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Kirchenführung in Willmenrod: Zu Besuch beim lieben Gott
Für Kirchenführerin Bettina Kaiser aus Kölbingen ist der Aufenthalt in einer Kirche „Wellness für die Seele“. „Ich möchte den Kirchenraum und seine Ausstattung unabhängig davon erfahrbar und erlebbar machen, deutlich machen, warum gibt es die Kirche, warum sehen die Einrichtungsgegenstände so aus, wie sie aussehen", sagt sie. In Willmenrod war Bettina Kaiser nun mit einer Führung zum ersten Mal zu Gast.
Bettina Kaiser im Gespräch mit Teilnehmern der Kirchenführung in Willmenrod. (Foto: Evangelisches Dekanat Westerwald)Willmenrod. „Wellness für die Seele“ nennt Bettina Kaiser aus Kölbingen den Aufenthalt in einer Kirche. Die ausgebildete Kirchenführerin macht Menschen den Kirchenraum außerhalb offizieller Veranstaltungen zugänglich. „Viele Menschen gehen zum Gottesdienst nicht mehr in die Kirchen hinein, weil sie da eine Hemmschwelle haben“, sagt sie. „Ich möchte den Kirchenraum und seine Ausstattung unabhängig davon erfahrbar und erlebbar machen, deutlich machen, warum gibt es die Kirche, warum sehen die Einrichtungsgegenstände so aus, wie sie aussehen.“ Dafür hat Bettina Kaiser eine eineinhalbjährige Ausbildung in der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Kirchenführerin gemacht.

Die Ausbildung umfasst die Epochen der Kunstgeschichte, Kirchengeschichte und ihre Bedeutung für den Kirchenbau, Verständnis von Kirchenraum und Ausstattung, Theologische Grundfragen sowie Didaktik und Methodik kirchenpädagogischer Führungen. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie zahlreiche evangelische und katholische Kirchen besucht, so zum Beispiel in Marienstatt, Neuwied, Altenkirchen, Linz oder Hachenburg. In Willmenrod war Bettina Kaiser nun mit einer Führung zum ersten Mal zu Gast.

Den rund 20 Teilnehmern brachte sie mit Hilfe kleiner interaktiver Aktionsspiele die allgemeinen Prinzipalstücke, die in allen Kirchen stehen, wie Altar, Kanzel und Taufschale sowie die Besonderheiten in Willmenrod nahe. Bereits im 11. Jahrhundert entstand der im Kern heute noch erhaltene Steinturm, nachdem vermutlich schon zwischen 900 und 1000 n. Chr. eine Holzkapelle an gleicher Stelle vorhanden war. Das Kirchenschiff wurde mehrfach erweitert und schließlich im 19. Jahrhundert im, für den Westerwald ungewöhnlichen, neuromanischen Baustil neu aufgebaut. Die Kirche verfügt über eine Denkmalorgel aus dem Jahre 1886 von Orgelbauer Gustav Raßmann.

Bemerkenswert ist neben dem großen Fenster im Chorraum, das Christus als Weltenherrscher abbildet, auch die Kanzel aus Eichenholz, die auf Tafeln die Reformatoren Calvin, Zwingli, Luther und Melanchton zeigt und daran erinnert, dass in dieser Kirche evangelisch gepredigt werden soll. Die Kirchenführungen sind für Bettina Kaiser nach eigener Aussage eine Herzensangelegenheit. “In einem Kirchraum ist man immer bei Gott zu Gast“, sagt sie und bietet die Führungen daher kostenfrei an. In der evangelischen Westerburger Schlosskirche führt Bettina Kaiser regelmäßig interessierte Gruppen zu religionspädagogischen, meditativen oder historischen Themen durch die Kirche. Auch Führungen im Dunkeln oder Führungen für Schüler- oder Konfirmandengruppen hat sie schon geleitet. Die nächsten Termine in der Westerburger Schlosskirche sind eine Führung zur Reichspogromnacht am 9. November und eine Adventsführung am 1. Dezember. (PM)
Nachricht vom 19.09.2018 www.ww-kurier.de