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Leidenschaft für klassische Oldtimer
Dem Erhalt edler Fahrzeuge haben sich zahlreiche Liebhaber verschrieben. So manches Schätzchen wird aus einem Dornröschenschlaf wieder zu neuem Leben erweckt. Ausdauer und Akribie sind dabei erforderliche Eigenschaften. Belohnung der vielen Arbeit ist ein sanftes Motorschnurren.
Fotos: Reinhard PanthelRegion. Alle Fahrzeuge, die älter sind als dreißig Jahre, sich in einem verkehrstüchtigen und fahrbereiten Zustand befinden, gelten als anerkannte Oldtimer. Auch der Gesetzgeber unterstützt den Erhalt klassischer Fahrzeuge durch eine Steuerermäßigung bei der Wiederinbetriebnahme. Aber das allein ist nicht der Grund für eine aufwendige Restauration eines Liebhaberfahrzeugs. Ganz gleich, ob es um einen Kleinwagen aus der Serie von Nachkriegsfahrzeugen oder dem Wiederaufbau eines klassischen Sportwagens geht, für eine Restauration in eigener Regie benötigt man technisches Verständnis, viel Zeit, Geduld und auch genügend finanziellen Spielraum.

Rassige Sportwagen in der Oldtimerszene stammen entweder aus Italien oder aus England. Die deutschen Autobauer – mit Ausnahme von Porsche - haben sich leider nur mit schönen und ebenfalls klassischen Cabriolets ein Denkmal gesetzt. Wer aber mal einen italienischen Ferrari oder Maserati brummen hörte, der kann sich dann als Alternative nur noch einen Oldtimer von der britischen Insel vorstellen. Da gibt es eigentlich auch nur zwei besonders beliebte Marken: Jaguar und Austin Healey.

Der Kurier-Reporter durfte mal einen Blick in eine private Garage werfen, in der solche Schätzchen zurzeit restauriert werden. In Arbeit befindet sich ein Austin Healey Mark III BJ 8. Ein Sechszylinder aus dem Jahr 1965 mit 150 PS, der es immerhin auf fast 200 Stundenkilometer Geschwindigkeit brachte. Ohne Servolenkung, dafür aber mit Overdrive. Ein Chauffeur, der sich dann auf Geschwindigkeit statt auf beschauliches Dahingleiten konzentriert, der spürt nach spätestens einer Stunde Fahrzeit am eigenen Körper was Leistung heißt.

Der 59-jährige Thomas ist zurzeit in jeder freien Minute in der Garage aktiv und will in Ruhe arbeiten. Deshalb möchte er auch anonym bleiben und verständlicher Weise nicht durch fachliche Fragen und Bitten anderer Freaks nach Ersatzteilen aus eigenem Bestand gestört werden. Thomas ist eher ein ruhiger Typ, der aber durch Wissen und Können überzeugt. Man möchte sogar behaupten, dass er als gelernter meisterlicher Maschinenbauer jede einzelne Schraube und jedes Teil sofort erkennt und zuordnen kann.

Es gibt Oldtimer-Liebhaber, die eine Restauration schnell beenden wollen, um dann „auf die Piste“ zu kommen. Fehler erst in der Praxis erkennen, erneut schrauben und dann das gleiche Spiel von vorne. Thomas ist anders und als Perfektionist das genaue Gegenteil. Er hat genügend Geduld und nimmt sich die nötige Zeit um ein entdecktes Schätzchen sowie benötigte Ersatzteile zu suchen, komplett auseinander zu nehmen und dann erst wieder nach detaillierter Überarbeitung aller Aggregate und sauberer Lackierung wieder zusammen zu bauen. Wenn er den Zündschlüssel dreht, dann brummt es auch und er kann zur Probefahrt antreten.

In den jungen Jahren war Thomas auf vielen Motocross-Strecken anzutreffen, wobei es auch zu zahlreichen Meisterehren kam. Ein sportlicher Mensch ist er bis heute geblieben. Als wir ihn besuchten, kam er gerade zurück von einer Langlaufloipe, die letzten Schneephasen nutzend. Danach ging es wieder sofort in seine Garage, wo noch eine Menge Arbeit auf ihn wartet. Nach der Fertigstellung des 65er Austin Healey BJ 8 in diesem Jahr hat er ein neues Projekt im Visier: Einen legendären Jaguar E-Typ 4,2 Liter mit 265 PS aus dem Baujahr 1964.

Auch dieses Schätzchen wird er später nur bei schönem Wetter zu Ausfahrten nutzen und große Oldtimer-Treffen meiden. Je edler noble Oldtimer sind, desto größer ist die Gefahr für Beschädigungen und Diebstahl. Darüber sind alle Besitzer von gepflegten Oldtimern traurig, die mit enormem Aufwand ihre Schätzchen aus dem Dornröschenschlaf erweckten und dann fürchten müssen, dass es Neider und Diebe gibt, die das alles zerstören können. Repa
       
     
Nachricht vom 17.02.2018 www.ww-kurier.de