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Kultur
Musik zur Sterbestunde
In ihrem 20. Gründungsjahr lud die Dekanatskantorei Montabaur – sie ist der Kammerchor des Evangelischen Dekanates Westerwald – traditionell zur „Musik zur Sterbestunde“ an Karfreitag in die Evangelische Lutherkirche in der Wäller Kreisstadt ein.
Die Dekanatskantorei Montabaur lud traditionell zur „Musik zur Sterbestunde“ ein. Foto: Dr. Dirk SchawallerMontabaur. Gemeinsam mit der Cappella Taboris – dem Vokalensemble des Evangelischen Dekanates Westerwald – und den Musikerinnen des Orchesters gestalteten die Sängerinnen und Sänger ein weiteres Kantatenkonzert unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller, das sich mit dem Passionsgeschehen musikalisch wie textlich auseinandersetzt.

„Meinen Jesum lass ich nicht“ – mit dieser Zeile eines bekannten Kirchenliedes charakterisiert der A-Musiker die theologisch-inhaltliche Ausrichtung des Karfreitagskonzertes, das mit der Kantate „Herr, wenn ich nur dich habe“ von Friedrich Wilhelm Zachow (1663 - 1712) für Soli, Chor, Streicher und Basso continuo eröffnet wurde. In dieser sehr polyphonen Komposition verlangt Zachow in vielfacher Hinsicht erfahrene Sängerinnen und Sänger, die die lebendige Musik adäquat umzusetzen vermögen.

Ihr folgte die archaisch anmutende Aria „Jesu, meines Lebens Leben“, eine Chaconne aus der Komponistenwerkstatt des norddeutschen Tonschöpfers Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) für solistisch besetzten Sopran, Alt, Tenor, Bass, Streicher, Blockflöten und Basso continuo. Angelika Wies (Sopran), Monika Schlößer (Alt), Hildegard Sthamer (Tenor) und Ingo Jungbluth (Bass) zeigten sich dabei von großer Stimmkultur mit deutlichem Artikulationsvermögen und kammermusikalischer Dialogfähigkeit.

Über einem gleichbleibenden Bass entfaltet Buxtehude einen variationsreichen Chorsatz, den die Cappella sicher und souverän sang. Mit den zwei Motetten „Halt, was du hast“ und „Herr, du lässest mich erfahren“ für jeweils achtstimmigen Doppelchor und Basso continuo von Johann Michael Bach (1648 - 1694) begaben sich Dekanatskantorei und Cappella in ein prächtiges klangliches Zwiegespräch, bei dem Monika Bathon als zuverlässige Codirigentin wirkte. Beide Ensembles sangen sich alternierend und – als große Steigerung – gemeinsam bei hoher rhythmischer und intonatorischer Sicherheit die frühbarocke Musik zu.

Dazu bildete die sehr kammermusikalisch-filigrane Kantate „Jesu, meine Freude“ für Soli, Streicher und Basso continuo des Lübecker Komponisten Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) einen bewussten Gegensatz. Im Orchester wirkten als bereits mehrfach bewährte Musikerinnen Cornelia Heppner (Violine I), Marie Hesse (Violine II), Sophie Jungbluth (Viola da braccia I), Anne-Rose Selbach (Viola da braccia II), Anneke Jung (Violoncello), Gudula Marxsen (Kontrabass), Andrea Scheugenpflug (Blockflöte I), Lydia Neumann (Blockflöte II) und Susanne Schawaller (Orgel).

Die Instrumentalistinnen wussten ebenso solistisch-präsent wie begleitend zu musizieren und waren von rhythmischen Souveränität und bester Intonation geprägt. Abgeschlossen wurde die Karfreitagsmusik mit einer weiteren Komposition von Friedrich Wilhelm Zachow, des Lehrers von Georg Friedrich Händel: mit der Kantate „Siehe, ich bin bei euch“ für Soli, Chor, Streicher, Blockflöten und Basso continuo wagten die Ausführenden bereits einen kleinen Blick über Jesu Tod hinaus zu seiner österlichen Auferstehung. Anstelle eines Applauses erhoben sich die Zuhörerinnen und Zuhörer des Karfreitagskonzertes andachtsvoll schweigend und dankten so allen Aktiven für die ergreifende Musik zur Sterbestunde.

Nachricht vom 20.04.2019 www.ww-kurier.de