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Pressemitteilung vom 22.10.2026
Region
Sebastian Zahn: Rechtsextreme Szene im Westerwald ist regional vernetzt
Bei einer Konferenz des Evangelischen Dekanats Westerwald hat Sebastian Zahn über rechtsextreme Strukturen in der Region gesprochen. Der Vorstand des Vereins Demos e. V. erläuterte, wie sich die Szene entwickelt hat und wie die Zivilgesellschaft darauf reagieren kann.
Foto: Peter BongardBad Marienberg. Anfang der 2000er-Jahre stand die "Kameradschaft Westerwald" an der Spitze der regionalen rechtsextremen Szene. Die Gruppierung löste sich 2005 im Zuge der Strafverfolgung auf, einige ihrer Mitglieder seien jedoch weiterhin aktiv, berichtete Sebastian Zahn bei seinem Vortrag vor Dekanatsmitarbeitenden und Pfarrpersonen.

Nach einer zunächst ruhigeren Phase habe sich die Szene ab 2015 wieder stärker entwickelt. In diesem Jahr begannen die bundesweiten Pegida-Märsche. Auch in der Region protestierten deren Ableger gegen die Flüchtlingsunterkunft am Stegskopf. Es entstanden unter anderem das "Bekenntnis Deutschland" und später die Gruppierung "Forke und Schaufel"; zudem trat die Partei "Der III. Weg" erstmals im Westerwald auf.

"Rechtsextreme unterscheiden nur zwischen Freunden und Feinden. Dazwischen gibt es wenig Spielraum", sagte Zahn. Die Szene bespiele den öffentlichen Raum mit Aufmärschen und Kundgebungen. Weniger öffentlich fänden Kampfsportschulungen und entsprechende Veranstaltungen statt.

Mit dem Erstarken der AfD seien Rechtsextreme auch auf Landesebene aktiver geworden, erklärte Zahn. Die Partei nutze unter anderem "Kleine Anfragen", also Fragen einzelner Parlamentarier an die Regierung, um Vereine wie Demos e. V. durch fragwürdige Behauptungen in ein falsches Licht zu setzen. Auch gezielte Agitationen gegen Vertreter der Wohlfahrtsverbände und Kirchen seien zu beobachten. Hinzu kämen Angriffe in sozialen Medien. Dabei würden rechtsextreme Akteure gezielt persönliche Daten zivilgesellschaftlich engagierter Menschen veröffentlichen, um ihnen Angst zu machen und sie konkreten Gefahren auszusetzen.

Verankerung im ländlichen Raum
Rechtsextreme wollten sich laut Zahn zunehmend auch im ländlichen Raum etablieren. Sie kauften oder mieteten Gebäude und würden dadurch fester in der Region verankert. Als Beispiel nannte er die Hachenburger Fassfabrik, die lange als Dreh- und Angelpunkt der rechten Szene gegolten habe. Nach einer Razzia wurde das Gebäude 2024 verkauft, woraufhin die Rechtsextremen die Fassfabrik räumen mussten.

Zahn würdigte den Widerstand der Zivilgesellschaft im Westerwald. Bei spontanen Protesten in Westerburg und Hachenburg hätten sich in den vergangenen Jahren Hunderte, teilweise Tausende Menschen für Demokratie und Vielfalt sowie gegen AfD-Versammlungen eingesetzt. Die Kirchen hätten viele dieser Proteste mitorganisiert und seien deshalb wiederholt Ziel rechtsextremer Anfeindungen in sozialen Medien geworden.

"Die Aussage ist immer ähnlich: Viele dieser Rechten können mit der Kirche wenig anfangen, bezeichnen sich selbst aber als die ,wahren Gläubigen' und nennen die Kirchen ,rote Götzenanbeter'. Das geht so weit, dass der US-Präsident in Posts als ,Werkzeug Gottes' verherrlicht wird, der sich dem ,linken Dämon' in den Weg stellt", berichtete Zahn.

Gespräche mit Sympathisanten suchen
Mit organisierten Kadern oder Parteifunktionären seien Diskussionen auf Augenhöhe schwierig und auf Bühnen sogar gefährlich, weil dadurch menschenfeindliche Positionen normalisiert werden könnten, sagte Zahn. Er ermutigte die Zuhörerinnen und Zuhörer dennoch, das Gespräch mit noch nicht gefestigten Sympathisanten sowie mit Konservativen zu suchen, die "zu kippen" drohten.

"Eine Gesellschaft, die miteinander redet, ist weniger anfällig für Extremismus als eine zersplitterte und verfeindete", sagte Zahn. Trotz besorgniserregender Wahlergebnisse der AfD hätten die vergangenen Jahre gezeigt, dass es im Westerwald eine hohe Mobilisierungsfähigkeit gegen Rechts gebe. Er schloss mit dem Appell: "Auch wenn die nächsten Jahre hart werden: Lassen Sie uns weiter gemeinsam dafür eintreten, dass Rechtsextremismus niemals zu einer legitimen Position in unserer Gesellschaft wird." PM/Red
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