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Ausbildung und Studium: Klinikum Oberberg geht neue Wege
Im Klinikum Oberberg hat die Ausbildung des eigenen Nachwuchses einen hohen Stellenwert. Um den Pflegeberuf für junge Schulabgänger attraktiver zu gestalten und die Qualifikation der Absolventen kontinuierlich zu verbessern, bietet das Gesundheits- und Bildungszentrum Oberberg (GBZ) seit diesem Wintersemester erstmals in Kooperation mit der Katholischen Hochschule in Köln parallel zur Ausbildung ein Studium an.
Die Pflegestudentinnen Annabell Spieles, Lina Bosch und Anika Hirdes (Foto: Klinikum Oberberg).Gummersbach. Am Bett und im Hörsaal sind in diesem Wintersemester die ersten drei Studentinnen der „angewandten Pflegewissenschaften“ im Klinikum Oberberg aktiv. Lina Marie Bosch, Anika Hirdes und Annabell Spieles sind im zweiten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und haben parallel ein Pflege-Studium begonnen. Das Gesundheits- und Bildungszentrum Oberberg (GBZ) bietet erstmals in Kooperation mit der Katholischen Hochschule Köln Pflege-Azubis die Möglichkeit, zu studieren.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen haben die drei angehenden Krankenschwestern ihre Ausbildung gewählt. Lina Marie Bosch hatte eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin bei der Bundeswehr begonnen. „Aber mir reichte es nicht, den Patienten in der Notaufnahme an die Kollegen im Krankenhaus zu übergeben, ich wollte den Patienten weiterbehandeln können“, begründet sie den Wechsel ans GBZ. Ihre Kommilitonin Anika Hirdes hatte nach dem Abitur noch keine konkreten Vorstellungen, welcher Beruf zu ihr passt und entschied sich für den Bundesfreiwilligendienst in einem Pflegeheim. „Erst war das eine Überbrückungslösung und dann ist daraus ein Berufswunsch geworden“, erzählt sie. Praktische Erfahrungen im Krankenhaus veranlassten auch Annabell Spieles, die Ausbildung in der Krankenpflege zu wählen. „Während meines Fachabiturs habe ich verschiedene Praktika absolviert, in einer Tagesklinik, in einem Kindergarten und im Krankenhaus.“

GBZ-Leiter Dirk Broß fand unter seinen Schülerinnen schnell die drei Interessentinnen, die sich an der Hochschule erfolgreich um einen Studienplatz bewarben. 15 Plätze bietet die Katholische Hochschule Köln in den angewandten Pflegewissenschaften an, drei davon in Kooperation mit dem Gesundheits- und Bildungszentrum Oberberg. Das so genannte Kontaktstudium findet parallel zur Ausbildung statt. An vier Tagen sind die Schülerinnen im Krankenhaus tätig, wo sie entweder Theorie büffeln oder Praxiseinsätze auf den Stationen absolvieren, und einen Tag in der Woche verbringen sie an der Hochschule. „Den Schulstoff, den wir an diesem Tag im GBZ verpassen, müssen wir natürlich nachholen. Das klappt aber gut, da uns Mitschülerinnen mit Material versorgen.“

Ihre praktische Ausbildung mit einem Studium kombinieren zu können, sei eine tolle Chance, sagt Anika Hirdes, „denn schon eineinhalb Jahre nach Abschluss meiner Ausbildung habe ich den Bachelor“. Eine Studie über Bettlägerigkeit aus der Vorlesung sei auch Thema im Unterricht am GBZ gewesen, nennt die Krankenpflegeschülerin ein Beispiel für die Verzahnung von Theorie und Praxis.

„Wir werden im Krankenhaus bei unserer täglichen Arbeit von dem Know How der Pflegekräfte
profitieren“, ist sich GBZ-Leiter Dirk Broß sicher. Pflegedirektorin Inge Schwarz pflichtet ihm bei: „Aufgabenfelder werden sich entwickeln, da gibt es viele Möglichkeiten“. Sie begrüßt die Mischung von hoch qualifizierten Pflegekräften, die einen Bachelor-Abschluss oder ein Examen gemacht haben, und Pflegeassistenten. „Je besser der Skill-Mix ist, desto besser ist ein Krankenhaus aufgestellt“, sagt Inge Schwarz.

Mit Beginn des neuen Jahr startet auch die Reform der Pflege-Ausbildung. Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege werden ab sofort gemeinsam unterrichtet. „Wir bieten die neue Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau und Pflegefachmann in diesem Jahr erstmals an“, sagt Broß.

Das Klinikum Oberberg bietet im GBZ 200 Plätze für die dreijährige Ausbildung an sowie 25
Plätze für die einjährige Ausbildung zum Pflege-Assistenten. „Das GBZ wird innerhalb der neuen generalistischen Ausbildung verschiedene Schwerpunkte anbieten“, erklärt Broß. So können die Auszubildenden den Schwerpunkt Kinderheilkunde wählen oder sich für einen psychiatrischen und gerontopsychiatrischen Praxisschwerpunkt entscheiden. Möglich ist auch der Einsatz in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie in den Kreiskrankenhäusern Gummersbach und Waldbröl und in der Klinik Marienheide. „Wir sind sehr um Transparenz und Planbarkeit für unserer Kooperationspartner bemüht und haben in den vergangenen Wochen und Monaten eine Vielzahl an Informationsveranstaltungen für Ausbildungsanbieter und Schüler angeboten“, berichtet Broß von den Vorbereitungen auf die neue Pflegeausbildung. Außerdem bietet das GBZ für Pflegedienste die Möglichkeit, im Internet unter www.gbz-oberberg.de über das Bewerbungsportal Einsatzzeiträume für ihre Auszubildenden online zu buchen.

Überregional ist das GBZ an dem Projekt des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums „SchulBeReit“ beteiligt. „Wir arbeiten innerhalb dieses Projektes an einem Curriculum für unsere Schule“, erklärt der Schulleiter. Dirk Broß ist Pflegewissenschaftler und begleitet mit seinem Lehrerteam den Entwicklungsprozess des neuen Lehrplans. „Es ist viel Bewegung in der Pflegeausbildung“, freut sich Sascha Klein, Geschäftsführer des Klinikum Oberberg. Die Möglichkeiten für junge Menschen vom Pflege-Assistenten mit geringen Zugangsvoraussetzungen, über die neue breit aufgestellte Ausbildung zur examinierten Pflegekraft bis hin zum Studium der Pflegewissenschaften seien vielfältig. „Den Mehrbedarf an Pflegekräften können wir nur decken, wenn wir die Startchancen in den Beruf verbessern und die Attraktivität des Pflegeberufs steigern.“ (PM)
Nachricht vom 23.01.2020 www.ww-kurier.de