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Greifvogel- oder Eulenküken gefunden - was tun?
Im Frühsommer ist die Brut- und Wurfzeit vieler heimischer Waldtiere. Auch Greifvögel und Eulen brüten in dieser Zeit und es kann passieren, dass eines der Küken aus dem Nest fällt und hilflos aufgefunden wird. So geschehen am Samstag, 2. Mai, in Puderbach, als zwei Kinder in der Dämmerung einen hilflosen jungen Uhu an der Straße fanden. Hier erfahren Sie, wie man sich am besten verhält, wenn man einen jungen Greifvogel oder ein Eulenküken findet.
Finya und Fidelia Ziener (von links) fanden im Wald bei Puderbach einen jungen Uhu. Fotos: Eva KleinPuderbach/Reichenstein. Der junge Uhu, den Fidelia und Finya Ziener (acht und zehn Jahre alt) am Straßenrand fanden, war zwar noch komplett beflaumt. Er wies jedoch schon eine stattliche Größe auf, denn der Uhu ist die größte Eulenart. Die Mädchen fanden das Jungtier an der Straße von Puderbach Richtung Reichenstein nur, weil es durch ein klopfendes Geräusch auf sich aufmerksam machte, sonst wäre es am Boden in der Dämmerung nicht zu sehen gewesen. Die beiden Kinder nahmen das Tier mit nach Hause. Der junge Uhu wirkte stark geschwächt und verschmutzt. Eine erste Kontaktaufnahme mit der Greifvögel-Station in Hassloch ergab, dass er wohl aus dem Nest gefallen war. Die Familie säuberte ihn und über Nacht erholte er sich mit etwas Fleisch und Wasser wieder, sodass er am nächsten Morgen in die Wildtierpflegestation nach Breitscheid zu Oliver Meier gebracht werden konnte. Dieser wird den jungen Uhu in den nächsten Wochen aufziehen, um ihn dann fachgerecht auszuwildern.

Im Falle eines Jungvogel-Fundes rät der Naturschutzbund Rheinland-Pfalz zu folgendem Verhalten: Wenn Spaziergänger im Wald junge Eulen oder Greifvögel auffinden, sollten sie sich dem Tier langsam und ruhig nähern. In vielen Fällen sind die Tiere schon sehr geschwächt und zeigen wenig Abwehr oder Angriffsverhalten. Besonders bei jungen Tieren ist es wichtig, sich den Ort genau anzuschauen. Wird das Nest entdeckt, kann man unter Umständen auch das Küken zurücklegen, denn entgegen früherer Meinung haben Vögel keinen guten Geruchssinn und bemerken nicht unbedingt, wenn ein Mensch das Küken berührt hat.

Größere Jungtiere, sogenannte Ästlinge, klettern auch schon außerhalb des Nestes herum, werden aber von den Eltern versorgt. Wirkt das Tier fit oder sieht es so aus, als würde es schon längere Zeit dort liegen? Ist der Auffundort vielleicht nahe an einer Straße? Im Zweifelsfall ist es immer besser, das Küken mitzunehmen, aber dabei ist Vorsicht angeraten, denn selbst die Jungvögel haben schon beachtliche Krallen (Greifen), die erhebliche Verletzungen hervorrufen können. Deshalb ist es besser, das Küken mit einer Decke anzufassen und die Greifen weit von sich zu halten. Nehmen Sie Kontakt zu einer Auffangstation auf. Eulen und Greifvögel dürfen nicht privat gehalten und aufgezogen werden und unterliegen der Meldepflicht. Schieres Fleisch (Hackfleisch, Schwein, Geflügel) ist zwar keine Dauerlösung für Greifvögel und Eulen, hilft aber, in kleinen Stücken mit einer Pinzette verabreicht, geschwächten Tieren im ersten Moment. Bei der Gabe von Wasser sollte darauf geachtet werden, das Wasser nicht in den Schnabel zu drücken, da sich die Tiere verschlucken und ersticken können, besser ist ein Napf.

Eine Liste der zuständigen Greifvogel- und Eulen-Auffangstationen in Rheinland-Pfalz finden Sie unter www.rlp.nabu.de. (EK)
   
Nachricht vom 02.05.2015 www.ww-kurier.de