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Wirtschaft
Brückenbaustelle Betzdorf: Einzelhandel schlägt Alarm
Der Betzdorfer Einzelhandel schlägt Alarm: Die derzeitigen Umleitungen wegen der Brückenbaustelle der L 288 sorgen für mehr Verwirrung als dass sie PKW-Fahrern den Weg nach Betzdorf weisen. Die Aktionsgemeinschaft Betzdorf beklagt drastische Einbußen ihrer Mitglieder in den ersten Baustellenwochen. Bei einem Pressegespräch in Steineroth machten deren Vertreter deutlich, dass sich ganz schnell etwas ändern muss.
Es könnte so einfach sein: Die Vertreter der Betzdorfer Aktionsgemeinschaft schlagen ein Schild vor, das ganz deutlich beschreibt, das die Innenstadt auf direktem Weg per PKW erreichbar ist. (Foto: GW) Betzdorf. Unpassender könnte der Slogan „An Betzdorf geht kein Weg vorbei“ im Moment wirklich nicht sein. Um es auf den Punkt zu bringen: „Die Stadt Betzdorf ist im gesamten Westerwald nicht mehr existent!“ Auf diese Problematik und noch viel mehr machten erzürnte Betzdorfer Einzelhänder von der Aktionsgemeinschaft Betzdorf (AG) am Freitagmorgen (18. Mai) während eines Pressegesprächs aufmerksam. Durch die Vollsperrung der Steinerother Straße anlässlich der Brückensanierung der Landesstraße L 288 sind die Einzelhändler, die massiv unter der Baustelle leiden, in eine geradezu dramatische Situation geraten. „Mich macht die Gesamtsituation sprachlos“, so die Vorsitzende der Betzdorfer AG, Elisabeth Kreimer (Stein- und Gartenpark). „Ich hatte anfangs mit 30 bis –bis 50 Prozent Einbußen gerechnet, aktuell bin ich bei 70 Prozent weniger Umsatz, und das in meiner Hauptverkaufszeit.“

Handel klagt über Umsatzeinbußen
„Wir hatten bereits viele Gespräche mit den Kollegen, die sich alle beklagen, dass die Käuferfrequenz massiv zurückgegangen ist“, so Christoph Burghaus (Modehaus Burghaus). „Die Vergleichszahlen unserer Branche zeigten in der letzten Woche ein Umsatzplus von 7 Prozent, wir dagegen hatten ein Minus von 30 Prozent, das heißt die Differenz zu den Kollegen beträgt rund 40 Prozent. Damit kommen wir auf Dauer natürlich nicht klar, eine solche Umsatzentwicklung kann schnell die Existenz kosten“. Der eine oder andere Einzelhändler könne die Baustellenzeit bestimmt nicht überstehen. Schließlich habe der Einzelhandel es insgesamt extrem schwer, die Warenströme haben sich Richtung Online verlagert. Es sei schwer, Leute nach Betzdorf zu ziehen, so Burghaus. Er habe es sich schon dramatisch vorgestellt, aber so einen massiven Zusammenbruch, das habe er nicht erwartet.

Jetzt schöpfen die Händler neue Hoffnung, es scheint etwas in Rollen zu kommen. Landrat Michael Lieber unterstützt ihr Anliegen und hat zugesagt, diesbezüglich den Landesbetrieb Mobilität (LBM) telefonisch zu kontaktieren. Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler hat sich schriftlich an den Verkehrsminister gewandt, mit der Bitte sich dafür einzusetzen, dass an der Situation etwas geändert beziehungsweise diese angepasst wird.

Umleitungen verwirren PKW-Fahrer
Auf den Umleitungsschildern ist Betzdorf ausgestrichen, und dies bereits ab Kirburg, was den Eindruck erweckt, ganz besonders sei gesperrt. Dabei betrifft die Sperrung, auch ab Steineroth, nur den LKW-Verkehr. Eine Umleitung ist ausgeschildert über Luckenbach, Gebhardshain, Wissen. In Elkenroth auf der L 288 wird nach Betzdorf in Richtung Hachenburg umgeleitet. Viele PKW-Fahrer, die sich auf trotzdem auf den Weg Richtung Steinerother Straße machen, drehen spätestens an der Ausschilderung in Steineroth: „Durchfahrt verboten – Anlieger frei bis Baustelle“ heißt es dort. Dabei verläuft die Fahrt nach Betzdorf staufrei wie selten. Das Verbot ist ausschließlich für LKW gedacht, was aber gerade Fremde nicht wissen. Christoph Burghaus schildert die Erfahrungen eines Gebhardshainer Kunden, der sich nicht traute durchzufahren, kreuz und quer durch den Westerwald fuhr und endlich angekommen gegenüber Burghaus resümierte: „Hätte ich das geahnt, wäre ich direkt nach Hachenburg gefahren“.

