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Über Schönheitsideale und Körperwahrnehmung diskutiert
Was ist schön? Und wer bestimmt das eigentlich? Die Frauen-Union (FU) aus den Kreisen Altenkirchen und Westerwald ging den Fragen auf den Grund und lud ein zur weltweit erfolgreichen Dokumentation „Embrace – Du bist schön" ins Hachenburger Kino Cinexx. Im Anschluss diskutierte Fotografin und Curvy-Model Silvana Denker mit den Gästen. Sie ist unter anderem Begründerin der „BodyLove"-Kampagne, mit der sie sich seit 2015 für mehr Selbstliebe einsetzt. Dabei fotografiert sie normale Menschen in Unterwäsche in europäischen Fußgängerzonen.
Diskutierten über Schönheitsideale und Körperwahrnehmung: (von links) Alexandra Hess (FU Westerwald), Fotografin und Curvy-Model Silvana Denker und Jessica Weller (FU Altenkirchen)Hachenburg. Körpernormen und Schönheitsideale haben einen großen Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden. Über 40 Prozent der Mädchen und fast so viele Jungen sind mit ihrem Körper nicht zufrieden und machen schon sehr früh Erfahrungen mit Diäten. Vor allem viele Frauen lernen früh, ihren Körper zu hassen und entwickeln Esstörungen, Depressionen oder andere psychische Krankheiten, weil sie denken, einem irrealen Schönheitsbild entsprechen zu müssen. Diesem Thema hatten sich die Frauen-Union-Kreisverbände (FU)Altenkirchen und Westerwald in einer gemeinsamen Veranstaltung zum Thema „Schönheitsideal 2018 – Was ist schön und wer bestimmt was schön ist?" im Kino Cinexx in Hachenburg angenommen.

Der Gegenentwurf: „Embrace!"
Dort wurde nach einer Begrüßung durch die Vorsitzenden Jessica Weller (Altenkirchen) und Alexandra Hess (Westerwald) und einem kleinen Sektempfang der Film „Embrace – Du bist schön" gezeigt. In der weltweit erfolgreichen Dokumentation begibt sich die australische Fotografin Taryn Brumfitt auf eine Reise um den Globus, um herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper nicht so mögen, wie er ist. Sie trifft auf Frauen, die ihre eigenen Erfahrungen mit Body-Shaming und Körperwahrnehmung haben. Medien, Werbung und Gesellschaft geben ein Körperbild vor, nach dem vor allem Frauen und Mädchen sich selbst und andere immer wieder bewerten und verurteilen. Taryn Brumfitt wollte das nicht mehr hinnehmen. Mit ihrem Dokumentarfilm möchte Brumfitt allen, die unter vermeintlichen Schönheitsidealen leiden, einen Gegenentwurf vorstellen: „Embrace (umarme)".

Die „BodyLove-Kampagne“
Im Anschluss an den Film berichtete Fotografin und Curvy-Model Silvana Denker aus Hövels in der Verbandsgemeinde Wissen von ihrer „BodyLove-Kampagne“. Mit dieser setzt sie sich seit 2015 für mehr Selbstliebe ein. Dabei fotografiert sie normale Menschen in Unterwäsche an öffentlichen Plätzen wie dem Times Square in New York oder am Eiffelturm in Paris. Die inspirierenden Aufnahmen sollen zeigen, wie schön Vielfalt sein kann und dass die meisten Menschen eben nicht der Norm entsprechen. Einige Abzüge hatte sie mit nach Hachenburg gebracht. Dass sie selbst Frieden mit ihrem Körper schließen konnte, war ein langer Weg, wie sie in der von Jessica Weller und Alexandra Hess moderierten Gesprächsrunde offen erzählte. „Mobbing in der Schule, Essstörungen, Selbstverletzung – das habe ich alles hinter mir. Ich hab schon Kleidergröße 52 getragen und dann wieder viel Gewicht verloren. Als ich so viel zugenommen hatte, hab ich mich teils nicht mehr vor die Tür getraut." Obwohl „BodyLove“ und „Embrace“ nahezu zeitgleich entstanden sind, haben die Projekte nichts miteinander zu tun, aber viel gemeinsam und vermitteln beide eine grundlegende Botschaft: „Liebe deinen Körper, wie er ist – und hab Spaß am Leben.“(PM)

Nachricht vom 31.05.2018 www.ww-kurier.de