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Pressemitteilung vom 26.10.2026
Region
Herbstsynode des Evangelischen Dekanats Westerwald beschäftigt sich mit Zukunft der Kirche
Bei der Herbstsynode des Evangelischen Dekanats Westerwald in Westerburg ging es um den Bedeutungsverlust der Kirche, neue Formen kirchlichen Lebens und die Chancen einer veränderten gesellschaftlichen Situation. Außerdem standen Klimaschutz, Jugendarbeit, Wahlen und die Zusammenarbeit mit Kommunen auf der Tagesordnung.
Benjamin Schiwietz und Pröpstin Henriette Crüwell verteilen Sterne für Gutes in den Evangelischen Kirchengemeinden. Foto: Sabine Hammann-GonschorekWesterburg. Unter dem Titel "Quo vadis, Kirche" sprach Pröpstin Henriette Crüwell aus der Propstei Rheinhessen und Nassauer Land über die Veränderungen, vor denen die evangelische Kirche steht. Sie warb dafür, den Blick nicht ausschließlich auf sinkende Mitgliederzahlen zu richten, sondern neu zu fragen, was Kirche ausmacht und welche Möglichkeiten sich aus der veränderten Situation ergeben.

"Wir erleben einen tiefgreifenden Relevanzverlust von Kirche, getoppt werden wir nur noch von den großen Parteien", sagte Crüwell. Die Gesellschaft fremde zunehmend mit Religion, vielen Menschen fehle nichts, wenn Gott und Kirche in ihrem Leben keine Rolle spielten. Die Pröpstin schlug vor, diese Entwicklung als Leben in der Diaspora zu betrachten. Der aus dem Griechischen stammende Begriff bedeutet sinngemäß "Zerstreuung".

Ein Blick in die Geschichte zeige, dass christlicher Glaube nicht auf große Mehrheiten angewiesen sei. Sowohl das Volk Israel als auch die ersten christlichen Gemeinden seien klein gewesen. Abraham sei mit seiner Familie und seinem Haushalt in das von Gott verheißene Land aufgebrochen. "Gott arbeitet erstaunlich oft mit Minderheiten, Menschen ohne Macht, aber dafür mit Vertrauen", sagte Crüwell.

Neue Formen kirchlichen Lebens
Vieles, was die Volkskirche über Jahrzehnte geprägt habe, sei gut gewesen und trage Menschen bis heute. Die gesellschaftlichen Bedingungen hätten sich jedoch grundlegend verändert. Deshalb könne der Blick auf Kirchen in Regionen, in denen Christinnen und Christen schon lange in der Minderheit leben, wichtige Impulse geben.

In Osteuropa hätten Gemeinden häufig ein ausgeprägtes diakonisches Profil entwickelt und richteten ihre Arbeit an den Bedürfnissen der Menschen aus. Auch die Erfahrungen ostdeutscher Kirchen könnten für die weitere Entwicklung wichtig sein. Dort hätten sich Menschen unter anderem gegen Ausgrenzung und für gesellschaftlichen Zusammenhalt engagiert.

Zugleich werde das kirchliche Leben vielfältiger. Tauffeste und unkomplizierte Trauangebote wie "Einfach heiraten" erreichten Menschen, denen das traditionelle Gemeindeleben fremd geworden sei. Solche Angebote könnten Nähe schaffen und neue Begegnungen ermöglichen. Zur Veränderung gehöre auch, Abschied und Trauer über nicht fortführbare Angebote und Strukturen Raum zu geben. Als Zuspruch stellte Crüwell das Bibelwort aus Matthäus 28 an das Ende ihres Vortrags: "Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."

Vertrauen, Klimaschutz und Jugendarbeit
Auch die Zusammenarbeit von Kirche und Kommunen war Thema der Synode. Westerburgs Stadtbürgermeister Janick Pape betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Vertrauen und Eigenverantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben. Angesichts wachsender Unzufriedenheit und gesellschaftlicher Unruhen müsse es darum gehen, die Menschen vor Ort einzubeziehen und ihnen Verantwortung zuzutrauen. Das Subsidiaritätsprinzip, nach dem Aufgaben möglichst dort übernommen werden, wo sie bewältigt werden können, sei dafür zentral. Eine Kultur des Vertrauens verbinde Demokratie und Kirche. Die Synode selbst sowie das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen seien Ausdruck dieses Prinzips.

Die Tagung begann mit einem Gottesdienst und der Eröffnung durch Dietmar Engelberth, den Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstandes. Dr. Sandra Herrmann stellte ihre Arbeit als Klimaschutzkoordinatorin vor. Sie steht künftig als Ansprechpartnerin für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung, unter anderem bei Fragen zu Fördermitteln.

Jugendpfarrer Frieder Elberskirch stellte sich gemeinsam mit Jugenddelegierten der Evangelischen Jugend im Westerwald vor. Sie berichteten über Pläne für eine Jugendkirche, gemeinsame Aktionen und Möglichkeiten für junge Menschen, Kirche mitzugestalten.

Nach Berichten von Dekan Dr. Axel Wengenroth, dem stellvertretenden Dekan Benjamin Schiwietz und Dietmar Engelberth standen Wahlen auf der Tagesordnung. Dr. Harald Leyser aus der Kirchengemeinde Wäller Land und Florian Jungbluth aus der Gesamtkirchengemeinde Westerwald Süd wurden als stellvertretende Mitglieder für die Synode der Landeskirche gewählt. Gemeindepädagoge Olaf Neumann übernimmt die Delegierung zum Landesausschuss für den Kirchentag.

Die Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats findet am 20. März 2027 am Evangelischen Gymnasium in Bad Marienberg statt. Die nächste Herbstsynode in Westerburg ist für den 22. Oktober 2027 geplant. PM/Red
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