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Neues Krankenhaus doch näher an Hachenburg als gedacht?
Bleibt ein bitterer Nachgeschmack? Diese Frage müssen sich all diejenigen stellen und im stillen Kämmerlein beantworten, die mit der Standort-Entscheidung für das neue DRK-Krankenhaus nicht einverstanden waren, die sich über die plötzlich ins Spiel gekommene Ergänzung "Müschenbach" zu "Standort 12 Bahnhof Hattert" gewundert hatten.
Altenkirchens DRK-Krankenhaus wird mittelfristig in einer größeren DRK-Westerwald-Klinik aufgehen. (Foto: AK-Kurier)Altenkirchen. Das neue DRK-Krankenhaus, das anstelle der Hospitäler in Altenkirchen und Hachenburg tritt, soll am "Standort 12 Bahnhof Hattert/Müschenbach" gebaut werden. Das war der viel gepriesene Konsens einer Zusammenkunft auf Initiative der rheinland-pfälzischen Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), am Montag (9. Dezember) im Altenkirchener Kreishaus. Ist die Übereinkunft wirklich eine, die von allen Teilnehmern getragen wird ob der Tatsache, dass der "Standort Bahnhof Hattert" um ein Areal in Müschenbach erweitert wurde? Altenkirchens Bürgermeister Fred Jüngerich rekapitulierte: "Mit 'Standort 12' wurde bis zu der Zusammenkunft im Kreishaus immer nur 'Bahnhof Hattert', also aus Altenkirchen kommend, rechtsseitig der B 414 unterhalb der Bahngleise, assoziiert. So ist es auch beiden Gutachten zu entnehmen. Der Zusatz 'Müschenbach' bezieht sich nun auf den Bereich in der Nähe eines Cafés und des Gebäude eines Unternehmens auf der anderen Seite der B 414. Dieser Bereich wurde während der Besprechung im Kreishaus von Vertretern aus dem Westerwaldkreis ins Spiel gebracht und fand sogleich die Zustimmung der Verantwortlichen des DRK. Für mich ist dieser Standort neu."

Eine zusätzliche Möglichkeit
Bätzing-Lichtenthäler ließ in einer Pressemitteilung erklären: "Aufgrund der geographischen Nachbarschaft handelt es sich auch mit dem zusätzlichen Grundstück in der Gemarkung Müschenbach um den Standort Hattert – mit allen Vorteilen, die das Gutachten, das vom Krankenhausträger in Auftrag gegeben wurde sowie die Expertise, die das Gesundheitsministerium hat erstellen lassen, beschreiben. Das weitere Grundstück in der Gemarkung Müschenbach in direkter Nachbarschaft zu den Grundstücken in der Gemarkung Hattert bietet eine zusätzliche Möglichkeit für den konkreten Bau." Zuvor hatte das Ministerium selbst immer nur vom "Standort 12 Bahnhof Hattert" gesprochen und erklärte die Ausweitung: "Die Standortdiskussion ist insgesamt sehr umfassend und vielschichtig verlaufen; alle Beteiligten haben ihre Argumente und Aspekte eingebracht. Der Hinweis auf das Grundstück in der Gemarkung Müschenbach, der unseres Wissens vom Träger kam, wurde von den Beteiligten als sinnvoll angesehen und daher in die weiteren Planungen mit einbezogen, so dass jetzt vom Standort Hattert/Müschenbach die Rede ist." Rainer, Kaul, Präsident des DRK-Landesverbandes und Vorsitzender des Aufsichtsrats der DRK-Trägergesellschaft Süd-West, die die neue Klinik bauen lassen wird, bemerkte lapidar: "Wir haben beim 'Standort 12' immer Hattert und Müschenbach, also rechts und links der Bahnlinie, gemeint."

Entscheidung respektiert
Jüngerich war nicht glücklich ob des Verlaufs des Treffens im Kreishaus: "Ich habe der Ministerin gesagt, die Entscheidung zwar nicht mitzutragen, aber zu respektieren. Dazu stehe ich." Seiner Aussage nach war er enttäuscht, "für die Menschen aus der künftigen Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, aber auch für die Einzugsbereiche Hamm und Wissen, nicht die akzeptabelste Lösung mit dem Standort Giesenhausen/Bahnhof Ingelbach für eine stationäre Grundversorgung erreicht zu haben. Dennoch denke ich, alles dafür getan zu haben". Erfreulich sei die Zusage von Kaul, am alten Standort Altenkirchen auch nach Zusammenführung der beiden Häuser ambulante Notfallversorgung vorhalten zu wollen und ambulante Operationen zu ermöglichen.

Nun ist Geduld gefragt
So ist nunmehr das Gezerre hinter den Kulissen und zwischen politischen Akteuren aus dem AK-Land und dem Westerwaldkreis (vorerst) beendet. Inwieweit welches Areal letztendlich den Zuschlag erhält, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Sollte es Müschenbach werden, rückt die Klinik natürlich näher an den Sieger-Bereich des BAB-Gutachtens "Standort 6" (vor den Toren von Hachenburg an der B 413 mit Blick auf den Kleeberger Hof), also an die eigentliche Stadt, heran, den Kommunalpolitiker, die ostseits vom Bahnhof Ingelbach leben, gerne verwirklicht gesehen hätten, der aber vom Ministerium wegen "nicht vorhandener Akzeptanz" und trotz geforderter und auch vorhandener "urbaner Anbindung" getilgt worden war. Sollte es Bahnhof Hattert werden, sind im Vorfeld Dinge wie genügender Abstand zur Bahnlinie oder die durchgängige Hanglage zu erörtern und zu klären. Und was geschieht, wenn es weder bei Bahnhof Hattert noch bei Müschenbach gelingt, die genügende Anzahl an Grundstücken zu erwerben? Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt, dass in einem solchen Fall "Standort 6" möglicherweise eine Renaissance erleben könnte?!

Kliniken arbeiten defizitär
Die DRK-Trägergesellschaft Süd-West betreibt seit dem 1. Januar 2004 die Kliniken in Altenkirchen und Hachenburg als Verbundkrankenhaus. Eine erste Bemühung, beide Hospitäler an einem neutralen Standort zusammenzulegen, scheiterte vor fast fünf Jahren. Da beide Häuser aus den roten Zahlen nicht hinauskommen, startete der Träger einen weiteren Versuch der "Zwangsehe" mit einem erneuten Gutachten des Instituts für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB), das im September vorlegt wurde und zu keinem anderen Schluss kam als die Vorgängerversion. Bätzing-Lichtenthälers Ministerium, das die Hauptlast der Finanzierung tragen wird, ließ eine Expertise zur Verifizierung der BAB-Ergebnisse der Standort-Hitliste erstellen, die "Standort 12 Bahnhof Hattert" (merke: ohne Zusatz Müschenbach) in Front sah, marginal zwar, aber immerhin. Die DRK-Trägergesellschaft Süd-West gibt den Flächenbedarf für den Neubau mit mindestens 60.000 Quadratmetern (erweiterbar bis 100.000 Quadratmeter) an. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf mindestens 100 Millionen Euro. Der Zeitraum der Verwirklichung soll sechs bis acht Jahre betragen. (hak)
Nachricht vom 12.12.2019 www.ww-kurier.de