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Politik
Gold für Staudt und Merkelbach
Der Landesentscheid 2017 im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist entschieden. Die interdisziplinär besetzten Jurys von jeweils fünf Personen in der Haupt- und Sonderklasse haben nach einer eingehenden Begutachtung vor Ort die diesjährigen Sieger im Landeswettbewerb ermittelt. Gold gab es für Staudt in der Hauptklasse und für Merkelbach in der Sonderklasse.
Merkelbach. Archivfoto WW-KurierStaudt/Merkelbach. „Mit Hilfe der Dorferneuerung haben sich die Ortsgemeinden Gedanken um die Zukunft ihres Dorfes gemacht. Sie haben sich den aktuellen Herausforderungen die im Zusammenhang mit den demographischen und allgemeinen strukturellen Veränderungen stehen mit Engagement und Erfolg gestellt“, urteilte Minister Lewentz.

Die Begründungen der Jury: Die Ortsgemeinde Staudt ist für eine Gemeinde dieser Größe infrastrukturell gut aufgestellt (Kindertagesstätte, Kulturzentrum Ortsmitte, Bäcker, Metzger, Ärzte). Wichtige Einrichtungen liegen zentral und gut erreichbar im Ort. Im Rahmen der Dorferneuerung wird die Entwicklung Staudts nachhaltig gesteuert. Die Projekte des Dorferneuerungskonzeptes werden stetig umgesetzt, weitere Projekte sind bereits in Planung. Diese vorbildliche strategische Vorgehensweise bei der Ortsentwicklung, wurde im Vorfeld durch eine fachlich durchgeführte Spielleitplanung und Dorfmoderation gefördert. Als positive Elemente wurden aufgelistet: „Denkpfosten“ für Projektideen, die zukünftig umgesetzt werden sollen, die Arbeitsgruppen aus der Dorfmoderation, keine Leerstände, Innenentwicklung als wesentliches Thema, Gewerbegebiet mit daraus resultierenden Steuereinnahmen, dauerhafte Bürgerbeteiligung, das Engagement der Einwohner und die konzeptionelle Herangehensweise bei Zukunftsprojekten, Einbindung aller Generationen, sehr aktive Jugendarbeit, Förderkreise für den Energiepark, Boulebahn oder Kita, Vereine mit vielen Mitgliedern. Die Nähe zu Montabaur mit ICE-Anschluss ließ die Gemeinde Staudt neue Wege in der Ortsgestaltung gehen und mutige neue Schritte in der Architektur wagen. Sehr gelungene Beispiele hierfür sind das Kulturzentrum in der Ortsmitte unter Einbeziehung der historischen Kirche, die moderne Kindertagesstätte sowie architektonisch gelungene Gewerbebetriebe inmitten der alten Bausubstanz, auch die weiterhin geplanten Projekte gehen in diese Richtung, wie der „Aktivpark Erbsengarten“, verschiedene touristische Aktivitäten oder auch Generationen-Projekte zur Stärkung der Dorfgemeinschaft. Ein absoluter Hingucker sind die üppigen Blumenwiesen. Das Dorf geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet vorbildlich auf „Steingärten“ auf gemeindeeigenen Flächen. Staudt ist umgeben von einem Mosaik aus Wald, Streuobst und Grünland, welches durch Beweidung gesichert wird. Die Streuobstwiesenstruktur wird kontinuierlich erweitert und gepflegt. Die Umwandlung von Fichtenmonokultur in Laubmischwald ist in vollem Gange. Eine gelungene Verknüpfung von Forst-, Wander- und landwirtschaftlichen Wegen macht diese schöne Kulturlandschaft erlebbar.

Obwohl sich in Merkelbach, nicht zuletzt bedingt durch dessen verkehrsgünstige Lage und die gute Einbindung in das großräumige ÖPNV-Netz, ein rascher Strukturwandel vom einstigen Bauerndorf in ein reines Wohndorf vollzogen hat, ist im alten Ortskern die historisch sehr wertvolle und ortsbildprägende Bausubstanz erhalten geblieben. Im Zuge des Dorferneuerungsprozesses und den fachgerechten Umbauten einer ganzen Reihe historischer Gebäude in der Ortsmitte, verbunden mit neuer Freiflächengestaltung, ist funktional und gestalterisch ein attraktiver Dorfmittelpunkt geschaffen worden. Einige Kleinbetriebe bieten Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort. Hierzu gehören auch ein Gastronomiebetrieb und der Dorfladen mit einem Grundsortiment für den täglichen Bedarf sowie das Seniorenwohnprojekt „Marjanns Haus“. Dadurch, dass mit dem Kabelfernsehen bereits eine nutzbare Glasfaserleitungsinfrastruktur vorhanden war, verfügen die meisten Haushalte in Merkelbach derzeit schon über einen Breitbandanschluss mit einer Leistung von bis zu 300Mbit/s im Downloadbereich. Durch die günstigen Standortfaktoren war in der kleinen Ortsgemeinde Merkelbach in den letzten drei Jahren ein Einwohnerzuwachs zu verzeichnen war. Positiv schlugen auch zu Buche: Das vielfältige Angebot für alle Generationen und das große bürgerschaftliche Engagement in allen Bereichen, der besonders gelungene Dorfplatz – ein Ort der Begegnung- mit seinem Gemeinschaftsgarten, seiner liebevoll gestalteten Bücherstube und der Umnutzung der ehemaligen Schule als Gemeinschaftsraum und Treffpunkt, die gute Integrationsarbeit von zahlreichen Asylbewerbern in den Spielbetrieb des Fußballvereins, das Gemeindehaus, eine Bücherei mit Lesegarten, ein Gemeindegarten, ein großer Dorfplatz mit einem weiteren Begegnungshaus mit Tischtennisraum und Teeküche sowie ein Backes. Alle Gebäude wirken besonders gepflegt und im Detail ansprechend ausgestaltet. Bürgerschaftliches Engagement ist spürbar. Eine Seniorengruppe arbeitet kontinuierlich am Erhalt und der Pflege der gemeindlichen Einrichtungen. Ein herausragendes Erscheinungsbild bietet der Blühsteifen/Blühwiese im Unterwuchs der Linden und der Obstbaumallee Richtung Hachenburg. Der Ort ist durch Hecken und vorgelagerte Gärten, welche teilweise noch Bauerngarten- Charakter aufweisen, hervorragend mit der umgebenden Landschaft verzahnt. Alleen aus Linden und Obstbäumen ragen als Grünzüge weit in den Ort hinein. Der „Verein für Naturschutz und Dorfgemeinschaft“ bewirtschaftet vorbildlich die gut gepflegten Streuobstwiesen. Feuchte Wiesen nördlich der Ortslage werden durch extensive Beweidung genutzt und damit als wertvoller Landschaftsbestandteil dauerhaft erhalten. (PM)

Nachricht vom 15.09.2017 www.ww-kurier.de