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Mittelaltermarkt in Montabaur - Von Beutelschneider, Mäuseroulette und Spielleuten
„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, so sagte es der Arzt, Dichter und Philosoph Friedrich Schiller. Was am Wochenende (22./23. Juni) auf dem Mittelalter Markt in Montabaur rund um die Kirche St. Peter in Ketten geboten wurde, war ein feines, kurzweiliges „Spielen“ rund um das Leben im Mittelalter, wie es denn gewesen sein könnte.
Der Mittelaltermarkt in Montabaur zog viele Fans und Besucher an. Fotos: SZMontabaur. Am Wochenende (22./23. Juni) zog der Mittelaltermarkt in Montabaur Mittelalterfans in authentischem Gewand, wie Besucher in gleichem Maß an. „Eigentlich sollte es Samstag erst um 12 Uhr losgehen, aber bereits kurz nach 11 Uhr kamen schon die ersten Schau-Lustigen“, so Veranstalter Carolan Lieb von Lorraine Mediévale (www.lorraine-medievale.de). Er setzt nun mit seinem Team die gute Tradition fort, nachdem der Verein Mittelalter Leben e.V. die Organisation an die Stadt abgegeben hatte. Am Samstagmittag waren dann die fahrenden Musikanten mit Sackpfeife (Dudelsack) und Davul (mittelalterlicher Trommel) vom „Duo Obscurum“ schon von weitem zu hören. Ein Metmacher lädt zu süßem Honigwein ein, Kinder staunen über das Mäuserroulette, in dem tatsächlich eine echte Maus die Hauptrolle spielt, andere amüsieren sich beim traditionellen Eierknacken und drehen erwartungsvoll am Glücksrad.

Im Schatten der großen alten Bäume sitzt ein „Buchmaler“ und lässt uns an der Kunst der mittelalterlichen Buchmalerei teilhaben. Sein Standnachbar erklärt wie Farben im Mittelalter hergestellt wurden. Es sind Mitglieder der KennemerKunstGilde um Wim de Goede für Buchmalerei und Baukunst aus den Niederlanden. Sie zeigen zudem eindrucksvoll wie mittelalterliche Architekturzeichnungen entstanden sind. Siegelgraveur Joop Hoevenaar aus Belgien präsentiert die Kunst des Siegleschnitzens. Ein Augenschmaus und echte Highlights des Marktes.

In einem gemütlichen Zelt sitzt die Märchenerzählerin Stella Monte inmitten einer kleinen Kinderschar, die gebannt einer unglaublichen Geschichte lauscht. Dazu erklingt sanfte Lautenmusik von Heinrich, der Saitenspinner. Über der Stadtmauer richten zwei Ritter ihre Rüstung her, wenig später eilt einer einem „Dieb“ hinterher. Während „Der Beutelschneider“ alias Maggie Tilp, die von Beruf Sattlerin ist und in ihrer Freizeit auf Mittelaltermärkten seit mehr als 10 Jahren handgefertigte historische Gürteltaschen anbietet, die letzten Nähte einer kleinen zylinderförmigen Nadel- und Wollbox schließt. Sie gehört wie viele andere Mittelalterfans zu denen, die eine große Hingabe zum Umgang oder -um in unseren eingangs gewählten Bild zu bleiben- zum „Spiel“ mit den historischen Gegenständen entwickelt haben und sich damit bestens auskennen. Die historischen Vorlagen der Gürteltaschen z.B. hat sie sich im Royal Armouries-Museum in Leeds/ England besorgt. Wir erfahren, dass die Taschen gefärbt, zurechtgeschnitten und punziert (mit Mustern versehen) werden. Verstaut wurden darin zum Beispiel: Ersatzbogensehen und Wachs. Denn auch mit dem Bogenschießen, das man an ihrem Stand ausprobieren kann, kennt sie sich aus.

Es gibt Schupfnudeln von Harald Welker, die mit einem „Goldtaler“ bezahlt werden können und feine bretonische Crêpes und Gallettes aus köstlichem Original Buchweizenteig, die Julien Cremante von Comptoir Breton aus Belgien auftischt.

Der Veranstalter Carolan Lieb und sein Team, die in diesem Jahr den Mittelaltermarkt in Montabaur zum ersten Mal ausrichtet, hat mit der Auswahl authentischer und internationaler Marktteilnehmer voll ins Schwarze getroffen. „Die Besucher wollen „entstresst“ werden und eine besondere Atmosphäre genießen, so beschreibt Lieb den „Fluchtpunkt Mittelaltermarkt“. „Authentizität, Qualität und Erlebnis sind gefragt“, meint Carolan Lieb, der in diesem Jahr seit 20 Jahren in dem Metier „Mittelaltermarkt und Themenfeste“ zuhause ist. Nur etwas „Eigenes und Echtes“, das sei das Elixier, das einem Mittelaltermarkt anhaltende Besucherzahlen beschwert, wissen auch Heike und Klaus Schulz, die sich als langjährige Mittelalterbegeisterte sich seit 2015 aktiv im Verein Aktionsring Braunfels für das Mittelalter-Markttreiben engagieren. „So kann man einen schönes entschleunigtes Wochenende erleben, wonach sich meiner Meinung nach viele Leute sehnen“, sagt Heike Schulz, die ein langes caramelfarbenes Gewandt mit ausgewählter Halskette und Beuteltasche trägt. Und die Verantwortlichen der Stadt Montabaur, namentlich Herr Krämer und Frau Schmidt, „spielten“ so gut mit, lobt Lieb, denn sorgsam hätte man die Zeugen der Gegenwart wie etwa Hinweisschilder und entbehrliche Mülleimer mit Jutestoff umwickelt, um eine perfekte Kulisse zu erschaffen. Der Höhepunkt sei eindeutig das Feuerwerk am Samstagabend, verrät Lieb. Dieses entpuppt sich als Feuershow in Form einer charmant erzählten feurige Liebesgeschichte des Duos Flamme e fabulee aus Berlin, seit 15 Jahren ein herausragendes Paar in der einschlägigen Szene.

Carolan Lieb hat 2019 einen vollen Terminkalender und ist meist an 19 Wochenenden im Jahr auf Mittelalter-Tour durch die Republik. Die Stadt Montabaur soll sich für diesen anspruchsvollen Markt im Zwei- Jahresrhythmus entscheiden haben. Das ist in den Augen der Betrachterin eine hervorragende Wahl.

Die beiden nächsten Märkte von Carolan Lieb finden am 29./30. Juni 2019 auf Burg Ulmen und am 20./21. Juli 2019 im Schloss Hadamar statt. (SZ)
       
       
Nachricht vom 22.06.2019 www.ww-kurier.de