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Westerburg erwarb wichtige Quellen zur Westerwälder Geschichte in Rennerod
Über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte war das Verhältnis zwischen den Westerwälder Orten Rennerod und Westerburg nicht gerade "harmonisch" zu nennen und die Bewohner der jeweils anderen Ortschaft schauten stets mit etwas Neid und Missgunst auf die neuesten Errungenschaften und die wachsende Bedeutung der anderen Gemeinde. Religiöse Gründe spielten in dieser "Abneigung" ursprünglich gewiss auch eine Rolle: Westerburg war früher eher protestantisch, Rennerod mehrheitlich römisch-katholisch geprägt.
Helmut R. Lang (links) und Rüdiger Klees mit den antiquarischen Dokumenten. Foto: privatRennerod / Westerburg. Die Zeiten haben sich grundlegend verändert und nur noch die älteren Bewohner beider Städte kennen diese alten Vorurteile noch aus ihrer Jugend. Umso erfreulicher ist es, dass im Jahre 2019 die Antiquare Marlies und Helmut R. Lang aus Rennerod mit ihren "Bücherschätzen" dem Stadtarchiv von Westerburg weiterhelfen konnten und eine Lücke im Bestand der früheren Kreisblätter auffüllen konnten.

Periodisch erscheinende Lokalblätter mit amtlichen Bekanntmachungen zählen zu den ältesten und damit zu den wichtigsten Quellen zur Erforschung des ländlichen Raumes. Sie geben den Historikern wichtige Einblicke in das alltägliche Leben der damaligen Bevölkerung: Holzversteigerungen, viehseuchenpolizeiliche Anordnungen, Erhebungen von Steuern, zum Beispiel der Vergnügungssteuer oder den Versammlungen von Umzügen unter freiem Himmel, Verkauf von Tabakwaren an Sonn- und Feiertagen oder der Winternothilfe mit den entsprechenden Aufrufen an die Bevölkerung des Oberwesterwaldkreises und nicht zuletzt der private und oft kuriose Anzeigenteil (zum Beispiel der Hausratverkauf infolge der geplanten Auswanderung nach Amerika oder die Suche nach einem entlaufenen gefleckten Mischlingshund mit einem halben Ohr) bilden einen wahren Fundus an Hinweisen auf die lokalen Lebenswelten in den Gemeinden des oberen und hohen Westerwaldes.

Solche informative Quellen in Form von mehreren vollständigen Bänden der "Kreisblätter des Kreises Westerburg" und des "Oberwesterwaldkreises" aus der Zeit von 1873 bis 1892 konnte das Stadtarchiv Westerburg durch Stadtarchivar Rüdiger Klees jetzt aus dem Bestand des Antiquariats Lang in Rennerod erwerben. Diese Erwerbung stellt nach den Worten von Rüdiger Klees eine wichtige Ergänzung des bestehenden Bestandes dar. Urkunden und Akten sowie Zeitungsausschnitte füllen bereits zahlreiche Ordner, die in den Schränken des Westerburger Stadtarchives sorgfältig aufgestellt und fachgerecht aufbewahrt werden und als Archivgut unter geeigneten klimatischen Bedingungen weiteren Generationen erhalten und öffentlich zugänglich bleiben.

Die Renneroder Antiquare bedauern zwar einerseits, dass diese historischen Publikationen nun nicht mehr in ihrer Heimatstadt vorhanden sind, freuen sich andererseits aber auch, dass durch den Erwerb dieses gut erhaltenen Zeitungskonvoluts die Sammlung in einer öffentlichen Institution zugänglich bleibt. "Das Stadtarchiv Westerburg ist in seiner Wahrnehmung vorbildlich und zeigt mit dieser Kooperation wie wichtig eine lokale Dokumentation vor Ort sein kann" meinten Marlies und Helmut R. Lang übereinstimmend. (PM)
Nachricht vom 04.12.2019 www.ww-kurier.de