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Wirtschaft
Niedrige Arbeitslosigkeit und mobile Menschen prägen Region
Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefstand; aktuell beträgt die Quote 2,9 Prozent. Die Beschäftigung hat ein Rekordniveau erreicht. Zugleich bleibt der Bezirk der Agentur für Arbeit Montabaur mit den beiden Landkreisen Westerwald und Rhein-Lahn eine Auspendlerregion. Die neueste Beschäftigten- und Pendlerstatistik, die vom 30. Juni 2018 datiert, zeigt Schwerpunkte und Strömungen auf.
Montabaur. 127.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wohnen im Agenturbezirk, und 100.700 Männer und Frauen haben hier ihren Job. Während 28.000 Personen zur Arbeit einpendeln, verlassen 54.100 das Terrain, weil sie außerhalb tätig sind. Der so genannte Pendlersaldo liegt also bei 26.100 zu Gunsten der „Grenzgänger“; die Einpendlerquote beträgt 28 Prozent, die Auspendlerquote jedoch 43 Prozent.

Elmar Wagner, Leiter der Agentur für Arbeit Montabaur, erkennt darin gewachsene Strukturen: „Die Menschen in der Region sind mobil und gewohnt, oft viele Kilometer zur Arbeitsstelle zu fahren. Wir gelten als klassische Auspendlerregion, in der die Nachfrage nach Jobs größer ist als das Angebot. Aber diese Schere beginnt sich zu schließen.“ Vor allem der demografische Wandel und die anhaltend gute Wirtschaftslage führen dazu, dass heimische Unternehmen in vielen Branchen qualifizierte Mitarbeiter suchen - und oft nur mit Mühe finden. „Dieser Herausforderung gilt es mit vereinten Kräften begegnen“, sagt der Agenturchef.

Gelungenes Beispiel für die zukunftsorientierte Netzwerkarbeit ist die Initiative Fachkräftegewinnung mit dem Internetportal www.fachkraefte-regional.de. Hier können Unternehmen ihr Profil und ihre Stellen kostenlos veröffentlichen. Die Agentur für Arbeit und die Wirtschaftsförderungsgesellschaften Westerwald und Rhein-Lahn finanzieren diesen Auftritt; als weitere Aktionspartner kommen die beiden Landkreise, die Kreishandwerkerschaften Rhein-Westerwald und Rhein-Lahn, der DGB Koblenz, der Handelsverband Mittelrhein-Rheinhessen-Pfalz sowie die großen Kammern IHK und HwK Koblenz hinzu.

„Viele Arbeitnehmer leben mit ihren Familien gerne in unserer Region, die einen hohen Wohn- und Freizeitwert hat“, erklärt Elmar Wagner. „Dafür nehmen sie oft lange Fahrstrecken zum Job in Kauf. Aber es lohnt sich zunehmend, auch in der näheren Umgebung nach Angeboten zu schauen. Wer einen Arbeitsplatz quasi vor der Haustür findet, spart Zeit und Wege – und gewinnt Lebensqualität.“

Wagner lenkt den Blick auf die beiden Landkreise: „Jeder hat seine eigene Ausprägung und seine bevorzugten Einzugsgebiete. Aufschlussreicher als die Gesamt-schau des Bezirks ist es deshalb, den Westerwald- und den Rhein-Lahn-Kreis getrennt zu betrachten.“

Im Westerwaldkreis leben 80.200 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte; da-von pendeln 32.850 aus (Quote: 41 Prozent). 5.430 steuern die Stadt Koblenz an, 4.400 den Kreis Limburg-Weilburg und 3.600 den Kreis Altenkirchen. Arbeitsplätze gibt es für 68.600 Menschen – darunter pendeln 21.200 ein (Quote: 31 Prozent). Die meisten kommen aus den Kreisen Altenkirchen (3.400), Neuwied (2.900) und Rhein-Lahn (2.400).

46.600 Männer und Frauen mit sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverträgen wohnen im Rhein-Lahn-Kreis. 25.800 überschreiten die Kreisgrenze; die Auspendlerquote ist mit 55 Prozent höher als im Westerwaldkreis. 32.100 Personen kommen in den Rhein-Lahn-Kreis, um hier einer sozial abgesicherten Tätigkeit nachzugehen. Die Mehrzahl lebt in Limburg/Weilburg (2.270 Personen), im Westerwaldkreis (2.200 Personen) und Koblenz (1.540 Personen)

Trotz geringerer Bevölkerungszahl ist der Strom nach Koblenz mit 5.840 Personen deutlich stärker als bei den Nachbarn im Agenturbezirk Montabaur. Die Kreisstadt an Rhein und Mosel bietet als Mittelzentrum ein breites Spektrum an Stellen – an-gefangen von Behörden über die Industrie bis hin zum Dienstleistungssektor. Platz 2 bei den Auspendlern aus dem Rhein-Lahn-Kreis nimmt Limburg-Weilburg ein – dorthin fahren mit 4.650 Arbeitnehmern etwa ebenso viele wie aus dem Westerwald, von wo aus die Wege weiter sind. Dritter in der Rangliste ist der Rheingau-Taunus-Kreis; ihn steuern von Rhein und Lahn aus 2.400 Berufstätige an.

Die Pendlerströme kommentiert der Agenturleiter so: „Es ist plausibel, dass die stärksten Bewegungen in die direkte Nachbarschaft gehen. Rhein-Lahn- und Westerwaldkreis, die unmittelbar aneinanderstoßen, tauchen allerdings im gegenseitigen Vergleich der Auspendler jeweils nur auf Platz vier beziehungsweise sechs auf. Attraktiv für beide ist Frankfurt - ein Ballungsgebiet und Jobmotor. Hier hat der Westerwaldkreis durch die ICE-Trasse und den Bahnhof Montabaur profitiert. Interessant ist aber auch der starke Strom aus dem Westerwaldkreis nach Nordrhein-Westfalen, sprich in den Raum Siegen-Wittgenstein.
Nachricht vom 16.04.2019 www.ww-kurier.de