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Politik
VG Montabaur will Jugend für Politik interessieren
Auch in der Verbandsgemeinde Montabaur hat man die Zeichen der Zeit erkannt, dass die Gefahr besteht, eine ganze Generation bei der Gestaltung von Politik zu verlieren. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fand unlängst in der Stadthalle von Montabaur eine Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ( HFA ) der VG Montabaur statt. Einziger Tagesordnungspunkt: „Politische Jugendbildung und Partizipation (Teilhabe)“.
Roman Blaser, Jugendpfleger der VG Montabaur. Fotos: wearMontabaur. Bürgermeister Hans Ulrich Richter-Hopprich sprach sofort das Thema an, als er erklärte, dass alle Fraktionen die Notwendigkeit sehen, die junge Generation bei der Findung von politischen Entscheidungen mit einzubinden. Das spürbare Desinteresse der jungen Generation hat viele Gründe: Sie haben das Gefühl, dass ihre Interessen von den aktuellen Mandatsträgern auf allen Ebenen nicht wahrgenommen wird, ihre Anliegen also nicht gehört werden, weil anderen Entscheidungen Priorität eingeräumt wird. Des Weiteren hat die rasante digitale Entwicklung in den letzten Jahrzehnten das Verhalten der jungen Generation massiv beeinflusst.

Diese Themen standen im Mittelpunkt der folgenden Vorträge und Diskussionen. Richter-Hopprich betonte, dass das Vorhaben auf freiwilliger Basis geschehe, und sprach auch die finanzielle Seite an. Sollte ein Jugend-Projekt zustande kommen, wird jeder Cent zweimal umgedreht und äußerste Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit ausgeübt. Zudem solle das Projekt zunächst zeitlich begrenzt betrieben werden, wobei drei Jahre im Raum stehen, um nach dieser Zeit ein Resümee zu ziehen, ob das Projekt von Erfolg gekrönt war oder es sich um eine Auslaufmodell handelte. Im negativen Fall soll es kein Dauerzustand sein, es soll auch verhindert werden, dass innerhalb des Projektes Klientelpolitik betrieben wird, das heißt, das Projekt darf nicht parteipolitisch instrumentalisiert werden.

Jugendpfleger der VG Montabaur stellte das Projekt „Barcamp“ vor
Geradezu prädestiniert, einen entsprechenden Vorschlag dem HFA zu unterbreiten, war Roman Blaser, Jugendpfleger der VG Montabaur, der gleichzeitig auch im Team vom Haus der Jugend (HdJ) tätig ist. Blaser hatte zur Sitzung des HFA zwei junge Frauen mitgebracht, die das Vorhaben der VG Montabaur aus Sicht der jungen Generation kommentierten: Larissa Holzer, Studentin im Bereich der sozialen Arbeit sowie Viola Kümmerling, Schülerin und Praktikantin im HdJ. Blaser stellte seinen Vortrag unter das Motto „Jugend macht Zukunft – Chancen der Jugendbeteiligung im kommunalen Umfeld“. In einer gut verständlichen Power-Point-Präsentation erläutere er seinen Vorschlag, ein „Barcamp“ einzurichten, wobei er zunächst den Begriff „Barcamp“ definierte. Ein „Barcamp“ ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, wobei die Teilnehmer die Inhalte und den Ablauf der Tagung zu Beginn selbst entwickeln, die aber im Laufe der Tagung verändert werden können. Am Ende der Veranstaltung sollten konkrete Ergebnisse stehen, die bei den Gremien in den Verwaltungen eingebracht werden. „Barcamps“ sind locker organisiert, die Anzahl der Teilnehmer ist nicht vorgeschrieben, es können nur einige Wenige sein, je nach Interesse aber auch mehrere hundert Menschen. Die Teilnehmer sollen selbst einen Vortrag zu dem Thema halten oder organisieren, aktive Teilnahme ist gefordert.

„Barcamps“ stehen auf den Fundamenten von drei Säulen: Online – Auf einer zentralen Plattform werden die Ergebnisse veröffentlicht und online partizipiert. „Barcamps“ in der offenen Moderation, es gibt kein Gemauschel und Geheimniskrämerei, Teilnahme an der politischen Jugendarbeit, und ständiges Angebot an Schulen, Vereine und Ortsgemeinden. Umsetzung, Überführung der Ergebnisse in die Tagespolitik sowie regelmäßige Präsentation der Ergebnisse durch den Bürgermeister. Im Resümee erklärte Roman Blaser, sollte dem Projekt „Barcamp“ die Zustimmung des VG-Rates erteilt werden, wird eine weitere Ausarbeitung erfolgen, Startschuss sollte im Frühjahr 20121 sein. Das Projekt soll zunächst auf drei Jahre befristet werden, nach den drei Jahren soll eine Evaluation (Bewertung) stattfinden, ob das Projekt fortgeführt oder beendet werden soll.

Marco Rocco, der Jugendseelsorger und Pastoralreferent im Bistum Limburg sandte schriftlich ein Grußwort in den HFA, da er selbst nicht anwesend sein konnte. Kernsatz: „Die politische und soziale Meinungsbildung von Menschen, die die Grundfeste der Demokratie transportieren, muss sich auch auf das digitale Feld begeben und darf dies nicht nur den Influencern und populistischen Sprachrohren überlassen.“ „Jetzt besteht noch die Chance, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, nutzen wir sie“, waren die Schlussworte von Roman Blaser.

Anschließend kamen Larissa Holzberg und Viola Kümmerling zu Wort, die unisono den Vorschlag von Roman Blaser unterstützten, da die Jugend dringend einen Zugang zu den Gremien der Politik benötigt, um sich mit ihren Vorschlägen Gehör zu verschaffen und sich politisch zu engagieren.

Nach einer sehr lebhaften Aussprache über das Projekt innerhalb des HFA wurde mit zehn Ja-Stimmen, bei einer Enthaltung, dem Beschlussvorschlag gefolgt, der da lautet: „Der VG-Rat beabsichtigt, ein Modellprojekt zur politischen Jugendarbeit gemeinsam mit dem Haus der Jugend e.V. nach den dargestellten Grundsätzen zu initiieren. Hierzu wird die Verwaltung beauftragt, die fachpädagogische und operative Konzeption weiter auszuarbeiten und dem VG-Rat zur Beschlussfassung vorzulegen. Rein vorsorglich sollen zu diesem Zweck Mittel in Höhe von 70.000 Euro in den Haushalt 2021 eingestellt werden.“ wear
     
Nachricht vom 14.09.2020 www.ww-kurier.de