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Kultur
Buchtipp: „Gladiatoren-Kochbuch“ von Christian Eckert
Wer glaubt, dass das Essen der muskelbepackten Gladiatoren primär aus Fleischbergen bestand, wird eines Besseren belehrt: Die Supersportler der Antike waren auch als „Gerstenmänner“ oder „Körnerfresser“ bekannt und ernährten sich rein vegetarisch. Autor Christian Eckert trainierte, kämpfte und aß im Rahmen eines Projektes der Universität Regensburg wie die römischen Vorzeigeathleten und lernte deren Ernährungsweise schätzen.
Buchtitel. Foto: VerlagDierdorf/Braunschweig. Muskelbepackte Kerle waren die professionellen Kämpfer des Römischen Reiches tatsächlich. „Der Gladiator war ein Hochleistungsathlet und stellte das absolute Maximum antiker Kampfkraft dar.“ Es gab verschiedene Gladiatorentypen mit unterschiedlichen Waffen. Sie wurden nach den fünf Elementen des Kampfes trainiert: Grundlagen (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit), Bewegung, Technik, Taktik und Strategie mit dem Ziel, die Kampffähigkeit zu steigern.

Eckert bemerkte während seines Gladiatoren-Projekts, dass trotz eines sehr hohen Trainingspensums sich bei den Teilnehmern kein oder nur sehr geringer Muskelkater einstellte, alle registrierten größere Wachheit und Leistungsfähigkeit. Am bemerkenswertesten waren Gewichtsverlust bei Übergewichtigen und Gewichtszunahme bei Untergewichtigen, die der besonderen Ernährung der Gladiatoren zuzuschreiben waren. Sie stillten ihren Kohlehydrate- und Eiweißbedarf durch die Hauptnahrungsmittel Gerste und Bohnen, die viel leichter verdaulich sind als Fleisch. Zudem war das Essen basisch. Inzwischen weiß man, dass Bohnen den glykämischen Index von Nahrungsmitteln senken. Durch Bohnen und Gerste in einem Gericht wird der Körper des Sportlers konstant mit Zucker versorgt, er hat dadurch über Stunden Energie.

Der strenge Trainings- und Ernährungsplan des Gladiators wurde immer wieder von Festtagen unterbrochen, an denen es auch Fleisch- und Fischgerichte sowie Wein gab. Eckert überträgt die gladiatorische Lebensweise in die Moderne und stellt sechs Regeln auf: Kombiniere Nahrungsmittel; kaufe deine Nahrungsmittel so unverarbeitet wie möglich; iss dich satt und genieße das Essen; genieße das Essen an Sonn- und Feiertagen; lerne, Essen selber zu machen und iss mit den Jahreszeiten und passend zur Region.

Drei Varianten stellen eine perfekte Diät auch für moderne Menschen dar. Will man römische Rezepte nachkochen, kann man das viel verwendete Garum, eine Gewürzsoße aus mit Salz vergorenen Fischen, durch eine hochwertige asiatische Fischsoße oder helle Sojasoße ersetzen. Typisch römisch ist auch „Moretum“, weiße Käsecreme aus Ziegenkäse, Olivenöl und diversen Kräutern, die entlang des Limes bei jedem Römerfest angeboten wird. Als „Hummus“ bekannt ist Kichererbsenpaste, zu der die Kichererbsen mit Knoblauch, Olivenöl, Cumin, Pfeffer und Honig püriert werden.

Das Hauptgericht der Gladiatoren war die „Puls“, ein Eintopf aus Gerste und Bohnen. Das Gericht gibt es in vielen Abwandlungen: mit Knoblauch, weißen Bohnen, Zwiebeln, Hartkäse, grünem Spargel, Hirse und Möhren, Kapern und Oliven, aus Hirse und Kichererbsen oder Hirse und Zucchini, Dinkel mit weißen Bohnen, Weizen und Bohnen oder aus roten Linsen, Kichererbsen und Karotten.

Die Römer liebten Brot in allen Variationen, zwecks Brandschutzes meist vom Bäcker aus gemahlenem Weizen hergestellt. Um Brot selbst zu backen, braucht man nur Weizenmehl, Meersalz, Hefe und Wasser. Leckeres Pfannenbrot oder gefüllte Fladen sind auch schnell und einfach zu backen und ein „Fladen mit Pilzen und Zwiebeln“ ist klar ein Pizza-Vorläufer.

Die Römer aßen Gemüse als Vorspeise und Zwischengang, auch Salat, kalt oder warm serviert, liebte man. Empfehlenswert zum Nachkochen sind die Wirsingrezepte, in denen das Kohlgemüse mit Bohnen oder Gerste oder Garnelen kombiniert wird. Auch die Kombination Brokkoli, Gerste und Artischocken, Brokkoli mit Garnelen in Mandelsoße oder Bohnen mit Kapern und Oliven sind lecker. Ebenso schmackhaft sind geschmorte Weinzwiebeln oder Salat mit Sauerkraut, Apfel und Bohnen sowie Blattsalat mit Bulgur oder Gurkensalat mit Schafskäse.

Suppen auf der Basis von in Olivenöl gebratenen Zwiebeln, verfeinert mit Gewürzkräutern und wahlweise angereichert mit schwarzen Oliven und weißen Bohnen oder mit Linsen, Kichererbsen und Möhren oder mit Pilzen, Zwiebeln und Zucchini sind Selbstläufer. Rezepte für Eieromelette mit Schafskäse und Frühlingszwiebeln oder Pfannkuchen mit Pilzen und Maronen lassen ebenso wie Zucchini-Puffer schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Das schön gestaltete Kochbuch ist mit einer Abbildung zu jedem Rezept sowie mit vielen Hintergrundinformationen, Zeichnungen und Fotografien zu den historischen Gladiatoren ausgestattet. Erschienen ist es im Zauberfeder-Verlag, ISBN 978-3-938922-99-6. www.zauberfeder.de

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Nachricht vom 05.09.2020 www.ww-kurier.de