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Wie Kirchengemeinden nachhaltiger mit der Schöpfung umgehen können
Es muss nicht gleich das neue CO2-neutrale Gemeindehaus sein. Schon mit kleine Schritten können Kirchengemeinden dazu beitragen, die Schöpfung zu bewahren und Ressourcen zu schonen. Wie das im Gemeinde-Alltag funktionieren kann, haben nun zwei Experten während eines Info-Abends im Westerburger Pfarrer-Ninck-Haus erklärt: Cassandra Silk ist Klimaschutz-Managerin bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Hartmut Baden Umweltbeauftragter des Evangelischen Dekanats Westerwald.
Die Referentin Cassandra Silk gab gemeinsam mit Hartmut Baden in Westerburg wertvolle Tipps, wie Kirchengemeinden im Alltag nachhaltiger agieren können. Fotos: Peter BongardWesterburg. Rund zwei Stunden lang geben sie unter der Überschrift „Nachhaltiger Umgang mit der Schöpfung - was Kirchengemeinden dazu beitragen können“ gute Tipps, die auch nötig sind: In ihrer Andacht geht die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, Nadine Bongard, auf den Zustand des Wäller Waldes und das Baumsterben nach drei trockenen Jahren ein. „Mancherorts sehen unsere Wälder verwüstet aus“, sagt sie. Dabei gibt die Bibel den Menschen den Auftrag des „Bebauens und Bewahrens“ der Erde: „Das Bebauen haben wir hier im Westerwald gut hinbekommen. Für die Zukunft müssen wir uns noch viel stärker dem Bewahren widmen“, mahnt Nadine Bongard.

Dass es Anno 2020 tatsächlich sehr ernst ums Klima steht, illustrieren Cassandra Silk und Hartmut Baden anhand von Statistiken, die vor allen Dingen eines zeigen: Trockenheiten, Hitzewellen und Dürreperioden werden zum Normalzustand und nehmen künftig zu. Doch das muss nicht so kommen, glaubt Baden. „Viele denken: Ich kann doch ohnehin nichts ändern! Das ist ausgesprochen schade. Die Kirchengemeinden scheuen den großen finanziellen und zeitlichen Aufwand, den nachhaltiges Handeln ihrer Ansicht nach mit sich bringt.“

Dabei sollte gerade die Kirche als großer Arbeitgeber, Gebäude-Besitzer und geistliches Vorbild eine Vorreiterrolle einnehmen, findet der Umweltbeauftragte, und viele Gemeinden sind sich dieser Rolle schon bewusst. Die Teilnehmenden berichten in einer Fragerunde von denjenigen Dingen, die sich nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung in den Gemeinden ändern: von Porzellan statt Einweggeschirr bei Gemeindefesten, von fair gehandeltem Kaffee, von weniger Fahrtstrecken dank Home-Office.

Aber da geht durchaus noch mehr. In einem ersten Überblick geben Cassandra Silk und Hartmut Baden einfache Ratschläge zu den Bereichen Mobilität, Bio-Diversität, Energieeffizienz und Ressourcenschonung - kompakte Tipps statt Mammutaufgaben, die sich gut in den Alltag integrieren lassen. So könnte die Kita vor Ort zum Beispiel über die Anschaffung eines E-Bikes nachdenken, das gleichzeitig ein halbes Dutzend Kinder transportieren kann. Außerdem können sich Kirchengemeinden fürs Car-Sharing stark machen und so dafür sorgen, dass mehr Zweit-Wagen von Wäller Grundstücken verschwinden, wie es die Referenten formulieren.

Was das Thema Biodversität angeht, bieten beispielsweise das Anlegen von Blühwiesen oder Insektenhotels gute Möglichkeiten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. „Solche Pflanzaktionen sind tolle Gemeinschaftsprojekte, zu denen Kirche aufrufen kann“, sagt Cassandra Silk.

Einen großen Schritt hin zu mehr Energieeffizienz in kirchlichen Gebäuden bringt der Umstieg auf LED-Leuchtmittel. Anhand einer Beispielrechnung zeigt Hartmut Baden, dass die Einsparungen beim Verzicht auf alte Glühbirnen durchaus in die Tausende gehen kann. Und auch der bewusstere Umgang mit Papier - etwa beim Druck des Gemeindebriefs - hilft dabei, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Die Experten verraten, dass sich die Druckereien mit etwas Verhandlungsgeschick davon überzeugen lassen, Recyclingpapier zum selben Preis wie herkömmliches zu verwenden. Apropos Nachhaltigkeit: „Angebote wie Tauschbörsen, Repair-Cafés, Upcycling-Kurse oder das bewusstere Einkaufen helfen, Ressourcen zu schonen und Dinge länger zu nutzen“, sagt Cassandra Silk.

Die vielen Tipps, die die Referenten den Gästen an diesem Abend mit auf den Weg geben, sind ein guter Anstoß, in der eigenen Gemeinde weiter am Ball zu bleiben. „Es braucht in jeder Kirchengemeinde Kümmerer“, sagt Hartmut Baden. „Das müssen nicht unbedingt Menschen aus dem Kirchenvorstand sein. Das Engagement für die Umwelt ist ein guter Weg, auch jene mit einzubeziehen, die sich ansonsten von Kirche entfernen würden.“ Wichtig ist es, Zuständigkeiten klar und transparent zu verteilen, betont Cassandra Silk. „Und kommunizieren Sie diesen Weg der Nachhaltigkeit nach innen und außen. Dabei helfen Veranstaltungen und Kurse mit Konfirmanden, Kindertagesstätten oder Senioren, Gottesdienste unter freiem Himmel, die Schöpfung erlebbar machen und der Kontakt zu Organisationen wie dem Nabu, dem BUND, der Kommune oder auch dem Dorfladen vor Ort.“

So dringlich das Thema ist: Cassandra Silk rät auch zu einer gewissen Gelassenheit, damit sich die Mitarbeitenden nicht zu sehr unter Druck setzen: „Jede Gemeinde hat ihr eigenes Tempo, und selbst mit einem geringen Budget kann schon viel erreicht werden.“ Außerdem gibt es noch den Grünen Hahn: Das ist ein kirchliches Umweltmanagement-System, das Gemeinden hilft, ein Bewusstsein für ökologische Fragen zu entwickeln. Hartmut Baden berät und begleitet Kirchengemeinden im Rahmen dieses Programms.

Veranstaltet wurde der Abend von der Evangelischen Erwachsenenbildung des Dekanats Westerwald im Rahmen der Ehrenamtsakademie. Erwachsenenbildungs-Leiterin Regina Kehr verabschiedet die Gäste mit einem Abendsegen und wünscht sich, dass die Wäller Kirchen mit gutem Beispiel vorangehen. „Ich wünsche uns allen eine Strahlkraft, damit wir als Kirche und Christen eine Vorreiterrolle einnehmen. Denn es ist unser Auftrag, die Schöpfung zu bewahren.“

Der Vortrag ist demnächst auch als Video auf dem Youtube-Kanal des Evangelischen Dekanats Westerwald (evangelischimwesterwald) sowie auf der Homepage des Dekanats (www.evangelischimwesterwald.de) zu sehen. Weitere Infos zum Thema erhalten Kirchengemeinden beim Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Internet: www.zgv.info). Informationen zum Grünen Hahn gibt es beim Umweltbeauftragten des Evangelischen Dekanats Westerwald, Hartmut Baden, E-Mail: hartmut.baden@ekhn.de, Telefon 02624/948751. (PM)
 
Nachricht vom 25.08.2020 www.ww-kurier.de