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Nachricht vom 12.08.2020
Politik
Politik soll das Miteinander fördern
Seit 50 Jahren ist der Ortsbeirat Altstadt aktiv, um die Interessen der ehemals selbständigen Gemeinde Altstadt nach der Fusion mit der Stadt Hachenburg zu vertreten. Alle Entscheidungen wurden zwar jeweils im Hachenburger Stadtrat entschieden, aber zuvor gab es oft Handlungsbedarf, um die Wünsche des Stadtteils Altstadt zu berücksichtigen. Es galt dabei stets zwischen Wünschenswertem und Machbarem eine Balance zu finden.
Kirmes in Hachenburg-Altstadt. Archivfoto: Reinhard PanthelHachenburg. Im Rückblick kann auf eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Stadtrat und Ortsbeirat verwiesen werden. Die entscheidende Frage bleibt: „Wie lange ist die Existenz des Schattenkabinetts noch nötig?“

Vor ein paar Tagen ist Detlef Nink auf sein neues Amt als Ortsvorsteher von Altstadt vereidigt worden. Es war nicht ganz einfach einen Nachfolger für Anne Nink zu finden, die aus gesundheitlichen Gründen alle politischen Ämter niederlegte. Eine Ausschreibung blieb erfolglos, weil sich kein Kandidat zur Verfügung stellte. Im kommenden Jahr ist Wahl und man hätte die Nachfolge per Wahlzettel für Jedermann klären können.

Einige Stadtratsfraktionen und Bürger mochten sich nicht mit dem gewählten Verfahren der Nachfolge anfreunden. „Ohne Bürgerbeteiligung entschied sich der Ortsbeirat mit 6:1 Stimmen für Detlef Nink als Nachfolger seiner Frau Anne im Amt!“ Der ehrenamtlich tätige Ortsbeirat schlägt sich auch im städtischen Haushalt mit einer nicht unbedeutenden Summe nieder…

Innerhalb der Bürgerschaft wurde im Wahlverfahren auch die Frage diskutiert, warum und wozu man 50 Jahre nach Eingemeindung noch immer einen eigenen Ortsbeirat benötigt, der nur beratende Funktion hat? Es geht ja nicht nur um politische Willensbildung. Der Entscheidungsträger (Stadtrat) ist für alle 6.000 Einwohner zuständig. Zwei größere Baugebiete (Rothenberg) haben auch keine separaten Interessenvertreter im Rat. Zumal auffallend deutlich festzustellen ist, dass der Ortsteil Altstadt im Hachenburger Stadtrat überdurchschnittlich stark vertreten ist.

Erwähnenswert ist, dass der dörfliche Charakter des Stadtteils Altstadt weitgehend erhalten wurde. Eine eigene Grundschule, eigene Kirmesgesellschaft, ein Vereinsleben, um das die Hachenburger ihre Nachbarn beneiden. Während der Hachenburger TuS sich ums Überleben der Tennisabteilung bemüht, funktioniert diese Sportart in Altstadt einwandfrei. Auch musikalisch hat Altstadt Vorzeigecharakter durch die Altstädter Dorfmusikanten und den MGV 1848. In Hachenburg hingegen ist die Stadtkapelle und später die Stadtjugendkapelle ebenso aufgelöst worden wie der damals aktive HCV. Dafür sorgen die Kaffeekränzchen und Straßenkarneval in Altstadt für willkommene Abwechslung, kein Verdienst des Ortsbeirates, sondern Ergebnis eines funktionierenden Vereinslebens.

Jetzt gibt es für den Hachenburger Stadtrat erneut eine Nuss zu knacken. Der Vertrag über die Nutzung des Stern-Saales läuft zum Jahresende aus. Der Ankauf des leerstehenden D-Hauses steht zur Disposition für ein „eigenes Vereinsheim“. Bevor der Stadtrat grünes Licht gibt, wird zunächst einmal als Alternative überlegt, ob ein Anbau des vorhandenen Vereinsheimes (ehemaliges Feuerwehrhaus) als kostengünstige Alternative diskussionswürdig ist.

Aus städtischer Sicht müsste die notwendige Sanierung der Stadthalle vorgezogen werden. Als „Kulturhauptstadt des Westerwaldes“ ist es beschämend, dass die Stadt im Vergleich zu vielen Ortsgemeinden keine würdige Stadthalle nutzen kann. Es gibt zahlreiche Ausschreibungen und Modelle für das „Haus des Gastes“, eine Stadthalle für alle Hachenburger, aber gebaut wurde niemals. Auch daran sollte der Ortsbeirat Altstadt denken, wenn er demnächst seine Wunschliste der Altstädter der Stadt Hachenburg vorträgt.
Reinhard Panthel
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