälder auch Totholz auf den Flächen belassen müssen. Auf den Beispielsflächen sind die schädlichen Borkenkäfer aus dem Holz bereits ausgeflogen. Eine weitere Infektionsgefahr für gesunde Bäume besteht daher nicht mehr.

Der natürliche Zerfall des stehenden und liegenden Totholzes bedeutet allerdings Lebensraum für die Lebensgemeinschaft Wald. Mehr als 1000 Käferarten leben an totem Holz. Viele weitere Insekten, Pilze, Milben und Pilze brauchen es als Lebensraum. In Zeiten eines nie dagewesenen Insekten-und Artensterbens sind alle Maßnahmen zu unterstützen.

Das modernde Holz hält Feuchtigkeit auf den Flächen und sorgt für Kühlung und Windruhe in Bodennähe - davon profitieren gepflanzte und natürlich angesamte Jungbäume. Viele Bürgerinnen und Bürger äußern den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern gegenüber ihre Besorgnis über unaufgeräumte Wälder. Unser Empfinden eines ‚schönen Waldes‘ wird sich mit diesem Verständnis der Waldlebensgemeinschaft weiterentwickeln. ‚Man muss es den Menschen erklären‘, waren sich alle einig.

Deshalb ist dieser waldschutzirrelevante Verbleib von stehendem oder gefälltem Totholz auf den Flächen nun äußerst wichtig, zumal eine Vermarktung des Holzes aufgrund schwindender Qualität immer schwieriger erscheint.

Das Forstamt Hachenburg und alle Revierleiter stehen auch zukünftig den Waldbesitzenden stets beratend zur Seite und organisieren gerne Fachexkursionen für interessierte Waldbesitzer, Naturschutz, Jäger und Waldinteressierte. (PM)
Nachricht vom 12.11.2020 www.ww-kurier.de