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Nicole nörgelt… der Bau eines Schuhregals
Kennen Sie diesen Moment, wenn ein Kind einem vor Stolz strahlend ein selbstgemaltes Bild überreicht, auf dem man beim besten Willen nichts außer wilden Linien und wahllos hingekritzelten Farben erkennen kann?
SymbolfotoRegion. Bei der Übergabe lächelt man trotzdem, bedankt sich überschwänglich und lobt den kleinen Künstler für seine Fertigkeiten. Dieses langgezogene „Boah, tooooll!“… Kommen Sie, das haben wir doch alle schon Mal von uns gegeben! Und jetzt stellen Sie sich vor, ich bin dieses Kind und ich will auch für mein Werk gelobt werden. Auch wenn es kein Bild ist, sondern nur ein schnödes Schuhregal für den Flur.

Ja, ich gebe es ja zu, der Quarantäne-Koller hat mich schließlich auch erwischt. Die letzten Nächte habe ich bis zum Morgengrauen mit allen möglichen Youtube-Videos aus der Do-it-Yourself-Ecke verbracht. Selbst einen neuen Heizkessel einbauen, den Garten fachmännisch umgestalten oder in Eigenarbeit das Haus unterkellern? Pah, alles ein Klacks. Wenn diese drögen Männer mit dem Werkzeuggürtel um die Hüften das hinkriegen und quasi mit einem Dessertlöffel ein ganzes Poolbecken graben können, dann kann ich das doch schon lange.

Aber gut, ich will ja nicht gleich übertreiben. Ein simples Aufbewahrungssytem für den Flur als Fingerübung tut es für den Anfang. Hinter meiner Eingangstür habe ich nämlich bisher einfach die Schuhe an die Wand gestellt. Das geht doch viel stylischer! Diese grinsende Blondine in dem Video fand es jedenfalls megaleicht: Man braucht nur ein paar Bretter anzupinseln und zusammenzuleimen, so dass man noch hübsche Körbe für Schuhe und Kleinkram drunterschieben kann. Letztere hätte ich garantiert mit einem anderen Video als Anleitung aus alten T-Shirts und Handtüchern selber flechten können, aber ich habe die Faultier-Variante gewählt und mir einfach drei passende Stücke gekauft.

Hmm. Und irgendwie sind die jetzt das Einzige, was in der Gesamtkonstruktion nicht krumm aussieht. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich grade nicht viel sehe, schließlich haben sie in dem Video nicht gesagt, dass man beim Bretteranstreichen den Pinsel weglegen muss, wenn man sich durchs Gesicht fährt. Meine Brille hat jetzt stylische Kleckse in „Wassertürkis Pastell“. Hübsch, aber ein bisschen unpraktisch. Bestimmt hab ich deshalb nicht gesehen, dass man mir im Baumarkt schiefe, total verbogene Bretter angedreht hat! Wie sonst wäre es zu erklären, dass die auseinanderstehen wie in einem surrealistischen Gemälde? Und ich kriege die jetzt auch nicht mehr grade, meine Handschuhe sind von dem ganzen Leim ganz steif! Vielleicht kann ich die als Stütze irgendwo dazwischenklemmen?

Tja. Und nun stehe ich im Flur und möchte für mein Werk gelobt werden wie das Kind für sein Bild. Künstlerisch wertvoll ist es jedenfalls. Nur wie ich da meine Schuhe stylisch reinkriege, muss ich noch rausfinden, die Körbe haben sich nämlich prompt verklemmt. Vielleicht lasse ich das einfach so. Eine Erinnerung an die Quarantäne-Zeit. Dass es nun im Flur ein bisschen eng ist, ist doch nicht so wichtig. Darum kümmere ich mich dann nächste Woche. Vielleich reiße ich einfach die Wand zum Arbeitszimmer weg. Da gibt es doch bestimmt ein Anleitungsvideo…

In diesem Sinne - Bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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Nachricht vom 09.05.2020 www.ww-kurier.de