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Kultur
Buchtipp „Varieté“ von Stephanie Langenberg
Mit ihrem Erstlingswerk ist Stephanie Langenberg ein atmosphärisch dichter und spannender Roman gelungen, der Kaiserzeit und Gegenwart miteinander verwebt und nebenbei ein Sittengemälde darstellt. Grundlage ist ein Mordprozess im Jahr 1924, der den Mord an der neununddreißigjährigen Tänzerin und Kurtisane Luise Bergmann verhandelte. Angeklagt war der für seinen soliden Lebensstil bekannte Carl Ludwig Graf von Häberlein. Er wurde freigesprochen.
Buchtitel. Foto: VerlagKarlsruhe/Dierdorf. Im Jahr 2006 wurde ein junger Journalist von seiner Chefredakteurin aus Hamburg in die Provinz bei Heidelberg geschickt, um die Hintergründe dieses historischen Falls zu recherchieren und eine spannende Story darüber zu schreiben. Nur widerwillig nahm Reporter Paul Schmidt, der eine Vorliebe für attraktive intelligente Frauen besaß und sie mit Kaffee verglich – „anregend und bitter“ - diesen Auftrag an. Gut Bergstett, der ehemalige Tatort, wurde in ein Hotel umgestaltet, an dem noch Spuren eines Brandes zu sehen waren, bei dem 1948 Carl von Häberlein unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Die Leute im Dorf waren noch immer der Meinung, Luisa sei als Geist wiedergekommen und habe den Brand gelegt. Daher veranstalteten sie jedes Jahr in der Brandnacht vom 27. Juni eine Art „Hexenaustreibungsfest“.

Tatsächlich beunruhigten Hexengeschichten, Geister und nächtliche Stimmen den jungen Mann. Und mit seinem Auftrag kam er nicht recht voran. Er recherchierte, dass Luisa, die Tochter der Näherin auf Gut Bergstett zusammen mit Meli, der Tochter des Hauses aufwuchs und die beiden Mädchen Freundinnen waren, bis Luisa und ihre Mutter das Gut im Jahr 1899 verließen. In Mannheim fanden Mutter und Tochter eine kärgliche Unterkunft, doch ihr Leben war von Armut und Hunger geprägt. Durch die Not erkrankte die Mutter und starb nach kurzer Zeit, Luisa war nun ganz auf sich allein gestellt. Mit einer Anstellung im Varieté schienen schließlich ihre Probleme gelöst. Doch wieder lief das Schicksal gegen sie und die Vergangenheit holte sie immer wieder ein.

Die Erzählstränge des Romans wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Fotos aus den Jahren 1908 und 1909 und Akten aus dem Archiv der Gemeinde stellen Verbindungen her. Immer mehr Verstrickungen und Verfehlungen der Protagonisten werden deutlich. Bekanntschaften und Beziehungen besitzen eine tragische Dynamik.

Das Jagdfieber des Journalisten lässt diesen hartnäckig die gefundene Fährte verfolgen und aufgedröselte Fäden zu einem Strang wiedervereinen. Am Schluss erhält Paul Schmidt Antworten auf seine Fragen und eine fulminante karrierefördernde Geschichte, die bis in seine Heimatstadt Hamburg führt.

Das 383-seitige Taschenbuch „Varieté“ ist bei Lauinger I Der kleine Buch Verlag in Karlsruhe erschienen, ISBN: 978-3-7650-9144-5; als E-Book ISBN: 978-3-7650-9145-2. htv
Nachricht vom 18.04.2020 www.ww-kurier.de