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Hilfe für krebskranken Jungen aus Moldawien
„Wir wollen Sichtbares und Nachvollziehbares für die Menschen tun, um die Liebe Gottes in unserem Leben deutlich zu machen. Es geht uns auch darum, als Christen ein Stück Weltverantwortung zu übernehmen“. Pfarrer Christof Schmidt aus Unnau sieht über den Gartenzaun seiner Kirchengemeinde hinweg. Und mit ihm seine Gemeinde, die seit vielen Jahren einen Kirchenverein unterhält, um Projekte zu finanzieren, die das übliche Budget nicht hergibt. Momentan hilft die Kirchengemeinde dem dreijährigen David aus Moldawien.
Der kleine David mit seinem Vater. Fotos: Christof SchmidtUnnau. Der Junge ist an einem bösartigen Hirntumor erkrankt. „Die Eltern waren in Moldawien in der Hauptstadt Chisinau beim Arzt und haben gesagt bekommen: „Machen Sie Ihrem Sohn noch ein paar schöne Tage. Wir können ihm nicht helfen“, erzählt Pfarrer Schmidt. Davids Großvater ist Pastor einer Baptistengemeinde und seit vielen Jahren mit Christof Schmidt befreundet. Seit fast 30 Jahren engagiert sich die Kirchengemeinde Unnau in wirtschaftlichen Krisengebieten. Zunächst im damaligen Jugoslawien, später in der Ukraine und jetzt in die Republik Moldau, wie Moldawien offiziell heißt. „Moldawien ist das Armenhaus Europas“, sagt Christof Schmidt, „hier hat zwar fast jeder Arbeit, aber es kann niemand davon leben.“

Deshalb unterstützt der Unnauer Kirchenverein mit Hilfe des moldawischen Pastors ein Projekt, bei dem den Menschen vor Ort Nutztiere wie Kühe, Ziegen oder Hühner zu Verfügung gestellt werden, mit deren Hilfe sie Nahrungsmittel für sich und andere herstellen können. „Lebensgeschichten werden völlig zum Guten verändert“, berichtet Pfarrer Schmidt, „indem Menschen Produkte, wie zum Beispiel die Kuhmilch, verarbeiten, selbst nutzen und verkaufen können.“

In der Kleinstadt Singerei und dem Dorf Rumanjewo ist die Kirchengemeinde Unnau zurzeit mit Hilfsprojekten aktiv. „Der Kirchenverein, der die Projekte trägt, steht auf drei Standbeinen“, erzählt Pfarrer Schmidt. Erstens unterhält die Kirchengemeinde einen Besuchsdienst in Unnau, das zweite Standbein ist die Jugendförderung, aus der Material für Freizeiten und die Kleinbusse, mit denen die Jugendlichen und ihre Betreuer in Jugendfreizeiten fahren können, finanziert werden. Drittens fließt Geld in die Osteuropahilfe. „Dahinter steckt die Idee, dass eine Gemeinde, der es so gut geht wie uns, ein ökumenisch-diakonisches Projekt braucht, um glaubhaft zu bleiben“, sagt Pfarrer Schmidt. Deshalb hilft die Gemeinde ganz konkret dem dreijährigen David und seiner Familie. Er ist der Enkel des befreundeten Pfarrers in Moldawien.

Die Diagnose bösartiger Hirntumor war Mitte Juni gestellt worden. Pfarrer Schmidt war gerade mit seiner Gemeinde auf Familienfreizeit in Schweden, als er davon hörte und lud die Familie nach Deutschland ein, um David eine Chance auf Genesung zu ermöglichen. Sofort machten sich die Eltern mit David und seiner wenige Monate alten Schwester auf den Weg und kamen auf dem Flughafen in Frankfurt an. „Noch in Schweden bekam ich vom Flughafen einen Anruf von einem dortigen Zollbeamten. Er sagte: Hier steht eine Familie aus Moldawien, die sagt, sie will zu Pfarrer Schmidt. Sind Sie das?“ berichtet Pfarrer Schmidt. „Durch den verständnisvollen Flughafenmitarbeiter durfte die Familie ohne große Formalitäten vorab einreisen und David konnte bereits am 10. Juli in Essen operiert werden, was bei seinem schnellwachsenden Tumor seine einzige Chance war.“

Große Hilfe erfährt die moldawische Familie auch durch die Unnauer Patenschaft, einer ehrenamtliche Hilfsorganisation, die krebs- und schwerstkranke Kinder im Westerwald unterstützt, und die Elterninitiative für leukämie- und tumorkranke Kinder Marburg. Nach der Entfernung des todbringenden Tumors stehen jetzt noch für sechs bis acht Monate Bestrahlungen und Chemotherapie in Marburg und Gießen an. Für die Therapiezeit wohnen die Eltern mit den Kindern in Marburg in einer Wohnung der Elterninitiative, sagt Pfarrer Schmidt. „Wir hoffen, dass der Aufenthalt der moldawischen Familie seitens der Ausländerbehörde für die komplette Dauer der Behandlung genehmigt werden kann.“

Wer David und seine Familie unterstützen möchte, kann auf ein Spendenkonto des Kirchenvereins Unnau e.V. oder der Unnauer Patenschaft einzahlen. (shg)
     
Nachricht vom 17.10.2019 www.ww-kurier.de