Elisabeth Kreimers Kundschaft aus dem Siegerland hatte aus anderer Richtung kommend ebenfalls Probleme. Am Ortseingang von Betzdorf zeigt kein Schild die Fahrstrecke in Richtung Gebhardshain oder Hachenburg an. „Die Kunden haben in einem Umkreis von 50 Kilometer versucht, zu mir zu kommen. Das machen die maximal einmal, dann bleiben sie weg. Das spricht sich natürlich rum. Würde die Umleitungssituation richtig beschildert, würde eine ganze Menge an Stress rausgenommen. Unser Ziel ist, dass wir den LBM dazu bringen, auf unsere Einwände einzugehen. Wir haben in der Bürgersprechstunde in der Stadthalle schon klargemacht, dass wir nicht möchten, dass der Verkehr großräumig um Betzdorf herumgeführt wird. Die derzeitige Problematik ist so nicht tragbar“. Dabei würde der kurze Hinweis auf den Schildern „Für LWK ist Betzdorf nicht erreichbar“ absolut genügend, sind sich alle einig. Auch die Navi-Betreiber müssten die Systeme entsprechend ändern. Ebenso fehlt die Beschilderung bezüglich Rückführung auf die Steinerother Straße, ohne die es gerade Ortsfremden schwerfällt, wieder die richtige Straße zu finden.

Beschilderung muss geändert werden
Erklärtes Ziel der Aktionsgemeinschaft ist es nun, dass Betzdorf vom Westerwald aus auf den Schildern wieder ganz normal erkennbar ist und nicht durchgestrichen ist, mit dem Hinweis, dass die Durchfahrt für LKW verboten ist. Genauso wichtig ist die Ausschilderung in Wallmenroth und Scheuerfeld bezüglich Rückweg über die Steinerother Straße in Richtung Westerwald.

Die zurzeit deutlich höhere Belastung der Wilhelmstraße in Betzdorf, wodurch es immer wieder zum Rückstau kommt, ist ebenfalls ein Problem. Deshalb regen die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft noch einmal an, während der Bauphase die Abkröpfung der Schützenstraße außer Kraft zu setzen. „Es ist uns schon klar, dass wir damit nicht allen Anwohnern einen Gefallen tun“, so Christoph Burghaus. „Es handelt sich um eine überschaubare Zeit, und wenn man dazu beitragen kann, Betzdorf als Stadt am Leben zu erhalten, so hoffen wir auf ein Einsehen. Die Anwohner in den Umleitungsstraßen müssen ja derzeit auch einiges aushalten“. Bettina Stern (Ausdauer-Shop) ist selbst Anwohnerin der Schützenstraße. Trotzdem befürwortet sie die Abkröpfung, da der Verkehr um Vielfaches entzerrt würde. „Das muss gemeinschaftlich getragen werden. Die Brücke muss gemacht werden, da geht kein Weg dran vorbei“, ergänzt Elisabeth Kreimer. „Jetzt muss schnell etwas passieren, Kundenströme verlagern sich heute auch schnell. Da ein Gespräch mit dem LBM erst kommenden Donnerstag stattfindet, verlieren wir praktisch einen ganzen Monat, das kostet uns Tausende. Wenn wir es auf Betzdorf hochrechnen, werden Zehntausende Euro von den Betzdorfer Einzelhändlern wegverlagert“, so Burghaus.

Wenn nichts geschieht, wird es dunkel in Betzdorf
Zwei Wochen Bauzeit, zwei Wochen Erfahrung, die zeigen, dass schnelle Änderungen nötig sind. Christoph Weller (MISTRAL! Marketing) brachte es noch einmal auf den Punkt:“ „An Betzdorf führt jetzt jeder Weg vorbei.“ Christoph Burghaus betonte, wie wichtig es ist Städte mit funktionierendem Einzelhandel und Treffpunkten zu haben. „Ansonsten geht die Gewerbesteuer nach unten, weil keine Umsätze realisiert werden, das ist alles eine Folgeerscheinung und am Ende ein herber Rückschlag für die Gemeinschaft in Betzdorf und für die Stadt selbst“. „Ein halbes Jahr Umsatzeinbrüche, dann wird es dunkel in Betzdorf“, so Michael Pagnia. Es bleibt zu hoffen, dass ein anberaumter Gesprächstermin am 24. Mai mit Vertretern des LBM und der Aktionsgemeinschaft im Rathaus für eine schnelle Lösung der Probleme sorgt. (GW)
 
Nachricht vom 17.05.2018 www.ww-kurier.de