| WW-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Westerwaldkreis |
|
| Nachricht vom 14.09.2026 |
|
| Kultur |
| Vier Hände, vier Füße - und jeder Zentimeter zählt |
|
| Wer am Sonntagnachmittag zum dritten und letzten Konzert des Orgeltriduums nach Marienstatt gekommen war, erlebte eine seltene Konstellation: Gleich zwei Organisten nahmen gemeinsam an der großen Rieger-Orgel Platz. Ute Gremmel-Geuchen und Heinz-Peter Kortmann spielten unter dem Motto „mit vier Händen und vier Füßen“ – eine Konstellation, die in Marienstatt zuletzt 2019 zu erleben war. |
|
Marienstatt. Solche Konzerte sind selten, denn auch die Orgelliteratur für zwei Spieler an einem Instrument ist begrenzt. Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass dabei weit mehr aufeinander abgestimmt sein muss als Takt und Tempo. Der Platz auf der Orgelbank und vor den Pedalen ist begrenzt. Immer wieder rückten Gremmel-Geuchen und Kortmann hin und her, machten dem anderen Platz für Hände oder Füße, beugten sich zur Seite oder griffen teilweise über Kreuz auf die vier Manuale. Gleichzeitig mussten Register bedient und im richtigen Moment die Noten umgeblättert werden. Allein diese Choreografie zu beobachten, entwickelte einen ganz eigenen Reiz.
Was für die Besucher wie ein perfekt einstudierter Bewegungsablauf wirkte, war tatsächlich das Ergebnis vieler gemeinsamer Probenstunden. Im Gespräch nach dem Konzert erzählten die beiden Organisten, die regelmäßig gemeinsam auftreten, wie genau sie ihre Bewegungen vorbereiten. Selbst Hinweise darauf, wann ein Fuß weggenommen oder Platz gemacht werden muss, werden in den Noten festgehalten. Auch das Umblättern will abgestimmt sein. Jeder muss nicht nur wissen, was er selbst im nächsten Moment spielt, sondern auch, welchen Raum der andere dafür benötigt.
Mit der großen Rieger-Orgel stand den beiden dafür ein außergewöhnliches Instrument zur Verfügung. Ihre vier Manuale und mehr als 5.000 Pfeifen eröffnen eine enorme Vielfalt an Klangmöglichkeiten.
Das wurde besonders bei Gustav Merkels Sonate d-Moll für Orgel spürbar. Kraftvolle Passagen wechselten mit fließenden Momenten, bevor die Orgel ihre ganze Macht entfaltete. Zwei Organisten können gleichzeitig deutlich mehr Töne greifen – und genau diese zusätzliche Klangfülle war hier nicht nur zu hören. Die tiefen Töne ließen die Luft regelrecht vibrieren und waren zeitweise bis in den Brustkorb zu spüren.
Doch der Nachmittag lebte nicht allein von dieser Kraft. Das Programm führte von Johann Sebastian Bach über Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Merkel bis zu Euwe de Jong und Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf fröhliche und beschwingte Passagen folgten leichte, beinahe flötende Klänge, dann wieder kraftvolle und volle Töne. Gerade diese Wechsel zeigten, dass das Spiel zu zweit nicht nur mehr Lautstärke bedeutet, sondern auch ganz andere Möglichkeiten eröffnet, Klangfarben miteinander zu verbinden.
Auch die Aufgabenverteilung blieb nicht während des gesamten Konzerts gleich. Für die ersten drei Werke saßen Gremmel-Geuchen und Kortmann in einer festen Anordnung an der Orgel. Vor dem vierten Stück tauschten sie ihre Plätze und behielten die neue Position auch für Mendelssohns „Allegro vivace“ und die anschließende Zugabe bei. Noch einmal wurde sichtbar, wie sehr bei dieser besonderen Form des Orgelspiels Musik und Bewegung zusammengehören.
Damit endete zugleich das Orgeltriduum 2026 in der Abteikirche Marienstatt. Drei Konzerte hatten dabei auf ganz unterschiedliche Weise gezeigt, was die große Orgel zu bieten hat. Tanja Tischler
|
|
| Nachricht vom 14.09.2026 |
www.ww-kurier.de |
|
|
|
|
|
|