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Evangelische Sommerfreizeiten werden wegen Corona abgesagt
Es ist ein hartes Jahr für die Organisatoren von evangelischen Freizeiten im Dekanat Westerwald. Die Jugendreferenten, Bildungsbeauftragten und Gemeindepädagogen und natürlich die evangelischen Kirchengemeinden hatten für die Urlaubszeit – vornehmlich in den Sommerferien- Freizeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geplant. Viel Herzblut und Vorfreude steckt in den Planungen für die Reisen, die nun zum großen Teil wegen der Coronakrise abgesagt werden müssen.
Dekanatsjugendreferent Marco Herrlich und Bildungsreferentin Regina Kehr müssen viele evangelische Freizeiten in diesem Jahr neu durchdenken und planen. Foto: Sabine Hammann-GonschorekWesterburg. Dekanatsjugendreferent Marco Herrlich wollte im Juli mit Jugendlichen nach Spanien an die Costa Brava fahren. „Ich nehme die Empfehlung der Landeskirche sehr ernst, dass wir bei Auslandsfreizeiten besonders vorsichtig sein sollen und habe die Fahrt abgesagt.“

Der Krisenstab der EKHN hatte den Kirchengemeinden, Dekanaten und Kirchengemeindeverbänden empfohlen bis zum Ende der Sommerferien noch keine Auslandsgruppenreisen durchzuführen. „Die Verantwortung für eine Gruppe zu tragen, ist immer noch was Anderes, als selbst in Urlaub zu fahren.“, sagt Herrlich. Auch seine Wanderfreizeit für junge Erwachsene, die schon im Mai stattfinden sollte, konnte nicht realisiert werden.

Bildungsreferentin Regina Kehr musste eine Frauenfreizeit nach Bad Bergzabern auf das kommende Jahr verschieben, neuer Termin ist der 9. bis 14. Juni 2021. Ein geplantes Familienwochenende für Eltern, Großeltern und Kinder in der Jugendherberge Grafenschloss in Diez hat als neuen Termin den 9. bis 11. Juli 2021. Eine Vater-und-Kind-Freizeit im September, zusammen mit Dekanatsjugendreferent Christoph Franke, und ein Adventswochenende im November hofft sie aber dieses Jahr noch anbieten zu können. Allerdings geben Kehr mögliche Einschränkungen zu denken: “Die Teilnehmer wollen Gemeinschaft erleben, gemeinsam unterwegs zu sein. Wenn die physische Nähe wegfallen muss, man nicht zusammen essen und singen darf, man bei einer Andacht im Sicherheitsabstand sitzen muss, ist das schon sehr ungewohnt für eine evangelische Freizeit.“

Marco Herrlich überlegt Alternativen, wie er in diesem Sommer dennoch Angebote für Jugendliche realisieren kann:“ Im Moment ist unglaublich schwer planbar, was gehen könnte. Wir haben leerstehende Pfarrhäuser angefragt, um dort Tagesaktionen zu machen. Aber da es keine Sicherheitskonzepte gibt, hat sich die Idee zerschlagen. Auch die heimischen Campingplätze wollen zurzeit keine Gruppe aufnehmen.“ Herrlich will sich nun für Veranstaltungen an der Selterser Jugendkirche treffen und von dort aus Ausflüge machen. Eventuell will er punktuell Gemeindehäuser mit Hygienekonzept anfragen, da in den Räumen der Jugendkirche unter den Auflagen nur neun Personen Platz finden.

Auch die möglichen Langzeitfolgen für die Evangelische Jugendarbeit machen Herrlich Sorgen: “Normalerweise ist die Motivation unserer Teilnehmer hoch, sich direkt nach einer Sommerfreizeit direkt für das kommende Jahr anzumelden. Auch aus unserem ausgefallenen Konfi-Camp in Wittenberg, an dem immer 150 Westerwälder Konfirmanden teilnehmen, wären viele Teilnehmer gekommen. Nun müssen wir bei der Werbung für unsere Dekanatsjugendfreizeit nach Schweden im Sommer 2021 bei null anfangen.“

Im Zuge der momentanen Lockerungen der Corona-Bestimmungen will Herrlich, in diesem Oktober, zusammen mit DJR Christoph Franke, eine Juleica-Schulung - eine Ausbildung für jugendliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit der Kirchengemeinden - im Jugendhaus Maria Einsiedel in Gernsheim durchführen.

Was die künftigen Teilnehmer der Freizeiten betrifft, ist Regina Kehr weniger besorgt: „In der Erwachsenenbildung sind die Teilnehmer konstanter in ihrem Interesse und in ihrer räumlichen Wohnsituation.“ Sie plant zusammen mit Bildungsreferentin Sabine Jungbluth eine ausgefallene Ökumenische Tageswanderung im Hunsrück neu für das kommende Jahr. Zudem organisiert sie einen Dekanats-Kinderkirchentag, der am 3. Juli 2021 stattfinden soll. Außerdem will sie im kommenden Jahr mit einer Reisegruppe auf die Blumeninsel Madeira fahren.

Fast unmöglich erscheint die Durchführung der Segelfreizeit für Teilnehmer 50+ von Gemeindepädagogen Matthias Kern auf dem Ijsselmeer in Holland. Der Termin wurde zwar zunächst auf den September dieses Jahres verschoben, die beengten Platzverhältnisse auf einem Segelboot geben aber wenig Anlass zu Hoffnung, so Kern. Eine weitere Auslandsreise – eine Frankreichfreizeit für Jugendliche zusammen mit dem CVJM Bad Marienberg - musste Gemeindepädagoge Moritz Hollmann absagen.

Auch eine Jugendreise nach Ostfriesland von Gemeindepädagogin Angelika Schepp für die Kirchengemeinde Neuhäusel ist seit kurzem nicht mehr in Planung. Sie sucht jetzt nach alternativen Angeboten für die Jugendlichen. Gemeindepädagoge Ralf Priebe musste eine Kinderfreizeit im April canceln und hofft in Rennerod Ferienaktionen in den Sommerferien anbieten zu können. Eine Frauenreise nach Essen musste Christiane Löflund-Fries absagen, im Herbst will sie versuchen, eine Fahrt für das kommende Jahr zu organisieren. Bildungsreferentin Sabine Jungbluth wollte mit der Evangelischen Kirchengemeinde Westerburg nach Ostpreußen reisen.

Nahezu alle Evangelischen Kirchengemeinden mussten ihre Freizeiten schweren Herzens absagen, wie Unnau eine Schwedenfreizeit und Liebenscheid die Segelfreizeit in Holland. Eine bittere Pille, die durch finanzielle Unterstützung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nur wenig versüßt werden kann. Kirchengemeinden, Kirchengemeindeverbände und Dekanate erhalten aus einem Härtefonds bei Absage von Freizeiten aufgrund der Coronakrise einen Zuschuss von 50 Prozent der entstandenen Stornokosten. Der Zuschuss wird allerdings nur gewährt, wenn die tatsächlich entstandenen Stornokosten mindestens 500 Euro abzüglich des eingesparten Aufwands aufgrund des Ausfalls der Reise betragen.

Hoffnung gibt es noch für die Teilnehmer einer Kletterfreizeit in der französischen Tarnschlucht. Dekanatsjugendreferent Christoph Franke will sie im Juli unter einem Hygienekonzept möglich machen. Er befindet sich dazu im Gespräch mit den 18 Teilnehmern, von denen alle, bis auf eine, schon mal mit Franke an den Tarn gereist sind. (shg)
Nachricht vom 14.06.2020 www.ww-kurier.de