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Entscheidung: Neues Krankenhaus in Hattert oder Müschenbach
Das letzte Wort ist gesprochen: Das neue DRK-Krankenhaus, das aus der Zusammenlegung der beiden Kliniken Altenkirchen und Hachenburg entstehen soll, wird in Hattert/Müschenbach gebaut. Das ist das Ergebnis eines Treffens im Altenkirchener Kreishaus, an dem neben Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) als Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Vertreter lokaler Kommunen und des DRK als Träger sowie Landtagsabgeordnete am Montagmorgen (9. Dezember) teilnahmen.
Für das DRK-Krankenhaus Altenkirchen sollen Nachnutzungskonzepte entwickelt werden. (Foto hak)
Altenkirchen. Nun ist es unumstößlich: Das neue Krankenhaus, dass die Rolle der beiden DRK-Hospitäler Altenkirchen und Hachenburg unter einem einzigen Dach übernehmen wird, ist in Hattert/Müschenbach vorgesehen. Die in Frage kommenden Grundstücke befinden sich zu beiden Seiten des Bahnübergangs, der die K 13 teilt und Blicke auf die große Ortsgemeinde bieten, und an der B 414 in der Nähe des Troika-Gebäudes. Auf welchem Areal schließlich die Bagger ihre Tätigkeit aufnehmen, bleibt zu klären. Es liegt nunmehr an der Verbandsgemeinde Hachenburg, den Grunderwerb vorzubereiten, wie Bernd Decker, Geschäftsführer des Bauherrn, der DRK-Trägergesellschaft Süd-West, nach der Zusammenkunft erklärte. Geplant ist eine DRK-Westerwald-Klinik mit knapp 300 Betten. Realisiert sein könnte das Projekt in sieben bis acht Jahren. Die Kosten sind mit zunächst einmal 100 Millionen Euro angesetzt. Der Spruch von Altenkirchen beendet gleichfalls ein wochenlanges Gezerre hinter den Kulissen um den Standort der Ein-Haus-Lösung, das mit dem vom Träger beim Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB) in Auftrag gegebene und Ende September vorgelegte Gutachten begonnen hatte. Auf der Strecke blieben der ursprüngliche Spitzenreiter der möglichen Lokationen vor den Toren Hachenburgs und die bei Bahnhof Ingelbach (Gemarkung Giesenhausen).

Die Entscheidung respektiert
"Wir haben uns mit allen Beteiligten noch einmal ausgetauscht. Am Ende des Gesprächs haben alle Beteiligten, obwohl sie teils anderer Ansicht waren, meine Entscheidung, die Entscheidung des Gesundheitsministeriums, respektiert, auf Grundlage des Gutachtens als auch der Expertise den Standort Hattert/Müschenbach zu empfehlen", fasste Bätzing-Lichtenthäler die Sitzung zusammen. Was die Nachnutzungskonzepte angehe, werde es weitere Gespräche geben. "Der Träger hat das zugesagt. Nun muss man die Ideen konkretisieren, inwieweit das für Altenkirchen in Richtung ,Medizinisches Versorgungszentrum' geht. Auch das Thema der Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt uns sehr am Herzen. Besonders am Standort Altenkirchen wird es im ambulanten Bereich Angebote geben", führte Bätzing-Lichtenthäler weiter aus.

Breite Akzeptanz wichtig
„Mir ist sehr wichtig, dass ein neuer Krankenhausstandort eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung sowie bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat. Nur so können ein neuer Standort und die Gesundheitsregion insgesamt erfolgreich sein. Deswegen bin ich dankbar, dass unser Vorschlag von allen respektiert wird. Ich erwarte von den kommunalen Verantwortlichen nun für die Verwirklichung des Neubaus einen Schulterschluss und damit ein Bekenntnis für die gemeinsame Region. Es geht um die gute und zukunftsfähige gesundheitliche Versorgung der Menschen, die nicht an Gemeindegrenzen haltmacht“, erklärte Bätzing-Lichtenthäler. Zudem werde die Zusammenlegung zweier Standorte zu einem medizinisch und wirtschaftlich zukunftsfähigen Krankenhaus Signalwirkung für die strukturelle Verbesserung der Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz insgesamt.

