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Neuer Krankenhaus-Standort: Das Gezerre geht weiter
Noch ist nichts entschieden, aber das Gezerre hinter den Kulissen schreitet Tag für Tag und immer härter werdend fort: Wo wird die neue DRK-Klinik Westerwald als Folge des Zusammenschlusses der beiden Hospitäler Altenkirchen und Hachenburg gebaut? Fest steht bislang nur: Egal, welcher Standort unter den Toplokalitäten das Rennen macht, der Westerwaldkreis wird weiterhin vier (Akut)Krankenhäuser auf seinem Territorium beherbergen, während der Kreis Altenkirchen eines verliert und künftig nur noch eines haben wird. Und: An einer Ein-Haus-Lösung führt wohl kein Weg vorbei.
Der Standort Altenkirchen hat in einigen Jahren ausgedient, der neue für die DRK-Westerwald-Klinik ist noch lange nicht fix. (Foto: hak)Altenkirchen. Es ist eine Paradebeispiel dafür, wie im Vorfeld einer Entscheidung die direkt oder indirekt Involvierten versuchen, ihre Claims abzustecken. Wo wird die neue Westerwald-Klinik gebaut als Nachfolger der DRK-Krankenhäuser Altenkirchen und Hachenburg? Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur die, die irgendwann einmal auf sie angewiesen sein werden. Nein, ganz zuvorderst steht die Politik, die darum kämpft, das Pendel näher nach Altenkirchen oder näher nach Hachenburg ausschlagen zu lassen. Interessant zu beobachten sein wird, wer in der SPD schließlich die Oberhand behält. Da ist zum einen die (offenbar noch für alle Lösungen offene) rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die die finale Entscheidung fällt. Sie hat im Genossen Hendrik Hering, MdL und Landtagspräsident aus Hachenburg, einen machtvollen "Mitspieler", der sich aus nahe liegendem Grund klar für den Standort 6 (vor den Toren von Hachenburg) positioniert hat. In welche Richtung Rainer Kaul, Präsident des DRK in Rheinland-Pfalz, Aufsichtsratsvorsitzender der DRK-Trägergesellschaft Süd-West und ehemaliger Landrat für die SPD im Kreis Neuwied, in Sachen "Bauplatz" tendiert, ist ein wenig unklar. Schließlich bildet SPD-MdL Heijo Höfer aus Altenkirchen die Gegenseite, weil er sich bereits deutlich für das Areal "Bahnhof Ingelbach" (Standort 11) ins Zeug gelegt hat.

Ministerium lässt selbst prüfen
Es ist beachtenswert, dass Bätzing-Lichtenthäler sich nicht einfach das Gutachten, das im Auftrag der DRK-Trägergesellschaft Süd-West vom Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB) aus Bremen erstellt wurde und das die in der engeren Wahl stehenden Standorte vergleicht sowie in einer Rangliste zusammengefasst hat, nicht zu eigen macht und auf diese Weise das Spiel entscheidet. "Insbesondere wird die Landesregierung prüfen lassen, ob die Annahmen und die Gewichtung der Kriterien nachvollziehbar sind", ließ das Ministerium verlauten. Wenigstens zwischen den Zeilen gibt es keinen Freifahrtschein für "Vor den Toren von Hachenburg". Eine Landesförderung könne es nur für ein Krankenhaus an einem gut erreichbaren und zukunftsfähigen Standort geben, tat Bätzing-Lichtenthäler weiterhin kund. Und das Land wird tief in die Tasche greifen müssen, aber "nicht über die regional notwendige Kapazität hinaus planen und fördern".

