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Nachricht vom 26.01.2019
Kultur
Michael Altinger: Lichtgestalt oder Höllenfürst?
Kabarett am Gelbach ist ein Markenzeichen für qualitativ hochwertiges Kabarett. Das bewies der Veranstalter, die Kleinkunstbühne Mons Tabor am Samstagabend (26. Januar) in Montabaur-Ettersdorf mit dem skurrilen „Schlachthof“-Moderator Michael Altinger und seiner Ein-Mann-Band Martin Julius Faber. Nach Meinung des Organisators Ulli Schmidt darf Kabarett „alles, nur nicht den Mund halten“. An diese Devise hält sich Altinger und tut das auf äußerst vergnügliche Art. Und das Beste: Für die Vorstellung am Sonntagnachmittag um 17 Uhr sind noch einige Restkarten zu haben.
Michael Altinger. Fotos: Helmi Tischler-VenterMontabaur-Ettersdorf. Mit der Begrüßung „Schön dass ich da bin“, stellte Altinger die Verhältnisse klar. Er spielte den Auftakt einer Kabarett-Trilogie mit dem Titel „Hell“. Denn er trägt den Namen eines Erzengels und verfügt dementsprechend über eine unerschütterliche Wahrheitsliebe und Moral, ist edel, hilfreich und gut. Auch ein Autounfall durch Einparken „female Style“ kann seine moralischen Pfeiler nicht erschüttern. Oder doch? Denn „hell“ bedeutet nicht nur Licht, sondern auch „Hölle“. Aus der Spannweite dieses Verdikts ergeben sich zwangsläufig tragische Entwicklungen, die Altinger zu einem überraschenden Ende weitertreibt.

Eine Weltverschwörung beeinflusst unser Leben, ist sich der Kabarettist sicher, ganze 16 Personen sorgen dafür, dass man ständig auf sein Handy gucken muss, seinen Hintern nach oben zieht - denn „die Ärsche der Welt müssen nach oben“ -, Stand-up Paddeling betreibt, Yoga auf dem Surfbrett ausübt, mit Skistöcken durch den Wald stakst, grünen Smoothie schluckt, in Themenhotels eincheckt, mit Glasschiebetür vor der Toilette hadert, Gabionen um seinen Garten baut, keine Glühbirne mehr eindrehen kann und ständig getrieben ist von Ängsten. Es gibt keinen Zufall!

Der Bayer Altinger redet für seine Verhältnisse fast schon nördlich, Richtung Hannover, sein charmant bajuwarisches Hochdeutsch umfasst noch den Imperativ. Immer in Konfliktfällen tritt die korrekte Vergangenheitsform zutage, aber „die erste Vergangenheit ist noch nutzloser als jede Gabione“. Mit geistreichen Texten, Schauspieltalent und intensiver Körpersprache fesselt der enrgiegeladene Künstler das Publikum. In seiner ausufernden verwickelten Geschichte kommt er immer wieder auf den Kern der Sache zurück: Gott und Moral. Der Erzengel-Namensträger glaubt an Gott, „aber a bissel hätt er mir schon helfen können beim Einparken, denn es heißt doch: Der Mensch fährt, aber Gott lenkt. Nur von der Einparkhilfe hat er keine Ahnung.“

„Mich dünkt, ich brauch ein Lied“, ist immer wieder der Einsatzimpuls für die Ein-Mann-Band. Es macht auch Spaß, dem Mann beim Singen zuzuhören, obwohl er nicht wirklich singen kann. Die Lieder, von Martin Julius Faber auf der Gitarre, Schlagzeug und Keyboard begleitet, sind besonders und besonders hintersinnig. Die Themen absolut vielfältig: Zum Beispiel „Dein Papa“, „Es gibt Momente“, „Ich habe gute Ärzte“, „Aperol-Spritz-Tussi“, aber auch ein völlig sinnfreies „Lied für zwischendurch“. Sogar Kants „Kategorischen Imperativ“ sang der Künstler den Zuhörern vor.

Der Erfinder Helmut Lux wird zum Grillen einen speziellen Kartoffelsalat mitbringen, aber das ist Thema des zweiten Teils des Programms, auf das sich Kabarettfans schon freuen können. Als Zugabe sang Michael Altinger: „Manchmal ist es wichtig, dass man öfter amol a Gaudi hot“. Gaudi hatte das Ettersdorfer Publikum zu Genüge, bevor es nach spannend-lustig-skurrilen zwei Stunden mit einem „Heimfahr-Gedicht“ nach Hause entlassen wurde.

Die nächste Veranstaltung der Kleinkunstbühne Mons Tabor ist die beliebte „Westerwälder Kabarettnacht“ am 15. und 16. März in Oberelbert mit Fatih Cevikkollu, Philip Simon und der Gruppe „Gankino Circus“. Der Kartenvorverkauf läuft wieder nur an einem Tag, dem 16. Februar gleichzeitig von 10 bis 11 Uhr in Montabaur (Bürgerhalle im Rathaus) und Oberelbert (Stelzenbachhalle). htv
       
       
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