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Kultur
Grenzgänger auf Denkmaltour: Besichtigungsfahrt durch’s "WällerLand"
Der Denkmaltag ist in diesem Jahr im WällerLand zu einer bequemen und geselligen Bustour geworden, die durch beide Verbandsgemeinden – Westerburg und Wallmerod – führte. Gute Gastgeber fanden sich hier und dort – und die Reiseleitung war angenehm. Martin Rudolph (Touristik) ging mit an Bord und Markus Menges (Brandscheid) saß am Steuer. Die beiden hatten die Tour gemeinsam maßgeblich geplant.
Gruppe beim Einsteigen in Molsberg. Fotos: Tatjana SteindorfWesterburg. Los ging es an der Tourist-Information WällerLand am Wiesensee (TiWi), wo sich die gut 30 Teilnehmer anmeldeten und einige Unterlagen von Nina Engel erhielten. Begrüßt wurden sie – unter blauem Himmel und strahlender Sonne – um 9.30 Uhr von den Bürgermeistern der beiden VGs: Markus Hof (Westerburg) und Klaus Lütkefedder (Wallmerod). Letzterer verglich die Teilnehmer mit „Grenzgängern“ – aufgeschlossen und interessiert für Neues.

Froh waren die VG-Chefs darüber, dass diese Veranstaltung in Zeiten von Corona überhaupt ermöglicht werden konnte. Denn das beliebte Backes-Fest beispielsweise muss auch entfallen.

Mundschutztragen, größere Abstände im Bus und ein Händeschnaps (Desinfektionsspray, das Menges großzügig verteilte) bei jedem Einstieg sorgten für Sicherheit.

Das erste Ziel war der Erlebnisbahnhof Westerburg. Von den Eisenbahnfreunden 44 508 e.V. stand Stephan Keßler für eine kurze Führung bereit. Er sprach über den Bahnverkehr seit seinen Ursprüngen in Westerburg, über die Lokschuppen und deren Inhalt – die imposante Dampflokomotive mit dem vereinsgebenden „Namen“ 44 508 ist auch bei öfteren Besuchen ein großartiger Anblick.

Auch über die Hülsbachbrücke, 1907 erbaut, wurde berichtet. Derzeit überprüft ein Gutachter die Tragfähigkeit der Brücke, die seit 1995 gesperrt ist. Die Hoffnung ist, sie einmal touristisch zu nutzen.

Wilfried Rink brachte sein einmaliges Eisenbahnplakatmuseum näher, das sich gleich nebenan im Bahnhofsgebäude befindet. Es bietet eine Vielfalt interessanter Plakate. Zum Teil sind sie grafisch ein Gedicht, dann wieder entzücken die Werbeslogans... Außerdem sind viele ausländische Exemplare dabei: skandinavisch, britisch, französisch... Ordentlich gerahmt füllen sie drei Stockwerke – und Rink hat noch mehr auf Lager. Eine vergleichbare Sammlung gibt es wohl nirgendwo sonst.

Ein Geheimtipp: Samstags zwischen 10 und 14.30 Uhr führt Wilfried Rink Interessierte gerne durch diese besondere Bilderwelt.

Mittagessen und eine weitere Führung gab es dann im Stöffel-Park in Enspel, wo die Gebäude der Firma Adrian teils an die 120 Jahre alt sind. Im oberen Freigelände gab es den Kontrast dazu: Hier feierten BMW-Fans ein Treffen. Der Tag des offenen Denkmals® stand in diesem Jahr unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken." Das passt nicht nur zu dem Stöffel-Park. Auch in Wallmerod wird Tradition und Moderne aufwändig und mit Liebe zusammengebracht: Das zeigte der Besuch bei der Zehntscheune. St. Huberts und Frankfurter Hof grenzen gleich an, ein Innenhof bietet zusätzlichen Platz. Hier bei Familie Schmidt kann man feiern und hervorragend nächtigen – ein Blick in die Zimmer wurde erlaubt.

Ingo Alexander Schmidt begrüßte hier die Reisegruppe auf herzliche Art und ließ sie ein bisschen „hinter die Fassade“ sehen. Ein wenig lernte man so ein wenig auch seine Familie und ihre persönlichen Werte kennen.

Die Busfahrt, bei der die schöne Landschaft im schon etwas buntem Spätsommergewand zu bestaunen war (was den Anblick der kaputten Fichten etwas abmilderte) und interessante Gebäude wie die Liebfrauenkirche Westerburg oder die Kirche in Salz zu sehen waren, führte auch zur Stiftskirche von Gemünden.

Ein kleiner Spaziergang führte durch den Schlossgarten in Molsberg. Hier zog das Ehepaar Schmidt aus Höhn eine Zwischenbilanz des Ausflugs: „Super“. Obwohl sie außer Molsberg schon alle Stationen bereits besucht hatten, meinten sie gut gelaunt: „Irgendetwas Neues gibt es immer.“ Und verrieten, dass sie mit dem Reiseunternehmen Menges „immer unterwegs“ seien. Angesichts der alten, großen Bäume kamen bei ihnen Erinnerungen an den Harz auf. Wie Lütkefedder schon vermutete, waren die VG-Grenzgänger in der Tat interessiert und offen.

Eng verbunden mit dem Wäller Land fühlt sich das Ehepaar Nilges aus der Gemeinde Dornburg. Sie holen sich immer den Wäller Wochenspiegel, erzählten sie, um auf dem Laufenden zu sein. „Als ich von der Denkmal-Tour erfahren habe, bin ich gleich mit dem Rad zur Tourist-Info am Wiesensee.“ Er musste bei dem Besuch im Stöffel an seinen Vater denken, der Schmied in einem Berzhahner Abbaugebiet war. Und ein Großvater war Steinrichter, so erzählte er. So manches „Denk-Mal“ trägt seinen Namen wohl zu recht. Frau Schmidt hat unter anderem Weltersburg und Girkenroth in sehr freundlicher und guter Erinnerung, erzählte sie. Lange Jahre hat sie dort Post ausgetragen und hängt heute noch an den Menschen, die sie ab und an – und sei es im Supermarkt – wiedersieht.

Der Tagesausflug endete nach 16 Uhr. Alle hatten noch ein Lächeln im Gesicht beim Abschlussbild. Es war ein schöner Tag. Es wurde angeregt geplaudert – ein wichtiges, soziales Bedürfnis, das in der Coronazeit insbesondere zu kurz kam.

Es war eine gemütliche, gemeinsame Reise in die (für manche neue) Heimat, in die Geschichte, bei manchen auch eine Reise in die Kindheit...

Diese besondere Art Denkmäler zu besichtigen, wird wahrscheinlich wiederholt werden. Einige neue Ideen wurden bereits gesammelt.

Mehr Infos zu den einzelnen Stationen sowie weitere Infos gibt es auch hier: www.waellerland.de (unter Sehenswertes). (Tatjana Steindorf)
       
Nachricht vom 16.09.2020 www.ww-kurier.de