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Neue Höchstenbacher Pfarrerin hat den Westerwald ins Herz geschlossen
Elisabeth Huhn hat den schönsten Job der Welt. Zumindest glaubt das Pröpstin Annegret Puttkammer, als sie die junge Frau als neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Höchstenbach begrüßt. Vielleicht hat Annegret Puttkammer recht. Denn als Pfarrerin warten viele „ehrliche und echte“ Beziehungen auf Elisabeth Huhn, sagt die Pröpstin. Ehrlich und echt. Das passt zu Elisabeth Huhn, die nun in einem Gottesdienst in der uralten Kirche in der Ortsmitte eingeführt worden ist.
Die neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Höchstenbach, Elisabeth Huhn, predigt während ihres Ordinationsgottesdienstes. Fotos: Peter BongardHöchstenbach. Viele Gäste kamen, um die Ordination der 30-Jährigen zu erleben. In dem kleinen, feinen Gotteshaus erlebten sie eine Pfarrerin, die in ihrer ersten Predigt tatsächlich erfrischend ehrlich über sich selbst und ihren eigenen Glauben spricht. Es geht um die Reise der Weisen aus dem Morgenland und wie sie dem Stern in Richtung Christuskind folgen. Für die Pfarrerin hat der Stern auch heute noch Bedeutung – als Symbol für Gottes Führung im Alltag. „Auch wenn ich sein Licht nicht immer klar erkennen kann: Ich gehe unter diesem Stern. Denn er ist nicht weg. Ich verliere ihn nur manchmal aus dem Blick. Bis mich Gott mit einem kleinen Schubser wieder auf den Weg bringt.“

Ein Weg, der Elisabeth Huhn nun in den Westerwald geführt hat. Auch wenn sie vor einigen Jahren noch keine Ahnung hatte, wo dieses Fleckchen Erde liegt. „Ich bin in einem kleinen Ort bei Leipzig aufgewachsen und habe in Jena, Straßburg und Leipzig studiert. Während meiner ersten, sechsstündigen Zugfahrt in den Westerwald dachte ich nur: ,Wo kommst Du denn hierhin?’“

Doch die Sorge legt sich schnell: Elisabeth Huhn gefallen Land und Leute, und das Klischee des Wäller Basaltkopps stimmt schon mal gar nicht, meint sie: „Ganz im Gegenteil: Die Menschen haben mich total offen und freundlich empfangen. Und da dachte ich mir: Wenn’s hier schon so schön ist, kann ich auch bleiben. Außerdem komme ich aus einer Bierbrauer- und Schnapsbrennerfamilie. Der Westerwald ist mir also auch in diesem Punkt näher als beispielsweise Rheinhessen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Letzten Endes glaubt sie aber, dass Gott es war, der ihr den entscheidenden Schubser in Richtung Westerwald gegeben hat. Denn die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) – die Landeskirche unserer Region – hat sich nach Kräften um die junge Pfarrerin bemüht. „Ich habe in meiner Ausbildung bei der EKHN eine ganz große Wertschätzung erfahren, und auch mein Vikariat in Hachenburg war eine wertvolle Zeit für mich“, sagt Elisabeth Huhn.

Diese Wertschätzung möchte sie nun an die Menschen in ihrer neuen Gemeinde weitergeben. Künftig ist sie mit einer halben Stelle in Höchstenbach und mit der anderen Hälfte zur Unterstützung in den umliegenden Gemeinden tätig. „Gemeinde kommt von Gemeinschaft. Ich mag es nicht, wenn der Pfarrer seinen Schäfchen sagt, wie es zu laufen hat. Ich will mit offenen Ohren und offenem Herzen Pfarrerin sein und möchte wissen, was die Leute bewegt“, findet sie. Eine Einstellung, die zu ihrem persönlichen Gottesbild passt. „Ich sehe es wie Luther: Es kommt nicht darauf an, was wir schaffen oder leisten. Gott ist gnädig und liebt uns mit unseren Schwächen – nicht nur, wenn wir stark sind.“

Also: Hat Elisabeth Huhn nun den schönsten Job der Welt? Hier, im Westerwald mit dessen offenen Leuten und der langen Brautradition? „Ich glaube: ja! In meinem Beruf ist kein Tag wie jeder andere“, sagt sie. „Und es gibt kaum eine andere Arbeit, in der einem so viel Vertrauen entgegengebracht wird. Ich wünsche mir, dass ich den Menschen etwas von diesem Vertrauen zurückgeben kann.“ (bon)
     
Nachricht vom 08.01.2019 www.ww-kurier.de