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Senioren und Kinder machen zeitlos-schöne Musik
Es gibt Lieder, die altern einfach nicht. „La, Le, Lu“ ist so eines. Oder „Jetzt fahr’n wir übern See“. Oder „Bruder Jakob“. Das Schöne an diesen Weisen ist, dass sie wohl jeder kennt und jeder gerne singt – ganz gleich, wie alt er oder sie ist. Auch die Kantorin des Evangelischen Dekanats Westerwald schätzt die alten Melodien: Eva Maria Mombrei hat einen generationenübergreifenden Kreis ins Leben gerufen, in dem Senioren und Kindergartenkinder im Westerburger Gertrud-Bucher-Haus einmal im Quartal gemeinsam singen.
Generationensingen in Westerburg. Foto: Peter BongardWesterburg. Heute tummeln sich 30 Erwachsene und ein Dutzend Kinder der Evangelischen Kindertagesstätte Westerburg im Aufenthaltsraum des Seniorenzentrums, und Eva Maria Mombrei beginnt den Nachmittag mit „Froh zu sein bedarf es wenig“. Sicherlich keine hochanspruchsvolle Chorliteratur, aber die wäre hier auch fehl am Platze, sagt die Kantorin: „Viele der Senioren, mit denen ich singe, sind dement. Aber die Musik und die Texte erreichen ganz tiefliegende Erinnerungen – selbst bei Menschen, die über Sprache schon lange nicht mehr erreichbar sind. Sobald ich die alten Stücke anstimme, singen sie mit.“

Dabei ist die Kirchenmusikerin jedes Mal erstaunt, über welch riesigen Fundus die Sängerinnen und Sänger haben. „Viele kennen über Hundert Stücke auswendig – ob’s nun Volks- oder Schlaflieder sind.“ Mit Kinderliedern hatte Eva Maria Mombrei anfangs freilich Schwierigkeiten, da sie die Senioren nicht „verkindlichen“ wollte. Aber auch diese Stücke haben keine Altersgrenze. „Niemand sagt, dass nur Jungs oder Mädchen ,Hänsel und Gretel’ singen dürfen“, findet Eva Maria Mombrei, und die Erfahrung gibt ihr recht: Nach dem Singen wirken die alten Menschen entspannt und zufrieden. „Man merkt, dass es ihnen besser geht“, beobachtet die Kantorin und glaubt, dass das nicht nur am Gesang, sondern auch an den schönen Erinnerungen liegt, die durch die Musik geweckt werden. Als sie das Lied von den „fleißigen Waschfrauen“ ankündigt, erzählt eine ältere Dame spontan, wie anno dazumal die Wäsche gewaschen wurde. Für die Kinder klingen solche Geschichten vom Trog und Waschbrett vielleicht fremd. Aber auch sie kommen während des Stücks auf ihre Kosten. Denn jede der Bewegung der „Waschfrauen“ wird mit Händen und Füßen nachgeahmt – und sowohl die Älteren als auch die ganz Jungen machen mit.

Nach einer Dreiviertelstunde ist das Singen vorbei. Die Sängerinnen und Sänger haben die gemeinsame Zeit genossen – zum Beispiel eine Seniorin, die lange im Gesangverein aktiv war. „Ich singe alles gerne, manchmal sogar die zweite Stimme nach Gehör.“ Singen ist eben keine Frage des Alters – und schon gar nicht aus der Mode gekommen. Denn schöne Musik ist zeitlos. (bon)
Nachricht vom 15.11.2018 www.ww-kurier.de