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Nachricht vom 08.10.2026
Region
Fanggenehmigung erteilt: Zahlreiche Waschbären gehen in die Falle
Sie können Schäden auf dem Grundstück oder im Haus verursachen und doch sind ihnen viele Eigentümer nahezu ausgeliefert: Waschbären sind auch bei uns in der Region längst zum Problem geworden und stehen doch unter Schutz. Doch nun tut sich etwas.
Symbolbild (Foto: Pixabay)Wissen. Jahrelang haben Waschbären Ute Stahl aus Wissen "das Leben zur Hölle" gemacht, wie sie im Frühjahr ausführlich dem AK-Kurier gegenüber geschildert hat. Immer wieder kam es zu Einbrüchen, Beschädigungen, Lärm und Verwüstungen am Haus, Ute Stahl empfand die Situation längst schon als "nicht mehr tragbar". Doch die Tiere ließen sich trotz aller Bemühungen und Maßnahmen nicht vertreiben, wurden durch die Fütterungen eines Nachbars immer wieder angelockt - und Ute Stahl hatte mit den Folgen zu leben. Tausende von Euro hatte sie eigenen Angaben zufolge bereits ins Haus stecken müssen, weil Waschbären ihr zum Teil das Dach abdeckten, Wasserschäden im Haus verursachten oder sich durch die Schamottsteine im alten Kamin gruben. Dazu randalierten sie nächtelang durch, an Schlaf war für Ute Stahl zeitweise nicht mehr zu denken.

Als besonders ärgerlich empfand die Schönsteinerin, dass es über die Jahre keinerlei Hilfe von offizieller Seite gab. Waschbären unterliegen zwar dem Jagdrecht, Mütter haben aber Schonzeit von März bis einschließlich Juli und dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung gefangen und geschossen werden. Genau diese Ausnahmegenehmigung forderte Ute Stahl von der Unteren Jagdbehörde des Kreises Altenkirchen aufgrund der jahrelangen, massiven Probleme durch die Waschbären. Denn gerade in diesen Monaten, wenn die Waschbärmutter ihre Jungen aufzieht, kommt es zu dem besonders zerstörerischen und belastenden Auftreten der Tiere. Doch eine solche Genehmigung habe niemand im Kreis, hieß es von Behördenseite. "Eine Ausnahmegenehmigung für die Fangjagd innerhalb der Schonzeit ist nicht vorgesehen", erfuhr auch der AK-Kurier im Frühjahr auf Anfrage von der Unteren Jagdbehörde. Abgesehen von fragwürdigen und teils illegalen Tipps ließ man Ute Stahl mit dem Problem weitgehend allein.

Jagdaufseher fängt mit erforderlicher Genehmigung
Mittlerweile scheint man jedoch den Ernst der Lage erkannt zu haben. Schon im Juni berichtete die Kreisverwaltung Altenkirchen von plus 3600 Prozent (!), wenn es um die Jagdstrecke bei den Waschbären geht: Im Jagdjahr 2015/16 (Erstnachweis) wurden 27 Waschbären erlegt, im Jagdjahr 2023/24 waren es schon 435 und mit 999 Tieren nochmal mehr als doppelt so viele im Jagdjahr 2025/26. Man wolle daher die heimische Jägerschaft "in ihrem Kampf gegen den Waschbären" unterstützen, so die Untere Jagdbehörde vor wenigen Monaten.

Ute Stahl kann die Bemühungen bestätigen. "Als die Schonzeit für die Tiere im August vorbei war, kam der Jagdaufseher von sich aus auf mich zu und fragte, ob noch Bedarf zur Jagd bestehe. ‚Aber sowas von!‘, war meine Antwort", erzählt die Schönsteinerin Anfang Oktober im Gespräch mit dem AK-Kurier. Der Jagdaufseher verfügte schließlich über die erforderliche Genehmigung der Unteren Jagdbehörde, konnte Fallen am Haus aufstellen - und war schnell erfolgreich. "In rund einem Monat sind neun Waschbären gefangen worden", berichtet Ute Stahl. "Das muss man sich mal vorstellen: Die waren alle in meinem Haus, auf meinem Speicher und haben dort die Bude zerlegt." Selbst der Jagdaufseher sei erstaunt gewesen, wie viele Tiere in die Falle gingen, und noch immer sei unklar, wie viele noch fehlen. "Und dann hat man mich und mein Waschbär-Problem jahrelang nicht ernst genommen", zeigt sich Ute Stahl empört und erleichtert zugleich. "Mir geht es ja ganz sicher nicht darum, grundlos Tiere zu töten. Aber hier musste etwas getan werden."

Nun hofft sie, dass sich auch langfristig etwas an der Situation ändert. "Leider ist es aber immer noch so, dass mein Nachbar die Tiere füttert und damit immer wieder anlockt. Ich habe das dem Ordnungsamt gemeldet. Die fühlen sich aber offenbar nicht zuständig, sondern haben den Fall lediglich an die Untere Jagdbehörde weitergeleitet." Ute Stahl dagegen sieht das Ordnungsamt vor Ort in der Pflicht. Denn das Polizei- und Ordnungsbehördengesetz in Rheinland-Pfalz könne hier eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage bilden, auf deren Basis Städte und Gemeinden das Füttern verbieten und bestrafen könnten. "Ich warte auf eine Reaktion der Behörden", erklärt Ute Stahl. "Es kann ja nicht sein, dass hier weiter eine invasive Art gefüttert und immer wieder angelockt wird."

Bei Problemen mit Waschbären Antrag stellen
Wer wie sie so massiv unter den Waschbären im Haus oder auf dem Grundstück leidet, für den hat Ute Stahl eine klare Empfehlung: "Jetzt außerhalb der Schonzeit kann der Antrag zur Fangjagd bei der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung gestellt werden. Hier bekommt man im besten Fall einen Jäger genannt, der Fallen zur Verfügung hat und aufstellt. Der wird dann mit der entsprechenden Genehmigung von der Unteren Jagdbehörde mit der Jagd beauftragt."

In ihrem Fall sei das alles nach Ende der Schonzeit sehr schnell gegangen, so Ute Stahl. "Und nein, ich denke nicht, dass die Untere Jagdbehörde oder ein Jagdaufseher leichtfertig Tiere tötet. Deswegen gibt es entsprechende Regelungen, Anträge und Genehmigungen. Aber wenn es wie bei mir so gravierend ist, dann bin ich froh, dass sich die Lage bewegt!"


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