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Truppenübungsplatz Stegskopf wird Nationales Naturerbe
Der ehemalige Truppenübungsplatz Stegskopf wird Nationales Naturerbe (NNE), daran gibt es kaum noch Zweifel. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) will als Eigentümerin auftreten, der Haushaltsausschuss des Bundes muss im Januar noch zustimmen. Das Betretungsverbot bleibt bestehen. Das Thema Windenergie auf dem Stegskopf scheint somit erledigt.
Alfred Walter, Referent des Bundesministeriums für Umwelt, zeigte sich begeistert von der Natur auf dem Stegskopf und steht voll hinter dem Nationalen Naturerbe. Fotos: annaDaaden. Groß war das Interesse am aktuellen Sachstandsbericht bezüglich der Zukunft des ehemaligen Truppenübungsplatzes Stegskopf am Mittwochabend, 17. Dezember im Bürgerhaus Daaden. Kommunalpolitiker und interessierte Bürger aus den Anrainerkommunen beider Landkreise hörten sich zuerst die Ausführungen der Referenten an und stiegen danach in eine Diskussion ein.

Eingeladen hatten die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Kreisverwaltungen der Kreise Altenkirchen und Westerwald. Landrat Michael Lieber begrüßte die Gäste und stellte die teilnehmenden Personen vor: Alfred Walter (Referent Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Christian Tölle und Claus Niebelschütz (BImA/Eigentümer), Andreas Müller (Oberfinanzdirektion Niedersachsen), Karsten Pfaue und Wolfgang Klein (BImA), Harry Neumann (BUND), Achim Schwickert (Landrat Kreis Westerwald), Berno Neuhoff (Kreis Altenkirchen) und Peter Diepenbrock (Ordnungsbehörde Kreis Altenkirchen) sowie VG-Bürgermeister, Wolfgang Schneider, Hausherr der Veranstaltung.

Einen ausführlichen Bericht zur Kampfmittelbelastung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Stegskopf gab Andreas Müller ab, wobei er sowohl auf die Historie des Areals hinsichtlich der militärischen Nutzung, wie auch die heutige Aufarbeitung der militärischen Hinterlassenschaft einging um die Betriebssicherheit des Geländes herzustellen. Momentan herrscht noch immer ein Betretungsverbot des Geländes, denn der gesamte innere Platzbereich und dies ist der Großteil der Fläche, gilt als potentiell stark belastet mit Kampfmitteln. In 2015 sollen die Randbereiche der Platzrandstraßen abgesucht werden, um diese dann für Erholungssuchende freigeben zu können. Im Folgejahr ist eine solche Absuche dann für die Wege im Innenbereich des Geländes vorgesehen. Die komplette Fläche von Kampfmitteln zu säubern kann noch Jahre dauern.

Tölle ergänzte dazu, dass die BImA für das kommende Jahr anstrebt, von Bundesforsten und Verbänden geführte Wanderungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz anzubieten. Niebelschütz, bei der BImA zuständig für die Liegenschaften erklärte, dass es hinsichtlich der Gebäude und deren Weiternutzung eines Bebauungsplanes bedarf. Zuvor müsse aber erst eine Bestandsaufnahme erfolgen und dann überlegt werden, wie dieser Bestand anderweitig genutzt werden kann. Bis Mitte des kommenden Jahres soll dies geklärt sein und dann biete der Bund den Kommunen die vorrangige Nutzungsmöglichkeit.

Seitens des Bundes soll das Areal Stegskopf auf Grund seiner hohen ökologischen Bedeutung dem Nationalen Naturerbe (NNE) zugeordnet werden. Darüber sprach der Referent des Bundesumweltministeriums und stellte dem Gebiet ein hervorragendes Zeugnis diesbezüglich aus. So sei der Stegskopf landschaftlich einmalig in Deutschland, zu 91 Prozent schon FFH-Gebiet und zu 87 Prozent Vogelschutzgebiet.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt habe ihr Interesse daran bekundet und das Land Rheinland-Pfalz auch schon seine Zustimmung erteilt. Im kommenden Januar erginge darüber die Beschlussfassung im Haushaltsausschuss und danach erfolge der Übertragungsvertrag. Der DBU ist dann in der Pflicht Leitbilder zur künftigen Entwicklung des Geländes vorzulegen und dem Bundesministerium Bericht zu erstatten. Mit der Ernennung zum Nationalen Naturerbe ist das Thema Windenergie auf dem Stegskopf unvereinbar, eine Erschließung zur Erholung aber erwünscht.
Der Lagerbereich kann aus dem Naturerbe-Gebiet herausgenommen werden, dessen weitere Nutzung muss allerdings mit den Statuten des Nationalen Naturerbes vereinbar sein.

Vom Stegskopf als ökologisches „Tafelsilber“ sprach Harry Neumann (BUND) und unterlegte dies mit beeindruckenden Naturfotos aus der Region. Er sieht in der Ernennung zum Nationalen Naturerbe einen der größten Erfolge der Naturschutzorganisationen in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren. Naturschutz sei auch Menschenschutz. Zugleich stellte Neumann aber auch die Frage in den Raum, wer für den Schutz des Geländes vor Zerstörung zuständig sei. Erste Verwüstungen durch Quadfahrer belegte er mit Bildern. Er forderte Gelder für eine Naturschutzwacht. Neumann sieht für das Areal sowohl naturschutzfachliche, wie auch naturwissenschaftliche Betreuung als notwendig an. Sanfter Tourismus und Wegekonzepte – Ja - aber keine Verkehrswegenutzung. Er begrüßte den Vorschlag der beiden Landräte, dort ein Biosphärenreservat zu schaffen. Neumann sieht auf dem Stegskopf sogar ein künftiges Refugium für Wölfe, die dann dort auch nicht erschossen würden.

Landrat Lieber erteilte nach den informellen Vorträgen Bürgermeister Wolfgang Schneider, als Vertreter der Anrainerkommunen das Wort. Dieser stellte die Frage, ob denn Restriktionen für die Kommunen zu erwarten wären, wenn diese ihre Industriegebiete in Richtung Stegskopf ausweiten würden und das bis Mitte 2013 noch Überlegungen gemacht worden wären, auf dem Areal erwirtschaftete Finanzmittel in die Entwicklung der Ökologie fließen zu lassen.
Walter antwortete, dass die Kommunen keine Restriktionen zu erwarten hätten, auch nicht im Falle eines Biosphärenreservates. Zudem sei Naturschutz ein absolutes Defizitgeschäft, eventuelle Erträge, die eher unwahrscheinlich sind, sollten in das NNE zurückfließen.

In der anschließenden Diskussion wurden immer wieder Fragen nach der Begehbarkeit des Geländes gestellt, doch kein Einwand der Bürger fand die Zustimmung der BImA, das Betretungsverbot bleibt bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen bestehen. (anna)
 
Nachricht vom 17.12.2014 www.ww-kurier.de