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Nachricht vom 28.10.2026
Rheinland-Pfalz
Niedrigwasser in Rheinland-Pfalz: Experten warnen vor langfristigen Folgen
Das hydrologische Jahr 2025/26 war von extremem Niedrigwasser geprägt, das in Deutschland weitreichende Auswirkungen hatte. Experten sehen die Ursachen sowohl im Klimawandel als auch in der Begradigung und Vertiefung von Flüssen.
Niedrigwasser am Rhein in Köln. (Foto: Oliver Berg/dpa)Köln. Die deutschen Flüsse führten im Jahr 2025/26 über Monate hinweg sehr wenig bis extrem wenig Wasser. Laut einer Auswertung des Science Media Center zum hydrologischen Jahr, das am 31. Oktober endet, traten solche niedrigen Wasserstände "deutlich häufiger als in den Vorjahren" auf. Böden, Grundwasser und Flüsse gehen mit erheblichen Defiziten in den Winter - eine Zeit, in der sich normalerweise die Wasserspeicher wieder auffüllen sollten, da im Winterhalbjahr weniger Wasser verdunstet.

Das Science Media Center beruft sich unter anderem auf Zahlen des Niedrigwasserinformationssystems (NIWIS). Demnach war das hydrologische Jahr 2025/26 in neun großen Flussgebieten Deutschlands von Niedrigwasser geprägt. Bereits im Januar 2026 wurde etwa ein Fünftel der Abflüsse - jene Wassermengen, die pro Sekunde einen Flussquerschnitt passieren - als "sehr niedrig" oder "extrem niedrig" eingestuft. Im August und September lag der Anteil dieser Kategorien bei 35 Prozent. Diese Einstufungen basieren auf einem Vergleich der aktuellen Abflüsse mit Werten aus der entsprechenden Jahreszeit zwischen 1991 und 2020.

Extreme Dürre in Süddeutschland
Auch die Böden erlebten eine ausgeprägte Dürre. Der Winter 2025/26 war trockener als normal, und im Sommer entwickelte sich vor allem in Süddeutschland eine "extreme Dürre". Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) erklärte dem Science Media Center, dass Niedrigwasser am Rhein historisch oft durch strenge Kälte, Eis und Schnee im Winter verursacht wurden. "Dass wir heute nur noch hitze- und trockenheitsbedingte Sommerniedrigwasser erleben, passt in das Bild, das wir unter den Rahmenbedingungen des fortschreitenden Klimawandels projiziert haben", so Nilson.

Der nun beginnende Winter sei eigentlich die Zeit, in der sich die Gewässer wieder auffüllten. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob dies wirklich eintrete. Lange und intensive Landregen seien nötig, um die Gewässer vollständig aufzufüllen. Projektionen zeigen, dass es in Deutschland wohl weiterhin ausreichend Wasser geben wird, allerdings ungleich auf die Jahreszeiten verteilt. "Ausgeprägtere Dürren und Niedrigwasserphasen im Sommerhalbjahr werden durch höhere Niederschläge und Abflüsse im Winterhalbjahr im Jahresmittel teilweise kompensiert", prognostiziert Nilson. "Damit würde sich nicht unbedingt ein Wassermengenproblem einstellen, sondern ein Verteil-Problem zwischen Regionen und zwischen den Jahreszeiten."

Bei begradigten Flüssen sind die Folgen am gravierendsten
Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin bezeichnet die Periode 2025/2026 als die abflussärmste seit Beginn der Pegelaufzeichnungen. Niedrige Pegelstände seien auch eine Folge menschlichen Eingreifens: Seit dem 19. Jahrhundert wurden viele deutsche Flüsse begradigt, verkürzt, befestigt und als Wasserstraßen ausgebaut. Dadurch fließe das Wasser schneller ab, und befestigte Ufer verhinderten, dass sich die Flüsse ausbreiten könnten. "Stattdessen tieft sich ihre Sohle um mehrere Meter ein." Niedrigwasser habe vielfältige Auswirkungen auf die Lebewesen im Fluss. Besonders kritisch sei eine Kombination aus Niedrigwasser und hohen Temperaturen. "Die wirksamste Maßnahme zum Schutz von Flussökosystemen und ihrer Artenvielfalt ist die Revitalisierung der natürlichen Fließgewässerdynamik", rät Wolter. "Niedrigwasser können wir also nicht einfach wegplanen oder wegbaggern."

Eine klimaangepasste Verkehrspolitik bedeute, die Infrastruktur und die Schifffahrt stärker auf die natürlichen Wasserverhältnisse auszurichten. "Dazu gehören beispielsweise kleinere Schiffe mit geringerem Tiefgang. Staustufen sind keine Lösung, da sie die Flusslandschaft zerstören, die Verdunstung fördern und das Dürreproblem weiter stromab verlagern."

Bedingungen für eine "perfekte Dürre"
Thorsten Wagener von der Universität Potsdam bestätigte, dass die Abflussvolumen in vielen europäischen Flüssen dieses Jahr den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten aufwiesen. "Durch den steigenden Einfluss des Klimawandels verlieren wir die natürlichen Schnee- und Gletscherspeicher in Gebirgsregionen", sagte der Professor für hydrologische Systeme. "Überlagert sich dieses Problem mit trockenem Winter und Frühling, und mit hoher Verdunstung im Hitzesommer, dann haben wir einen perfekten Sturm - oder vielmehr eine perfekte Dürre." Thomas Hein von der Universität für Bodenkultur Wien warnte, lang andauernde Niedrigwasserphasen führten in stark regulierten Gewässern zu einer massiven Verringerung der Lebensräume entlang der Flussufer und in den angrenzenden Flussauen. Er empfahl Renaturierungsmaßnahmen wie eine verbesserte Anbindung an Auen oder Moorvernässungen, die allerdings viel Zeit bräuchten. (dpa/bearbeitet durch Red)
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