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Nachricht vom 28.09.2026
Kultur
Kabarettist Wolfgang Trepper begeisterte in der Stadthalle Ransbach-Baumbach mit "Herz und Schnauze"
Erst das Lästermaul, dann der Sohn eines Bergmanns: Wolfgang Trepper hat in der Stadthalle Ransbach-Baumbach ein Programm gezeigt, das sich in zwei Hälften gliedert. Vor der Pause bekamen Politiker und Promis ihr Fett weg, danach wurde es im Saal still – und am Ende warb Trepper für Schulen in Malawi.
Fotograf: Wolfgang RabschRansbach-Baumbach. In der gut besuchten Stadthalle gastierte am Sonntagabend, 27. September, der Kabarettist Wolfgang Trepper, bekannt aus unzähligen Fernsehformaten. Ausverkauft wäre das Haus wohl gewesen, wäre der Auftritt nicht auf einen Sonntag gefallen – viele Besucher müssen am Montagmorgen raus.

Das Publikum war bestens gelaunt, das war schon im Foyer zu merken. Man freute sich darauf, dass Trepper wie gewohnt mit spitzer Zunge auf das Zeitgeschehen losgehen und dabei niemanden verschonen würde. Und dann kam es überraschend anders, jedenfalls zur Hälfte: Der zweistündige Auftritt zerfiel in zwei Teile – vor der Pause das gewohnte Lästermaul, danach ein berührender, nachdenklicher Trepper.

Für Politiker und Promis gab es Saures
Die ersten Lachsalven erzeugte er schon bei der Begrüßung, als er mit unbewegter Miene meinte: „Hören Sie doch auf zu klatschen, ich habe doch noch gar nix geleistet. Für den Scheiß, den Sie heute zu hören kriegen, klatschen Sie auch noch? Ich glaube es nicht."

Das war der Start in ein Programm, in dem Trepper kein Blatt vor den Mund nahm und rücksichtslos auf alles schimpfte, was sich nicht wehren konnte. Lars Klingbeil und Annalena Baerbock knüpfte er sich vor: Man könne eben auch in der Politik etwas erreichen, ohne wirklich etwas zu können. Dass Julia Klöckner es bis zur Bundestagspräsidentin gebracht hat, wollte ihm ebenfalls nicht in den Kopf.

Vollkommen in Rage geriet Trepper, als er darauf zu sprechen kam, dass Bill und Tom Kaulitz ab dem 5. Dezember als Nachfolger von Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?" moderieren werden. Bei der Bewertung dieses Umstands durch Trepper schweigt vorsichtshalber des Sängers Höflichkeit. Ähnlich wütete er über Gil Ofarim, Oliver Pocher und Jimi Blue Ochsenknecht, die er in die Kategorie C-Promi einsortierte.

Als Liebhaber des deutschen Schlagers spuckte er Gift und Galle, als er auf die jüngsten deutschen Beiträge beim Eurovision Song Contest zu sprechen kam. Sarah Engels mit „Fire" sei in diesem Jahr kaum zu ertragen gewesen, getoppt nur noch vom Vorjahresbeitrag „Baller". Bei diesem Niveau, so Treppers Vorschlag, könne man 2027 ja Stefan Raab schicken – mit dem erfolgversprechenden Titel „Ri Ra Runkel, im Hühnerarsch ist's dunkel".

Wie alt ist Mary Roos?
Trepper ist bekanntermaßen überzeugter Schlagerfan und spannte den Bogen von der Hitparade mit Dieter Thomas Heck und den damaligen Superstars Jürgen Marcus, Udo Jürgens, Bernd Clüver und Chris Roberts bis zu Mary Roos, mit der er freundschaftlich verbunden ist. Darum darf er sich auch herausnehmen, über ihr Alter zu lästern – etwa, wenn er erzählt, dass sie auf Kreuzfahrtschiffen als Stargast im Varieté auftritt. Unter dem Gelächter des Publikums meinte er dazu: „Mary kennt sich mit Schiffen aus, denn sie war bereits an Bord der Arche Noah."

Trepper berührte die Herzen der Zuschauer
Nach der Pause schien ein anderer Wolfgang Trepper auf der Bühne zu stehen. Er zeigte sich von seiner emotionalen Seite, als er über seine Kindheit und Jugend in Duisburg berichtete. Humorvoll zwar, aber mit viel Gefühl schilderte er, wie das Verhältnis zu seinen Eltern verlief und wie sehr sie ihn geprägt hatten.

Sein Vater sei Bergmann unter Tage gewesen und habe nur gearbeitet, um der Familie das Überleben zu sichern. Sein größter Wunsch sei gewesen, einmal nach Hamburg zu fahren, um die Reeperbahn zu sehen. Erfüllt habe er ihn sich nie, weil das Geld immer für andere Dinge gebraucht wurde. Auch die Mutter hat als Putzfrau zum Familienunterhalt beigetragen und sich selbst wenig gegönnt.

Unvergessen ist für Trepper der Tag, an dem sein Vater die Schallplattensammlung hervorholte, um dem Sohn alte Titel vorzuspielen, von Zara Leander etwa oder Hildegard Knef. Da hat er zum ersten Mal eine enge persönliche Beziehung zu seinem Vater gespürt – getoppt nur davon, dass die beiden zusammen eine Flasche Bier tranken.

Bei dieser Schilderung bekam selbst der Kabarettist eine brüchige Stimme. Viele Besucher fühlten sich in eine andere Zeit zurückversetzt und hatten mit ihren eigenen Emotionen zu kämpfen. Über Minuten herrschte eine fast atemlose Stille in der Stadthalle. Sie löste sich erst, als Trepper einen flammenden Appell an das Publikum richtete und um Unterstützung für seinen Freund Reiner Meutsch und dessen Stiftung Fly & Help warb, damit in Malawi weitere Schulen gebaut werden können.

Mit seinem Auftritt bewies Wolfgang Trepper einmal mehr, dass Herz und Schnauze gut miteinander harmonieren können, solange weder das eine noch das andere übertrieben wird. So sah es auch das Publikum, das lachte und teilweise weinte und ihn am Ende mit langanhaltendem Applaus belohnte – für einen Auftritt, der noch einige Zeit nachwirken dürfte.
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