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„Wäller Tour Bärenkopp“ – neuer Wanderweg
Am Samstag, den 9. Mai wurde die „Wäller Tour Bärenkopp“ in Waldbreitbach eröffnet. In der Zeit von 8 Uhr bis 10 Uhr starteten alle 20 Minuten Wanderführer mit Gruppen vor dem Kolpinghaus auf die neue attraktive Rundstrecke, die mit 11,4 Kilometern Länge und 300 Metern Höhenunterschied durchaus anspruchsvoll ist. Unsere Redakteurin Helmi Tischler-Venter ist mitgewandert.
Gut präparierte Waldwege und Pfade führen auf den Bärenkopp. Fotos: Helmi Tischler-VenterWaldbreitbach. Es ist die 9. „Wäller Tour“, die der Touristik-Verband Wiedtal e.V. mit vielen Helfern gestaltet hat. Bei bestem Wanderwetter marschierte um 9.20 Uhr eine achtköpfige Gruppe mit Wanderführer Heinz Klein los.

Nach dem Start in Waldbreitbach geht es zunächst über die Wied und anschließend parallel zum Fluss. Zwei Loren zeugen vom Tagebergbau, den es einst in der Region gab. Zur Linken findet sich die Schutzheilige der Bergleute, die Heilige Barbara, in einem Schrein. Schon von weitem ist ein weißes Kreuz zu erkennen. Am idyllisch gelegenen Campingplatz vorbei führt der Weg zum Jüdischen Friedhof, dessen Größe Beweis für den hohen jüdischen Bevölkerungsanteil bis zur Reichskristallnacht gibt. Dann geht es durch Buchen- und Fichtenwald langgezogene Serpentinen hinauf. Die Touristiker haben ganze Arbeit geleistet und den Pfad von umgestürzten Bäumen frei gesägt. Diese Nadelbäume werden gar nicht mehr abtransportiert, wusste der Wanderführer zu berichten.

Eine schöne Holzbrücke führt über einen kleinen plätschernden Bach. Bald danach weist ein Wegweiser auf die Abzweigung zum Weißen Kreuz hin. Der kleine Abstecher von nur 300 Metern lohnt sich, denn er führt durch ein Kräutergärtlein. Wilder Majoran, Salbei und Knoblauchsraute wechseln sich mit Ginster und europäischem Springkraut auf dem Schiefergeröll ab. Das weiße Holzkreuz geht auf die Zeit des Kulturkampfs zwischen dem Königreich Preußen und dem Papst zurück. Nach der dadurch erfolgten Ausweisung von Geistlichen gelobte der Waldbreitbacher Schreinermeister Stefan Becker, auf dem Felsen hoch über dem Hahnenstein ein Gedenkkreuz zu setzen, sollte der Kampf zu Gunsten der Katholiken ausgehen. 1891 machte Becker sein Versprechen wahr, seine Nachkommen pflegen das Kreuz noch immer. Von diesem Felskopf aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Wiedtal und Waldbreitbach.

Der Wanderweg führt nun recht steil bergauf. Für das Schwitzen wird man immer wieder mit schönen Ausblicken in das Wiedtal belohnt. Die Dörfer und Weiler, zum Beispiel Over, Reifert und Reuschenbach, die man meist nur von Hinweisschildern kennt, konnte der Wanderführer alle benennen. Schließlich zeigte ein weiteres weißes Kreuz den Gipfelpunkt an, den Bärenkopp. Dieser hat allerdings seinen Namen nicht nach dem Raubtier erhalten. Klein erklärte, dass „Bär“ von „bar“ im Sinne von kahl oder leer abgeleitet sei. Der Ausblick von diesem Felskopf ist grandios, auch das erste weiße Kreuz sieht man von oben. Eine nachfolgende Wandergruppe war gerade dort angekommen.

Nach einer kurzen Pause auf der Bank ging es weiter in Richtung Verscheid. Als „sehr freundlich“ bezeichneten die Wanderer den Empfang auf der Verscheider Gemarkung, denn Jagdhörner begrüßten die Wandergruppe beim Verlassen des Waldes. Die Bläser der Wäller Parforcefreunde hatten am höchsten Punkt der Strecke neben der Versorgungsstation der Kita „Kunterbunt“ Position bezogen. Vor der Essenspause stand ein Abstecher in den Ort Verscheid und seine Wallfahrtskapelle. Das Sterngewölbe und die 1906 freigelegten Fresken lohnen den Besuch.

Genau zur Mittagszeit hatte die Wandergemeinschaft den höchsten Punkt der Strecke erreicht Zum äußerst leckeren Kuchen und Kaffee, den die Elternvertreter der Breitscheider Kita am Eröffnungstag anboten, konnte man die große Ruhebank oder den Naturpark-Weitblick Bärenkopp bis auf den Malberg und das Siebengebirge genießen. An den übrigen Tagen braucht jedoch auch kein Wanderer zu hungern und zu dürsten, da sich die Gastronomie entlang auf Wanderer eingestellt hat.

Ein weiteres weißes Kreuz weist auf ein Drama hin. „Schäfers Kreuz“ markiert die Stelle, an der der Legende nach ein Schäfer und sein Hund erschlagen worden waren.

Das nächste Kreuz steht an einem Luh-Kapellchen, einem ganz kleinen Andachtsraum. Das Kapellchen ist der Heiligen Apollonia geweiht, der Beschützerin vor Zahnschmerzen und Schutzheiligen der Zahnärzte. Über freies Feld und zwischen Wiesen führt der Wanderweg, an einem winzigen eingezäunten Modell-Flugplatz vorbei, am Waldrand bergab und nach einer Biegung Richtung Kloster Marienhaus. Die Aussicht von der Klosterterrasse ist atemberaubend. Hausen liegt zu Füßen des Klosterensembles und der Malberg gegenüber. Über das Gelände des Klosters gelangt man zum Kreuzweg. Bergab geht es in den Ort Waldbreitbach. Dort kann man die Kreuzkapelle am Wiedufer und das Mutterhaus der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz zu Hausen, das Kloster Sankt Josefshaus, besuchen oder aber eines der zahlreichen gastronomischen Angebote wahrnehmen.

Die „Wäller Tour Bärenkopp“ ist ein abwechslungsreiches Kleinod des Naturparks Rhein-Westerwald, für das man sich einen halben Tag Zeit nehmen sollte. Wer durchwandert, muss vier Stunden einrechnen. An allen Sehenswürdigkeiten stehen informative Tafeln, die mit QR-Code versehen sind. Falls Souvenirjäger nicht gerade wieder die Wegebeschilderung geklaut haben, finden die Wanderer problemlos den Weg. Flyer, Wanderkarten und digitale Informationen gibt der Touristikverband Wiedtal e.V., Neuwieder Straße 61, 56588 Waldbreitbach, www.wiedtal.de.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht der Eröffnungsfeier. htv
       
       
       
       
   
Nachricht vom 09.05.2015 www.ww-kurier.de