Höhe der Investitionen unklar
Womit wir beim lieben Geld wären. Nach ersten Schätzungen soll das neue Haus, in das die beiden Hospitäler Altenkirchen und Hachenburg aufgehen werden, zwischen 100 und 120 Millionen Euro kosten. Die Frage ist: Reicht dieser Betrag aus? Angesichts derzeit explodierender Kosten im Hoch- und Tiefbau könnte durchaus Nachbesserungsbedarf bestehen, zumal das letzte Gewerk möglicherweise erst im Jahr 2026 abgerechnet werden muss. Laut Erwin Rüddel (CDU), MdB und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, könnte der Träger selbst 25 Prozent stemmen müssen. Auf der anderen Seite sollte einmal an das Geld erinnert werden, das in den vergangenen Jahren in beide Kliniken investiert wurde. Die genaue Höhe blieben die DRK-Trägergesellschaft Süd-West und der kaufmännische Direktor beider Häuser, Jürgen Ecker, auf Anfrage des AK-Kuriers schuldig.

Bürgermeister Jüngerich überrascht
Dass sich der südliche Teil des Kreises Altenkirchen nicht unbedingt für einen Standort am Schnittpunkt von B 414/B 413 (vor den Toren von Hachenburg) erwärmen kann und lieber in der Nähe des Bahnhofes Ingelbach (Gemarkung Giesenhausen) das neue medizinische Zentrum sähe, liegt auf der Hand. Diese Auffassung wurde schon in mehreren Resolutionen dargelegt und mit Argumenten begründet. Was in diesen Tagen den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen, Fred Jüngerich, besonders erzürnt, ist der Inhalt einer Zusammenkunft. "Ich bin nicht bloß überrascht darüber, dass eine Info-Veranstaltung im Hachenburger Rathaus stattgefunden hat. Nein, in noch größeres Erstaunen versetzt es mich, dass in Hachenburg kommuniziert wird, eine ähnliche Info-Veranstaltung hätte man in Altenkirchen bereits gehabt. Außer an einen von einem Abgeordneten des Deutschen Bundestages organisierten und durchgeführten Abendtermin am 10. September im Hotel Glockenspitze kann ich mich an keine Info-Veranstaltung in Altenkirchen zu einem potentiellen Krankenhausstandort erinnern." (Anmerkung der Redaktion: BAB stellte sein Gutachten am 25. September vor). Darüber hinaus dürfe hinterfragt werden, warum, trotz der klaren Aussage des zuständigen Ministeriums, hinsichtlich des Standorts sei noch nichts entschieden, gleichwohl eine Info-Veranstaltung in Hachenburg zum Standort Nr. 6 bereits jetzt stattgefunden hat. "Solche verfrühten Aktivitäten, die vom Krankenhausträger vor der finalen Standortfindung noch unterstützt werden, tragen nicht zur Information der Bevölkerung, sondern vielmehr zu Irritationen bei."

Wirtschaftliche Konsequenzen
Jüngerich weitet die Sicht der (finanziellen) Dinge auf den "Verlierer" der Standortsuche aus: "Wesentlich bedeutsamer sind die negativen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Konsequenzen, die jene Stadt treffen, die gänzlich leer ausgeht." Auch diesen Aspekt müsse ein Ministerium, von dem der Krankenhausträger Maximalförderung erwartet, ins Kalkül ziehen. Schlussendlich könne das Erzielen von Marktanteilen nicht Zünglein an der Waage zur Standortwahl sein, "es geht um die öffentliche Aufgabe der gesundheitlichen Versorgung, also um Menschenleben, und nicht um Kaffee oder Edelmetall an der Börse!", betonte Jüngerich. Sandra Weeser, für die FDP im Bundestag, rückte ebenfalls eine hochwertige medizinische Versorgung in den Mittelpunkt aller Planung: „Krankenhäuser im ländlichen Raum mit weniger als 200 Betten stehen vor den gleichen Herausforderungen. Daher ist die Zusammenlegung eine Chance für unsere Region, ein leistungsstarkes medizinisches Zentrum, vorzugsweise als akademische Lehrkrankenhaus, im Westerwald zu etablieren, um so auch langfristig eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleisten zu können", betonte sie nach einem Gespräch im Altenkirchener DRK-Krankenhaus. (hak)
Nachricht vom 17.11.2019 www.ww-kurier.de