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Vortrag und Exkursion zum „Lebensraum Streuobst"
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden“. Dieser Meinung von Johann Wolfgang von Goethe schloss sich der Zweigverein Buchfinkenland im Westerwald-Verein an und lud in Kooperation mit der Masgeik-Stiftung mit Sitz in Molsberg zu einer zweiteiligen Veranstaltung zum Thema „Lebensraum Streuobst“ ein. Das doppelte Fazit der Veranstalter nach Vortrag und Ex-kursion: Will man auf den Westerwälder Wiesen gutes Obst haben, macht das richtig Arbeit. Und mangelnde Pflege und Klimawandel machen immer mehr Obstbäumen den Garaus.
Naturschutzreferent Philipp Schiefenhövel (2. v .l.) erläutert, weshalb dieser Obst-baum in so einem schlechten Zustand ist. Foto: Uli Schmidt Buchfinkenland. Im Gasthaus zum Grünen Baum“ in Horbach konnte Manfred Henkes als Vorsitzender des örtlichen Westerwald-Vereins am frühen Sonntagmorgen eine stattliche Zahl von Obst- und Naturfreunden begrüßen. „Schon Karl der Große förderte mit einer Landgüterverordnung den Obstbau“, stellte Naturschutzreferent Philipp Schiefenhövel von der Masgeik-Stiftung zum Beginn seines Vortrags zu der artenreichen Obst-Kulturlandschaft fest. Danach erfuhren die Teilnehmer, wie die heutigen etwa 3.500 europäischen Streuobstsorten entstanden.

Die verschiedenen Epochen des Streuobstanbaus mit der Blütezeit im 19 Jahrhundert und den Rückgängen seit Mitte des 20 Jahrhunderts wurden thematisiert. In zahlreichen Fotos von Tieren, Pflanzen und Obstsorten wurde die enorme Artenvielfalt der Streuobstwiesen demonstriert. Weiter ging der Referent auf die verschiedenen Knospenformen von Obstgehölzen sowie deren Kronenformen ein. An mitgebrachten Zweigen von Apfel, Birne, Zwetschge, Walnuss, Mirabelle und Co konnten alle raten, um welche Streuobstart es sich jeweils handelt.

Nach dem theoretischen „Streuobst-Frühschoppen“ führte ein kurzer Spaziergang auf eine immer wieder um neue Bäume ergänzte alte Streuobstwiese am Horbacher Waldrand. Auf den ersten Blick war dort erkennbar, dass viele Bäume in keinem guten Zustand sind. „Leider übersteht ein Großteil der Neuanpflanzungen die ersten fünf Jahre nicht“, so Schiefenhövel. An Beispielen zeigte er, welche Schäden Mäuse, Wassermangel, Misteln oder der Einsatz großer landwirtschaftlicher Maschinen anrichten. Alle bedauerten, dass es im Buchfinkenland fast keinen Obstbaum mehr ohne Mistelbefall gibt. Wird dieser Baumparasit nicht vollständig und immer wieder entfernt, führt dies früher oder später zum Absterben des Baumes.

Thematisiert wurden auch die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels, der in Form von braunen Nadelbäumen allerorts sichtbar ist. „Wenn es bei uns im südlichen Westerwald immer wärmer wird, sollten wir künftig mehr Kiwi oder Wein anbauen“, meinte eine Teilnehmerin.

Natürlich durfte bei so eine Obstexkursion auch das fachgerechte Schneiden der Bäume nicht fehlen. Durch die aktive Beteiligung aller Teilnehmer konnten eine Menge praktischer Tipps und viele interessante Informationen rund um den Obstbaumschnitt gesammelt und mit nach Hause in den eigenen Garten genommen werden. Da durfte auch der Hinweis nicht fehlen, dass es wohl in jedem Westerwalddorf eine eigene Philosophie dazu gibt, wie ein Obstbaum fachgerecht zu schneiden ist. Die sommerlichen Temperaturen und ein schöner Blick in die Hügel des Buchfinkenlandes rundeten drei informative Stunden ab. (Uli Schmidt)
Nachricht vom 11.09.2019 www.ww-kurier.de