Prozess zügig vorantreiben
Das Gesundheitsministerium hatte auf Basis einer Expertise vorgeschlagen, dass der Krankenhausneubau bevorzugt in Hattert/Müschenbach entstehen soll. „Nun gilt es, den weiteren Prozess zügig voranzutreiben und in die konkrete Umsetzung zu kommen. Ich erwarte von den kommunalen Vertretern, dass zeitnah die in Zusammenhang mit dem Grundstück stehenden Modalitäten geklärt werden und vom Träger, dass er auf Basis der Verständigung mit dem Gesundheitsministerium ein Konzept und einen Zeitplan für die nächsten Schritte, insbesondere auch für die bauliche Planung, vorlegt. Wir stehen nach wie vor zu der Zusage, den Neubau finanziell zu fördern, sobald das entsprechende Konzept und die vom Träger noch zu erstellenden Unterlagen geprüft wurden“, betonte Bätzing-Lichtenthäler. Die Reaktionen auf das vom Krankenhausträger in Auftrag gegebene Gutachten zur Standortfrage hätten gezeigt, dass der favorisierte Standort in Hachenburg in großen Teilen der Bevölkerung – insbesondere in Altenkirchen – keine Akzeptanz finde. Die Expertise, die die Firma BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Frankfurt/Main im Auftrag des Ministeriums angefertigt hatte, kam zu dem Ergebnis, dass der „Standort 12 (Hattert/Müschenbach) der zu präferierende“ Standort sei. Ein wichtiger Punkt hierfür ist die Erreichbarkeit und die Attraktivität für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Erhöhung der Marktanteile zu Lasten anderer Krankenhäuser, die für andere Standorte sprechen könnte, sei dagegen für die Entscheidung aus versorgungspolitischer Sicht weniger relevant und spiele – gestützt auf die Ergebnisse der Expertise – aus dieser Perspektive bei der Standortentscheidung keine hervorgehobene Rolle.


2014 großer Aufschrei
Das Rein-in-die-Kartoffeln-Raus-aus-den-Kartoffeln-Spiel erstreckt sich nunmehr seit gut fünf Jahren. Bereits Mitte 2014 beauftragte die DRK-Trägergesellschaft das BAB mit der Analyse der beiden defizitär arbeitenden Krankenhäuser in Altenkirchen und Hachenburg. Schon damals wurde als Ergebnis eine Ein-Haus-Lösung vorgestellt, die das DRK wenige Wochen vor Weihnachten mit Bätzing-Lichtenthäler diskutierte, die ihr Amt im November erst angetreten hatte. Der Aufschrei ob des Vorschlags der Zusammenlegung der beiden Kliniken war immens. Von allen Seiten, dazu zählten lokale Politiker, Beschäftigte und Bevölkerung, hagelte es Kritik. Niemand konnte und wollte sich ein Hospital auf der "grünen Wiese" bei Kroppach (ein nie bestätigter möglicher Standort genau in der Mitte war fix gefunden) vorstellen. Zwischen dem DRK und dem Ministerium blieb es zunächst beim informellen Austausch, ohne dass, zumindest offiziell, weitere Treffen vereinbart wurden.

Ministerin zog Reißleine
Nach und nach schossen die Diskussionen über das Für und Wider der Gedankenspiele des möglichen Bauherren ins Kraut. So wurden sie unter anderem damit befeuert, dass, so das BAB-Gutachten, das Krankenhaus in Altenkirchen komplett geschlossen und Hachenburg mit den Abteilungen aus der Kreisstadt aufgestockt werden solle, wenn eine Konzentration an einem neutralen Standort nicht zum Tragen komme. Bätzing-Lichtenthäler selbst zog schließlich die Reißleine. Sie beendete das Pro und Contra einer Verschmelzung am 3. Februar 2015 mit der Aussage, dass weder Altenkirchen noch Hachenburg "dicht" machen müssen. Die Quittung: Große Erleichterung machte sich allerorten breit. Michael Lieber, Altenkirchens damaliger Landrat, bemerkte lapidar: "Das war höchste Zeit!". Jürgen Ecker, Kaufmännischer Direktor beider Kliniken, reagierte eher zurückhaltend. Für ihn war es nur eine Frage der Zeit, wann eine "Zwangsehe" als Thema erneut auf die Tagesordnung komme.

Spezialisierung vorangetrieben
Um die Attraktivität zu steigern (und damit das jährliche Minus zu verringern) verständigten sich Träger und Politik auf eine weitere Spezialisierung beider Häuser, wie sie gemeinsam am 9. Februar 2015 darlegten. So verfügt Hachenburg beispielsweise inzwischen über einen Linksherzkatheder-Messplatz, um Herzinfarktpatienten vor Ort behandeln zu können und ihnen lange Transportwege in benachbarte Kliniken zu ersparen. Die Kosten wurden damals mit rund einer Million Euro angegeben. Was Decker ausdrücklich betonte: Die Schließung des Standortes Altenkirchen und ein damit komplett verbundener Umzug nach Hachenburg habe nie zur Debatte gestanden. Rainer Kaul, Aufsichtsratsvorsitzender der DRK-Trägergesellschaft, formulierte seinerzeit diesen Wunsch: "Wir müssen auf eine schwarze Null kommen." Die DRK-Trägergesellschaft Süd-West ist nunmehr seit dem 1. Januar 2004 Betreiber beider Häuser. (hak)
Nachricht vom 08.12.2019 www.ww-kurier.de