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Nachricht vom 16.03.2018
Kultur
Überraschung und Flaschmob bei westerwälder Kabarettnacht
Die westerwälder Kabarettnacht feiert ihr 25-jähriges Jubiläum in Oberelbert gleich an drei Tagen, nachdem die würdige Eröffnungsfeier mit dem Kabarettisten Reiner Kröhnert in Montabaur bereits stattgefunden hat.
BlöZinger. Fotos: Helmi Tischler-VenterOberelbert. Nur wenige „Neulinge“ befanden sich in der traditionell ausverkauften Stelzenbachhalle am Freitagabend, 16. März. So blieb das Publikum im Vertrauen auf den hohen Qualitätsstandard der Kleinkunstbühne Mons Tabor ganz gelassen, als deren Sprecher Ulli Schmidt verkündete, dass der angekündigte Kabarettist Matthias Tretter erkrankt sei und für ihn kurzfristig „BlöZinger“ eingesprungen seien. Das österreichische Duo bietet Kabarett und Clownerie, doch der Name hat nichts mit Blödsinn zu tun, sondern ist aus den Nachnamen „Blöchl“ und „Penzinger“ zusammengesetzt. Seit 2004 spielten die beiden Schauspieler sechs mit Auszeichnungen bedachte Programme mit viel Ironie und Sarkasmus. Aus der Not geboren, erlebten die Oberelberter Kabarettfans eine Vorpremiere des siebten Programms, das erst im nächsten Jahr Premiere haben wird.

Auf der Suche nach einem Titel für das neue Programm – „ausverkauft“? „abgefuckt“? -, kamen die Alpenländler auch auf Politik zu sprechen und zu der Erkenntnis: „Die Tröge bleiben die gleichen, nur die Schweine ändern sich.“ Schließlich setzten sich die beiden Künstler ins „Still-Abteil“, weil man da in Ruhe nachdenken kann. Beim Kampf um die besten Fensterplätze zeigten BlöZinger mit Gestik und Augenrollen ihr schauspielerisches Können. Herrlich witzig und skurril strapazierten die Dialoge als eineiige Embryonen im Mutterleib die Lachmuskeln. „Du musst einfach die richtigen Fragen stellen.“ – „Wieso heißt das eigentlich Fruchtwasser? Siehst du hier irgendwo Obst schwimmen?“ Die ungleichen Brüder duellierten sich typisch geschwisterlich vom ersten Moment an bis zur Drohung: „Einmal noch – und eineiig stimmt in jeder Beziehung!“

In einer weiteren Szene gehen zwei Männer in den Wald, um am Lagerfeuer ihre beendeten Beziehungen aufzuarbeiten und die Verflossenen los zu lassen. Wobei „Fremdgehen“ eine Definitionsfrage ist, wenn die meisten Frauen gar nicht so fremd waren. Fotos, ausgedruckte E-Mails und Dessous in Übergröße landen im knisternden Feuer.

Sehr lustig stellten sich die Satiriker ein Programm im Altenheim vor, wenn der Lieblingszivi sich die Arbeit mit einem Joint versüßt und Frau Gruber Viagra an Mitbewohner verteilt. Mario konstatiert: „Das Schwierigste ist, dass du ihnen nach der gemeinsamen Morgentoilette die richtigen Zähne wiedergibst.“ Da beruhigt doch ein Lied am Klavier in Erinnerung an früher: „Die Nutten von gegenüber…“ und „Der Tod macht blau“.

Zwei Clowns mit roten Nasen wollen auf einer Parkbank sitzend die Menschen verzaubern. Pantomimik mit Geräuschen – vom surrenden Insekt bis zum bellenden Hund – demonstrierte die Vielseitigkeit der Österreicher. Doch bei der Autofahrt in einem alten Auto mit Kassettendeck hätten die Künstler auf den Yogi und die Tante mit Tourette-Syndrom verzichten können, Fahrer und Beifahrer sowie die Kaugummilösung boten ausreichend Komik. Nach dem heftigen Applaus gaben BlöZinger das Kompliment an das Publikum zurück: „Sie haben uns wirklich verdient.“

„GlasBlasSing“, die Boy-Group, die bereits bei Folk & Fools die Zuhörer begeisterte, kam mit ihrem neuen Programm „Flaschmob“ und neuen Instrumenten-Kreationen sowie eigenen kreativen Namen für diese nach Oberelbert: Cokecaster-Flaschengitarre und Flachmanninoff-Xylophon, Jelzin-Orgel oder die großen Wasserspender-Floor-Toms, alles Pfandflaschen upcycled, ergaben erstaunliche Allround-Musikinstrumente mit faszinierender Klangqualität. Das Motto der vier Ost-Berliner lautet: Keine Macht den Dosen. Flaschmob macht glücklich! Was die Oma alles schon wusste, kulminiert in dem Lied vom Sellerie und dem russischen Volkslied vom Hausierer.

Da wurde mit dem „perfekten Daumen“ geploppt, mit Flaschen oder Kopf auf Wasserspender gehauen, mit reisgefüllten Flaschen gerasselt und Luftmusik gemacht. Bierflaschen wurden durch Schlucken gestimmt, bevor auf ihnen geblasen, gestrichen und geschlagen wurde und die leeren Kästen als Percussion-Instrumente dienten. Eine Plastik-Flasche mit Loch, Saite und Drehverschluss ergab – ein Tipp eines Koblenzer Konzertbesuchers – eine erstaunlich echt klingende E-Gitarre und der Wasserspender-Bass erzeugte jazzige tiefe Töne. Drucksprühflaschen erzeugten Zischgeräusche. Zusammen mit virtuosem Gesang und musikalischer Präzision bildete die grandiose Bühnenshow einen Genuss, sodass das Publikum sich gern pfeifend, klopfend und klatschend beteiligte.

Als Zugabe boten „GlasBlasSing“ das erste jemals auf Flaschen gespielte Lied mit Originalflaschen mit Percussion-Teil, Solo, zweistimmig und a capella. „Don’t worry, be happy!“, befanden am Schluss auch die begeisterten Zuschauer.

Am Samstag und Sonntag können die Kabarettfreunde die genialen Flaschenmusiker in Oberelbert noch einmal genießen und sich außerdem samstags auf Stefan Waghubinger und sonntags auf Reiner Krönert freuen. htv
       
     
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