| WW-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Westerwaldkreis |
|
| Pressemitteilung vom 07.09.2026 |
|
| Rheinland-Pfalz |
| Auszubildende in Rheinland-Pfalz kämpfen mit hohen Lebenshaltungskosten |
|
| Die steigenden Kosten für Miete, Sprit und Lebensunterhalt belasten vor allem junge Menschen in Ausbildung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor den Folgen und fordert politische Maßnahmen. |
|
Mainz. Beim Wocheneinkauf und Tanken spürt Charlène Großmann die gestiegenen Preise besonders. "Da könne es schon mal knapper werden am Ende eines Monats", sagt die angehende Bankkauffrau im Foyer der Berufsbildenden Schule 3 in Mainz. Sie verdient rund 1.500 Euro brutto in ihrer Ausbildung - mehr als viele andere Azubis in Rheinland-Pfalz. In der Schule im Stadtteil Hartenberg stellt der DGB ein Dossier über das gestiegene Armutsrisiko für Auszubildende vor, betitelt "Jung, motiviert - und trotzdem broke?".
DGB-Landeschefin Susanne Wingertszahn betont: "Die Generation Z lebt nicht in Saus und Braus." Die politischen Einsparungen vernachlässigten die Perspektiven junger Menschen. "Jugendarmut ist kein Naturgesetz, sie ist politisch gemacht", so Wingertszahn.
DGB kritisiert Pläne der Bundesregierung
Die geplante Möglichkeit, Beschäftigte bis zu vier Jahre befristet anzustellen, sei besonders für junge Menschen schädlich, erklärt Wingertszahn. Das erschwere den Zugang zum Wohnungsmarkt und zu Krediten, wirke sich negativ auf die Motivation aus und lasse weniger Zeit für ehrenamtliches Engagement. Angehende Sport- und Fitnesskaufleute verdienen oft nur die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro brutto monatlich. Caja Stübenrath vom DGB Rheinland-Pfalz/Saarland berichtet, dass auch im Handwerk teils wenig gezahlt werde.
Einige junge Männer nutzen Broker-Apps, um auf dem Aktienmarkt dazuzuverdienen, oft ohne ausreichende finanzielle Bildung. Nazar Uzun, ebenfalls in einer Banklehre, kellnert nebenher, um die hohen Spritkosten und gelegentliche Restaurantbesuche finanzieren zu können. Sie und Charlène Großmann wünschen sich mehr Unterstützung für Auszubildende, etwa in Form von Prämien.
Der DGB fordert ein Azubi-Ticket in Rheinland-Pfalz und eine Bauoffensive für geförderten Wohnraum für junge Menschen. Laut DGB geben Azubis durchschnittlich 41 Prozent ihres Einkommens für Miete aus, Studierende sogar 53 Prozent. Viele wohnen noch bei den Eltern, obwohl über 70 Prozent volljährig sind und selbstständig leben möchten.
Handlungsbedarf sieht der DGB auch bei den Bafög-Sätzen. Diese müssten an die realen Lebenskosten angepasst werden, da die geplante Erhöhung der Bundesregierung nicht ausreiche. Nur knapp 14 Prozent der Studierenden in Rheinland-Pfalz erhalten überhaupt Bafög. Der Bildungsweg solle nicht vom Einkommen der Eltern abhängen.
Herausforderungen beim Berufseinstieg
Ohne Ausbildung steigt das Armutsrisiko weiter. 2024 fanden in Rheinland-Pfalz 17,4 Prozent oder mehr als 3.500 ausbildungsinteressierte junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Mehr Programme zur Unterstützung des Einstiegs in die Ausbildung seien nötig, genauso wie Praktika, um Jugendlichen mit schwierigeren Startbedingungen Chancen zu bieten. Unternehmen sollten Potenziale in Gesprächen oder Praktika erkennen, nicht nur auf Zeugnisse schauen.
Wer Jugendliche mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf ausbildet, solle finanziell unterstützt werden. Der DGB schlägt einen Zukunftsfonds für Ausbildung vor, in den alle Betriebe einzahlen. In einigen Branchen, wie der Bauwirtschaft oder Altenpflege, funktionierten Umlagesysteme bereits gut. "Das hilft jungen Menschen und sorgt dafür, dass die Ausbildungsplatzzahlen wachsen", sagt Wingertszahn. (dpa/KI/Red) |
|
| Pressemitteilung vom 07.09.2026 |
www.ww-kurier.de |
|
|
|
|
|
|